Frage an den Blauen Doc: Ist Lucke ein Sozialarbeiter für die Schmuddelkinder vom rechten Rand?

Rechts von wem ist nur noch die Wand?
(Bild: Ralf Roletschek/ Wikipedia; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz [linkes Teilbild] und public domain [rechtes Teilbild]; Original: siehe Link)

In einer idealen Welt kümmern sich Sozialarbeiter engagiert um junge Menschen mit Potential und ohne rechte Chance – ob es diese in einer idealen Welt überhaupt gäbe, sei dahingestellt. Niemand würde sich nun gegen die Sozialarbeiter wenden mit dem Vorwurf, die tummeln sich doch nur mit Kriminellen!

Ganz recht, das wäre narrisch und vor allem maßlos arrogant, etwa wie der berühmte, Marie Antoinette nachgesagte Ausspruch „Wenn die Bauern kein Brot haben, mögen sie doch Kuchen essen“. Dennoch geschieht genau das immer wieder, zwar nicht bei den Sozialarbeitern – bei den Helfern wird nicht viel differenziert, sie genießen Narrenfreiheit. An vielen Stellen beurteilt man dennoch einen Menschen, eine Gruppe, eine Partei danach, mit welcher Gesellschaft sie sich umgibt. Ganz abwegig ist das ja auch nicht – you lie down with dogs, you get up with fleas.

Aktuell werfen die LINKE, und die ebenfalls linke FDP der vermutlich nicht linken AfD vor, für noch un-linkere Wähler attraktiv zu sein. Jetzt ist die Abgrenzung gegen Vorwürfe des Rechtsradikalismus ein alter Hut, und die AfD hat es bislang geschafft, ohne Gesichts- und Positionsverlust solche Angriffe zu parieren. Der Kampf geht aber nun in die nächste Runde.

Wie man zum Beispiel im Handelsblatt lesen kann, stellt AfD-Chef Bernd Lucke fest, dass es besser ist, wenn seine Partei die Stimmen bekommt als wenn diese bei radikalen Parteien landen. Dies ruft Patrick Döring von der FDP und Bernd Riexinger von der LINKEN auf den Plan, die aufs Stichwort Tiraden zum besten geben. „Im Braunen fischen“, nennen das SAT1 und N24, der „Nachrichten“-Spartenkanal desselben Unternehmens einträchtig. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, nannte das Franz-Josef Degenhardt. Dabei will Lucke nicht einmal mit den Schmuddelkindern spielen, geschweige denn ihre Lieder singen. Er will sie vielmehr dazu bringen, dass sie seine Lieder singen und mit ihm in die Oberstadt gehen – genau genommen viel sozialer, als es Degenhardt damals war.

Was dem Sozialarbeiter nachgesehen wird, sein Kümmern um verlorene, vergessene und teilweise fragwürdige Gestalten, daraus wird Lucke nun ein Strick gedreht. Ist dieser argumentative Dreh Döring und Riexinger nicht selbst etwas peinlich? „Rechts von uns ist nur noch die Wand“ – das posaunte trotzig Franz Josef Strauß. Man nahm es ihm ab, und er behielt recht. Derselbe Spruch, heute von Horst Seehofer vorgebracht, und von links bis rechts kugelten sich alle vor Lachen.

In der repräsentativen Demokratie liegt die Macht beim Parlament. Egal wie radikal der Wähler war oder sich prinzipiell trauen könnte zu sein: hat er eine nicht-radikale Partei gewählt, dann kommen deren Methoden und Absichten zum Zuge und nicht die unterdrückten Träume des Wählers. Also auf, liebe Radikale, Mut zu Lucke! Aber es scheint fast, als wäre es der Döring-Riexinger-Koalition lieber, es hätte alles seine Ordnung, der zum Radikalen neigende Wähler lebte und wählte seine Radikalität auch voll aus, gäbe sich einen Ruck und stimmte für die NPD.