Frage an den Blauen Doc: Was, wenn Ungarn die Husaren mobil macht?

Schon wieder ein Pferdefleischskandal?
(Bild: public domain)

Ein guter Manager zeichne sich dadurch aus, dass er sich möglichst lange alle Optionen offen halte und sich möglichst auf nichts festlege, was nicht unbedingt nötig sei. Wer sagte das? Die Quelle ist unbekannt, aber der Wahrheitsgehalt ist unbestritten. Ein Ass im Ärmel behalten, seine Karten verdeckt halten, taktieren – so läuft es nicht nur im Spiel.

Die fähigsten Manager findet man in der Politik. Jedenfalls wenn man die genannte Grundregel als die einzige überhaupt notwendige Eigenschaft eines fähigen Managers ansieht. Es soll ja noch andere geben, aber man ist ja schon froh, wenn in Teilaspekten in der Politik so professionell gearbeitet wird, wie in der Wirtschaft. Auf jeden Fall legt man sich in der Politik nicht fest. Einem erfolgreichen Politiker gelingt es, sich zu allen wesentlichen Themen überhaupt niemals festzulegen.

Zu dieser Regel gibt eine Nebenregel. Diese besagt, dass ein Politiker, sollte er sich doch einmal festlegen, stets das exakte Gegenteil dessen meint, was er gesagt hat, falls die Aussage eine Verneinung enthielt. – Wie bitte? – Sagt er etwa: „wir beschließen die Einführung islamischen Religionsunterrichts“, dann wird man das tun. Sagt er etwa „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“, dann wird man das gerade tun. Sagt man „wir pfeifen auf den Maastrichter Vertrag“, dann kann man das glauben. Sagt jemand „Eine gesamtschuldnerische Haftung (aka Euro Bonds) wird es nicht geben“, dann sind die Pläne dafür bereits in Arbeit. Fügt man dann noch hinzu „nicht solange ich lebe“, heißt das „Ihr werdet es alle noch erleben“.

Da haben wir noch Glück gehabt, dass Peer Steinbrück sich nicht ganz deutlich festgelegt hatte, die Kavallerie nicht gegen die Schweiz ausreiten zu lassen. Bei dem Zustand der Bundeswehr hätten wir bis heute sicher alle Jodeln lernen müssen. Deutlicher wurde nun Angela Merkel gegenüber Ungarns Premierminister Viktor Orbán. Spiegel online zitiert sie mit den Worten „Wir werden alles tun, um Ungarn auf den richtigen Weg zu bringen, aber nicht gleich die Kavallerie schicken.“ Wie wir lernen durften, heißt das, sie wolle (tatsächlich) alles tun, um Ungarn auf den richtigen Weg zu bringen und plane (in Wirklichkeit) dies auch mit Gewalt durchzusetzen.

Kein Wunder, dass sich der aufrechte Rechte schützend vor sein Land stellt, die offensichtlichen Parallelen zur noch nicht verjährten Geschichte öffentlich herausstellt und unsere Bundeskanzlerin wie eine splitternackte, von historischem Lernstoff unbeleckte Sitzenbleiberin dastehen lässt.

Ganz im Ernst: Welche diplomatische Ebene ist es, auf der zwischen Staatschefs über den gegenseitigen Waffengang geredet wird? Welche Eskalationsstufe verbleibt noch, nachdem dies ausgesprochen wurde? Alles nur ein Scherz, ein schlechter? Ha, ha, ha, es wird doch nicht zurückgeschossen?

Ronald Reagan hatte sich einst im Jahr 1984 einen Scherz erlaubt, in einer Sprechprobe vor einem Radiointerview die Bombardierung der Sowjetunion zu verkünden. Damals gab es sogar ein paar Lacher – klar lacht man über Witze des Chefs. Allerdings hatte man, besonders in Deutschland, kein gutes Haar an ihm gelassen, und als Regierungschef sind Waffeneinsätze kein Thema, über das man sich Scherze erlauben darf. Auch nicht als Koketterie gegenüber Radiomoderatoren, die sich dann mit einem Scherz revanchiert haben und die Aufnahme veröffentlicht haben.

Hätte Angela Merkel 1984 gelegentlich Westradio gehört anstatt an an Ihrer Alma Mater in der „Hauptstadt der DDR“ der Promotionsordnung gehorchend die „marxistisch-leninistischen Kenntnisse wesentlich“ zu vertiefen und zu erweitern, hätte sie es gewusst. Warum hat es Ihr nicht wenigstens nachher irgendjemand erzählt?