Michael Stürzenberger wird niedergebrüllt. Argumente bekommt man nicht zu hören

Michael Stürzenberger im Hexenkessel der Antidemokraten (Bild: metropolico)

Michael Stürzenberger (Die Freiheit) ist mittlerweile wohl einiges gewohnt. Fast jede Woche sammelt der Münchner Unterschriften. Deutlich mehr als 30.000 benötigen er und seine Mitstreiter. Bekommen sie diese zusammen, kommt es zu einem Bürgerentscheid. Entschieden wird über ein umstrittenes Projekt eines noch umstritteneren Mannes. Die Mega-Moschee des Imam Bajrambejamin Idriz. Mancher scheint die Abstimmung zu fürchten. Die Frage ist: warum?

Laut Abendzeitung (AZ) sind Studenten zu einer der zahlreichen Veranstaltung Stürzenbergers gekommen, um ihn „zur Rede zu stellen“. Doch reden lassen wollen sie ihn gerade nicht. „Halt´s Maul“ tönt es aus den Kehlen der angeblich 150 Gegendemonstranten. So viele hat jedenfalls die Polizei gezählt. Die AZ hat offensichtlich eine andere Zählweise und kommt auf „über 200“ Protestierer. Angeblich haben sich die Studenten daran gestört, dass Stürzenberger Anleihen bei der „Weißen Rose“ nimmt. Die Widerstandsbewegung gegen Hitlers Diktatur war durch den Übereifer eines Hausmeisters der Ludwigs-Maximilian-Universität in die Hände der Schergen des nationalsozialistischen Regimes geraten. Die Studenten dieser Hochschule fühlen sich nun zu Widerspruch verpflichtet.

In dem Artikel der Abendzeitung vom Tag nach der Demonstration kommen dann auch nur Studenten vor. Nett, adrett und alle hübsch anzuschauen und von der AZ schon als Studenten zu „Wissenschaftlern“ erklärt. Die schwarz gekleideten Teilnehmer mit Kapuzenpulli und Sonnenbrillen bekommt der Leser der AZ hingegen nicht zu sehen.

Argumente zählen nicht, nur Lautstärke

Dafür fallen aber auch alle Argumente, die gegen die Moschee und gegen Imam Idriz sprechen, unter den Tisch. Weder Idriz´ Vorbilder, die von einem islamischen Extremisten bis zu einem Mitglied der Waffen-SS reichen, noch dessen ständige Verteidigung der Scharia haben in der Berichterstattung der AZ Raum und sollen deswegen wohl auch nicht diskutiert werden. Das sehen die Studenten auf dem Münchner Marienplatz genauso. Sie brüllen die Argumente einfach weg. Deshalb ist auch kaum wahrnehmbar, als Stürzenberger zu dem Financier des Vorhabens etwas sagt. Der Staat Katar, der Terror gegen Israel unterstützt, ist den „Studenten“ weniger ein Dorn im Auge als Stürzenberger.

Ob man so nicht auch Sympathien für ein Vorhaben schafft, fragt man sich unter den Gegnern Stürzenbergs nicht. Ihm dürfte das recht sein, hat er doch ohnehin nur dann eine Chance, wenn er als der David in einem ungleichen Duell wahrgenommen wird. Doch reicht das? Oder gewinnt man nicht auch mit neuen und frechen Aktionsformen weitere und notwendige Unterstützer? Das sollte sich die Freiheit allerdings schon fragen. Nur die Karte des Underdogs zu spielen, wirkt auch nicht auf jeden und unendlich lange sympathisch.

Doch beim Ausspielen dieser Karte erhält die Freiheit ständig neue Helfer. Zur Pflege dieses Images trägt auch der Kreisverwaltungsreferent, Dr. Blume-Beyerle bei. Der Jurist, der die Sicherheitsbehörde der Stadt leitet, hatte der Freiheit Auflagen gemacht. Danach durften deren Mitsteiter bei ihren Kundgebungen weder jenseits der 55 Dezibel laut werden, noch ihre eigene Demonstrationen frei filmen und fotografieren. Das Verwaltungsgericht hat nun diese Auflagen in einer Eilentscheidung bis auf weiteres wieder aufgehoben. Doch Blume-Beyerle möchte sich im Klageverfahren durchsetzen. Dabei stört sich der Jurist augenscheinlich nicht daran, dass Demonstrationen mit eher linken Anliegen weit lauter auftreten als Stürzenberger. Es geht bei der Verhängung der Auflagen daher wohl kaum um Sicherheit für die Münchner. Ziel scheint eher zu sein – so der Eindruck, dem man sich nicht entziehen kann – eine demokratische Abstimmung der Münchner über ein fragwürdiges Projekt zu verhindern.

Aufruf zur Abstimmungsverhinderung

Dieses Motiv liegt wohl auch bei der AZ vor. Jedenfalls legt sie ihren Lesern nahe, sich wieder von der Unterstützerliste für das Bürgerbegehren streichen zu lassen. Ziel: Die Bürger Münchens sollen nicht darüber abstimmen, ob sie das Zentrum für Islam in Europa in München haben wollen. Denn so soll die Moschee mit Akademie und Geschäften heißen und gibt damit den Anspruch des Imam Idriz vor.

Eigenartig ist allerdings wie sehr sich nicht zuletzt auch die AZ bemüht, Stürzenberger als einsam, krude und extrem abzustempeln. Wenn dem so wäre, dann müßten die Befürworter der Mega-Moschee doch keine Abstimmung der Münchner Bürger fürchten. Doch was der demokratische Souverän nach Vorstellung der Gegendemonstranten, des Rathauses und der AZ zu sagen haben sollen, wird an diesem Tag unüberhörbar über den Marienplatz geschrien: „Halt´s Maul!“

Von Demokraten hätte man da mehr erwartet. Doch die findet man an diesem Tag nur sehr vereinzelt auf dem Münchner Marienplatz. Aber auch Antidemokraten können nett, adrett und hübsch anzuschauen sein. Wie der Artikel der AZ mit den Studenten vor Augen führt. (CJ)