Münchner Freiheit: Vom Verfassungsschutz beobachtet, vom Münchner Stadtmuseum ausgestellt.

(Bild: Martin Jost; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)
Münchner Stadtmuseum (Bild: Rufus46; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Das Münchner Stadtmuseum zeigt bis zum ersten September die Ausstellung „Wem gehört die Stadt?“. Exponate linker Bewegungen in München in den 70er Jahren des letzten Jahrhundert bekommt der Besucher zu sehen. Die Ausstellung ist eine Verklärung der 68er. Wer einen auch nur in Teilen selbstkritischen Umgang der Linken erwartet hat, wird enttäuscht. Das überrascht wenig, wenn man die Mitwirkung des Matthias Weinzierl als Fingerzeig für die Ausrichtung nimmt. Interessant was kaum beleuchtet oder gleich ignoriert wird. Etwa Antisemitismus und Gewalt der Linken. In einem Fall werden Parolen von einem Kommunisten ausgestellt, der noch heute durch den Verfassungsschutz beobachtet wird. Ein Umstand, den die Besucher der Ausstellung – wie so vieles – freilich nicht erfahren. 

So sieht sich die Linke also selbst, oder will so gesehen werden. An den Wänden des Münchner Stadtmuseums finden sich die Aufrufe zu Protest und Revolution. Alles natürlich im Zeichen des Friedens. Alles ist nett anzuschauen und gibt das Bild von engagierten und friedlichen wenngleich entschlossenen Bürgern wieder. An der Friedfertigkeit kann man allerdings seine – berechtigten – Zweifel haben.

Keine Zweifel kann man hingegen an der propagandistischen Ausrichtung der bis zum 1. September stattfindenden Ausstellung haben. Das wird deutlich, wenn man sich bewusst macht, über was die Ausstellung schweigt, oder vollkommen an den Rand drängt. Auch die Gewichtungen sind merkwürdig in der vom Bayerischen Rundfunk und der staatlichen Hochschule für Fernsehen und Film München gesponserten Ausstellung. Großen Raum nimmt etwa in der 141 Seiten umfassenden Begleitpublikation zur Ausstellung die staatliche „Repression“ in den 1970er ein. Die Rote Armee Fraktion (RAF) , die mit ihrem Terror vielfach Anlass der Maßnahmen war, wird zur Randnotiz degradiert.

Deckte SPD in den 1970er Jahren schon Linksextremisten?

Es fehlt auch an einem kritischen Umgang mit der Roten Hilfe, die ebenfalls thematisiert wird. Die durch den Verfassungsschutz beobachtete Organisation, die ihre Hilfe für Strafgefangene aus dem linken Milieu einstellen soll, wenn der Täter seine Gewalt – etwa gegen Polizeibeamte – im Strafverfahren bedauert, wird ebenfalls unkritisch dargestellt. Die Unterstützung der RAF seitens der Roten Hilfe lässt man an dieser Stelle unter den Tisch fallen. Kein Wort dazu, wenn auf den Seiten 51 und 52 des 15 Euro teuren Ausstellungskataloges die Rote Hilfe verklärt wird.Aber auch die damals schon aufgegriffene Wohnungsnot wird höchst einseitig dargestellt. Hätte es für ein rundes Bild nicht dazu gehört, dass die damalige CSU der SPD im Münchner Stadtrat vorwarf, mit ihrer Unterstützung für den Sternmarsch der Mieter Deckung für linksradikale Kräfte zu bieten? Die Christsozialen empfanden dies aufgrund von Parolen wie „Schade, dass Beton nicht brennt“ und „Friedrich Engels und der Kampf gegen die Wohnungsnot heute“. Ausdruck der eigenen Gewaltbereitschaft, die metropolico nicht in der Ausstellung, sehr wohl aber in der Süddeutschen Zeitung jener Tage in deren Berichterstattung zum Sternmarsch der Mieter finden konnte.

Keine Rolle spielte für die Macher der heutigen Ausstellung, wie wenig friedlich die Friedensbewegung war. Zwar wird das Plakat für die Osterdemonstration 1969 gezeigt, an der Protestierer in ganz Deutschland teilnahmen. Aber der Ausstellungbesucher erfährt nichts über die gewalttätigen Zusammenstöße in Frankfurt und Stuttgart. Sicher, in München blieben die 1.000 Demonstranten („diesmal“, so die Süddeutsche Zeitung) friedlich. Doch da die Ausstellung an anderer Stelle großzügig Bezug zum Protest in anderen Städten nimmt, hätten diese Bezüge auch in diesem Zusammenhang aufgegriffen werden können. Zumal es in anderen Jahren auch in München „zur Sache ging“. So kamen in der Münchner Barer Straße nur ein Jahr zuvor ein Pressefotograf und ein Student bei zwei Tage andauernden Straßenschlachten ums Leben. Auch die systematische Infiltration der Friedensbewegung durch östliche Geheimdienste und die Finanzierung ist kein wirkliches Thema.

Es wäre der Ausstellung gut zu Gesicht gestanden, über jenen Mann aufzuklären, der das Plakat für die Demonstration Ostern 1969 herausbrachte. Claus Schreer war es, der damals auf jenem Plakat unter anderem die Forderung „Vietnam den Vietnamesen“ verbreitete. Schreer, der heute noch Mitglied der DKP und auch im ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachteten „Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus“ ist, hatte noch im Jahr 2008 ein zumindest merkwürdiges Verhältnis zur Mauer. Wie die taz berichtet, trat Schreer auf der offenen Wahlliste der Linken an, der Rechtsnachfolger der Partei also, die für ebenjene Mauer und Schießbefehl verantwortlich ist. Schreer war demnach von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) als Linksextremist ins Fadenkreuz genommen worden. Noch heute veranstaltet Schreer, der namentlich im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird, Demonstrationen (metropolico berichtete), auf denen fanatische Verfassungsfeinde das Bild des Protestes bestimmen.

Der in der Linken grassierende Antisemitismus ist kein Thema

Aber auch von der Münchner Demonstrationen im Jahr 1969 der angeblich dem Frieden Verpflichteten wird ein nicht unwesentlicher Aspekt ausgeblendet, der heute noch eine Traditionslinie der Linken ist. Der Antisemitismus. So nahmen nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von 1969, der sich – man ahnt es – nicht in der Ausstellung findet, „erstmals arabische Studenten“ teil, die der Al Fatah zuzurechnen waren. Sie forderten in der Auseinandersetzung mit Israel den „Kampf bis zum Sieg“.

Eine nicht misszuverstehende Forderung. Dieser Endsieg gegen Juden wurde später auch durch die Zusammenarbeit deutscher Terroristen mit jenen arabischen Ursprungs angestrebt. Diese Verbrüderung ging so weit, dass deutsche und arabische Terroristen 1976 eine Air France Maschine entführten. Wilfried Böse sortierte dabei die Juden aus. Als ihm ein jüdischer Passagier seine tätowierte KZ-Nummer zeigte und den Linksextremisten an die Taten der nationalen Sozialisten erinnerte, meinte Böse lapidar: „Ich bin kein Nazi, ich bin Idealist“.

Der Historiker Wolfgang Kraushaar hat die Verbindung zwischen Antisemitismus und dem Entstehen des deutschen Linksterrorismus, der wiederum seine Ursprünge in der 68er-Bewegung hatte, in beeindruckender Weise aufgezeigt. Antisemitismus wurde dieser von den Kommunarden und anderen Linken allerdings nicht genannt. Der Hass gegen Israel wurde – wie etwa von Ulrike Meinhof – hinter dem Begriff Antiimperialismus versteckt.1933 ist „Missing Link“ zu 1968

Ein Begriff, der den Besuchern der Münchner Ausstellung jedoch ohne jede Erklärung, ohne jeden erweiterten Kontext vor die Füße geworfen wird. Man hätte dem Münchner Stadtmuseum, das sich in direkter Nachbarschaft zur Münchner Synagoge am Jakobsplatz befindet, einen kritischeren Umgang mit Geschichte gewünscht. Sicher, nicht jeder Linke ist oder war Antisemit. Aber eine Beleuchtung (!) der Vergangenheit hat damit zu tun, Licht in die dunklen Ecken zu bringen. Das gelingt der Ausstellung und seinen Machern erkennbar nicht. Nicht einmal die Diskussion wird hier weitergeführt. Im Gegenteilt: diese wird durch die Ausstellungsmacher ignoriert.

Vielmehr wird in dem von Matthias Weinzierl gestalteten Begleitbuch davon gesprochen, es sei in jenen Jahren erstmals eine internationale „Bewegung“ entstanden, die den „antiimperialistischen Befreiungskampf synchronisierte“. Dass sich hinter der „Bewegung“ der 68er dieselben Mechanismen verbargen wie hinter der „Bewegung“ der 33er, sprich der nationalen Sozialisten, zeigte der ehemalige 68er Götz Aly in seinem Buch „Unser Kampf“.

Imperialistisch konnte und kann nach linker Welterklärungs-Attitüde neben Israel nur „der Westen“ sein. Bekanntermaßen hat sich der „Antiimperialismus“ der Linken nie gegen Russland gerichtet. Damals war allerdings die Sowjetunion noch existent und sozialistisch. Damit konnte sie nur für das Gute stehen, jedenfalls aus linker, oder doch vielmehr linksextremer Sicht. Auch diese Einseitigkeit, das Schweigen der 68er-Bewegung zu den millionenfachen Morden in sozialistischen Ländern, zu Unterdrückung und Ausbeutung wäre Sache einer solchen Ausstellung gewesen.Man hätte sich auch ein paar kritische Worte zu den Auswüchsen der „sexuellen Befreiung“ gewünscht. Stattdessen wird im Begleitbuch ohne jeden weiteren Kommentar das Buch „Der große Basar“ von Daniel Cohn-Bendit abgedruckt, in dem der Autor von Sex mit Kindern fabuliert. Sogar die Grünen haben – jedenfalls offiziell – anerkannt, dass die eigene Geschichte in Bezug auf Pädophilie kritischer betrachtet werden müsse. Das scheint das städtische Museum in München anders zu sehen.

Fragwürdige Mitwirkende im städtischen Museum

So viele Themen, so viele Versäumnisse. Da mutet der Pressetext zur Ausstellung schon satirisch an, wenn dort von „Forschung“ und „quellenkundlicher Aufarbeitung“ die Rede ist. Die Einseitigkeit und Beschönigung wird auch nicht durch das – laut Pressetext – bewusst „fragmentarische“ der Ausstellung besser. Zumal man an dieser Stelle augenscheinlich meinte, nicht genug linke Sichtweisen dargestellt zu haben.

Doch es wäre wohl zu viel verlangt, wenn man von Leuten wie Matthias Weinzierl forderte, die eigene politische Sichtweise innerhalb einer Ausstellung eines allen Bürgern gehörenden städtischen Museums einem kritischen Blick zu unterziehen. Schließlich ist davon auszugehen, dass Weinzierl zum Beispiel Gewalt in der Politik nicht ablehnt. Gehört der Viertelgeschäftsführer des „Bayerischen Antifa- und Flüchtlingsrates“ doch dem Verein „Netzwerk Selbsthilfe“ an. Wie berichtet, finanzierte dieser nicht nur eine Busfahrt zum Schottern vor, sondern kam auch für die Druckkosten eines Flyers auf, in dem zum Schottern und damit zu einer Straftat aufgerufen wurde.

Die Museumsleitung wendet sich wegen metropolico an „übergeordnete Stellen“ 

Doch der Gestalter des mit öffentlichen Geldern finanzierten Ausstellungskatalogs möchte hierüber keine Debatte führen. „Eine Unverschämtheit, dass Sie mich privat anrufen“, bellte er ins Telefon als er zu hören bekommt, dass metropolico gerne mit ihm über die Ausstellung gesprochen hätte. Auch die Leiterin des städtischen Museums, Dr. Isabella Fehle, ist für metropolico nicht zu sprechen. Zwar notierte sich die Mitarbeiterin die Fragen, der „in einer Besprechung“ befindlichen Fehle. Ein Rückruf erfolgte aber genauso wenig wie durch den Kurator Manfred Wegner, so dass die Fragen zu Mitwirkenden und zu (selbst-)kritischen Positionen der Ausstellung per E-Mail gestellt wurden.
Die Anfrage könne durch das Stadtmuseum nicht beantwortet werden, ließ Dr. Fehle metropolico wissen. Die „Angelegenheit“ sei einer „übergeordneten Stelle“ zugeleitet worden. Eine Antwort dieser Stelle, die augenscheinlich nicht benannt werden kann, ging metropolico trotz Ankündigung des Tages der Veröffentlichung dieses Artikels nicht zu.

Die am weitesten übergeordnete Stelle städtischer Einrichtungen ist natürlich Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Dieser führt übrigens das städtische „Bündnis für Toleranz und Rechtsstaat“ an. In diesem ist auch Martin Löwenberg aktiv. Dieser gehört auch dem „Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus“ an. Ebenfalls Mitglied in dem durch den Verfassungsschutz beobachteten Bündnis: Claus Schreer.