metropolico im Gespräch mit Kevin Freeman: Warum der Goldpreis einbrach

Warum der Goldpreis einbrach – Ein Interview mit Kevin Freeman (Bild: gemeinfrei)

Vor zwei Wochen kam es an den Edelmetallmärkten zum stärksten Kursrückgang seit Jahrzehnten. Allein am Montag dem 15. April war der Preis für Gold zwischenzeitlich um 10 Prozent eingebrochen und nachdem der erste Schreck vergangen ist und sich die Preise inzwischen wieder etwas erholt haben bleibt Ratlosigkeit. Was ist da geschehen und wie war es möglich, dass die Edelmetallpreise plötzlich so stark einbrachen? metropolico sprach mit Kevin Freeman, dem Autor von „Secret Weapon“.

metropolico:
Herr Freeman, was hat sich Ihrer Ansicht nach in den letzten zwei Wochen an den Edelmetallmärkten abgespielt und gibt es bei diesem Preiseinbruch ähnlich wie beim Finanzcrash von 2008 Hinweise für einen vorsätzlichen Akt wirtschaftlicher Kriegsführung?

Kevin Freeman:
Was wir bei dem massiven Rückgang des Goldpreises sahen, war die Folge großangelegter ungedeckter Leerverkäufe. Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass die Leerverkäufer das Gold tatsächlich besitzen oder in der Lage wären es physisch auszuliefern. Und deshalb glaube ich, dass es ungedeckte Leerverkäufe waren, bei denen ein Verkauf stattfindet obwohl der Verkäufer die Ware, die er verkauft weder selbst besitzt noch geliehen hat. Die Verkäufe fanden in so großem Umfang statt, dass es den Anschein hatte als wäre eine Zentralbank oder irgendein Staatsfond darin involviert.

Es könnte sich um Vorausverkäufe von z.B. Zypern handeln, bei denen es darum geht, den Preis vor der späteren Auslieferung festzuschreiben. Zypern besitzt grosse Goldreserven, welche es angesichts seiner finanziellen Probleme gezwungen sein wird zu verkaufen. Aber das ergibt keinen Sinn, denn die Panik, die durch die Massenverkäufe entstanden ist, führte zu niedrigeren Preisen und der Zweck einer Preisfestsetzung ist stets, einen besseren Preis zu erzielen. Es sieht tatsächlich so aus, als ob es die Absicht gewesen wäre, eine Panik auf dem Goldmarkt auszulösen.

Vor diesem Hintergrund könnte zusätzlich einer oder mehrere große Goldbesitzer konfrontiert mit Nachschussforderungen zum Verkauf gezwungen worden sein, was den Effekt noch verstärkte. Der frühere Goldman Sachs Mitarbeiter und Goldtrader Andrew Maguire glaubt, dass es eine Art von Manipulation der FED war. Seine Arbeit wurde vom früheren Wirtschaftsberater der Reagan-Regierung Dr. Paul Craig Roberts zitiert.

Aber unabhängig davon ist das große Ausmaß der Verkäufe gelinde gesagt verdächtig. Und die Art und Weise wie es abgelaufen ist erinnert sehr an die Vorgänge, die ich in meinem Buch Secret Weapon beschrieben habe. Wer mit geliehenem Geld Gold gekauft hatte geriet in Panik und wurde dazu gezwungen, andere Bestände einschliesslich Aktien zu verkaufen um Liquidität für die fälligen Nachschussforderungen aufzubringen. Dies führte zu einem kaskadenartigen Preiseinbruch der sich mit der Nachricht des Bombenanschlags in Boston noch verstärkt hat. Die Kombination aus dem starken Preissturz am Gold- und Aktienmarkt zusammen mit dem Terroranschlag im Verlauf des Tages war sicherlich beunruhigend.

metropolico:
Es gibt im deutschsprachigen Raum einige Marktbeobachter, die davon ausgehen, dass der Goldpreis schon bald durch die Decke gehen könnte, weil angeblich nicht mehr genug physisches Gold auf dem Markt vorhanden sei um die riesigen Mengen mutmasslich ungedeckter Leerverkäufe zu decken, welche jetzt mutmasslich diesen Preiseinbruch bewirkt haben. Halten Sie einen solch starken Anstieg des Goldpreises für realistisch?

Kevin Freeman:
Zunächst möchte ich betonen, dass es nicht sicher ist, ob es wirklich die FED war, oder ob jemand anderes den Preiseinbruch ausgelöst hat. Paul Craig Roberts und andere behaupten das zumindest. Wenn das aber der Fall wäre, dann scheint es klar, dass die Aktion mit Papiergold und nicht mit tatsächlichem physischem Gold durchgeführt wurde. Betrachtet man alleine das Verhältnis von Angebot und Nachfrage, so scheint die Nachfrage jetzt stärker zu steigen als das Angebot. Weshalb man zu dem Schluss kommen muss, dass es sich um ungedeckte Leerverkäufe handelt. Bei ungedeckten Leerverkäufen geht es darum, dass etwas verkauft wird, was der Verkäufer nicht besitzt und auch nicht geliehen hat um es verkaufen zu können.

Das unterscheidet sich von herkömmlichen Leerverkäufen, bei denen der Verkäufer sich den Posten ausleiht und verspricht, ihn irgendwann zurückzuzahlen. Bevor ich fortfahre sollte auf eines hingewiesen werden, das ich auch in meinem Buch Secret Weapon beschrieben habe und das die Ereignisse von 2008 gezeigt haben, nämlich dass ungedeckte Leerverkäufe das Potential besitzen, eine Firma, deren Finanzierung vom Aktienmarkt abhängig ist, komplett auszulöschen. Wenn sie mit Credit Default Swap-Manipulationen kombiniert werden, durch die man einer Firma die Möglichkeit nehmen kann, neues Kapital aufzunehmen, dann können ungedeckte Leerverkäufe eine Firma sehr wirkungsvoll in den Ruin treiben. Manche Firmen können genau wie Banken nicht überleben ohne einen kontinuierlichen Kapitalfluss. So wurde gemäß George Soros Lehman zerstört. Aber während ungedeckte Leerverkäufe für manche Aktien durchaus tödlich sein können, kann man damit natürlich keine Rohstoffe wertlos machen, die ja einen Wert an sich haben.

Man kann damit zwar eine Blasenbildung beseitigen aber zum Beispiel Weizen, Mais, Öl oder Gold nicht völlig wertlos machen. Der Grund dafür ist, dass die Nachfrage nach echten Rohstoffen die Fähigkeit jedes Verkäufers überdauert, ungedeckt leer zu verkaufen. Was das ungedeckte Leerverkaufen von Gold angeht wird es irgendwann zu einer Deckung kommen müssen, zumindest wenn es auf den Märkten mit rechten Dingen zugeht. Dann wird es erforderlich werden, die Positionen, die verkauft wurden, in diesem Fall also Zertifikate oder Inhaberpapiere für Gold, nachzukaufen um sie dem Käufer aushändigen zu können. Wenn wir davon ausgehen, dass solches Papiergold letztlich einen Anspruch auf echtes, physisches Gold darstellt, dann wird der ungedeckte Leerverkäufer dazu gezwungen auf den physischen Markt zu gehen und die verkauften Papiere dort mit echtem Gold zu decken.

Andernfalls ist das gesamte System ein Betrug. Im Endeffekt wird das die Nachfrage in einem ohnehin schon engen Markt und bei noch weit höheren Preisen erheblich vergrössern, besonders da Russland, China, Indien und andere Staaten das physische Angebot aufkaufen. Das ist dann eine klassische Short Squeeze-Situation und könnte, wenn man so will, zu neuen Höchstpreisen führen. Allerdings könnte der Verkäufer natürlich auch bereits Gold besitzen, besonders wenn die FED oder irgendeine Zentralbank der Verkäufer war und wenn wir voraussetzen, dass diese Gold besitzt. In diesem Fall wären das überhaupt keine ungedeckten Leerverkäufe. Und wenn die Zentralbanken tatsächlich solche Reserven besitzen, wie sie behaupten, dann können sie die Preise eine Weile unten halten.

metropolico:
Wir wissen, dass Russland und China und andere Feinde des Westens grosse Mengen von physischem Gold aufkaufen und diese Länder stehen im Verdacht, zusammen mit radikalen Islamisten den Akt wirtschaftlicher Kriegsführung organisiert zu haben, der zum Finanzcrash von 2008 geführt hat und den Sie in Ihrem Buch beschrieben haben. Wenn wir einmal annehmen, dass Andrew Maguire Recht hat und es wirklich die FED gewesen wäre, welche den Preiseinbruch ausgelöst hat, dann gewinne ich den Eindruck, dass die FED mit derartigen Preismanipulationen letztlich doch nur den Feinden des Westens dabei hilft, noch mehr physisches Gold aus den Händen westlicher Kleinanleger aufzukaufen, die angesichts derartiger Preiseinbrüche in Panik geraten und sich von ihren Goldbeständen trennen. Wenn ich mich richtig erinnere war die Politik der FED auch im Gefolge des Finanzcrashs von 2008 nicht wirklich konstruktiv. Manche Analysten glauben, dass die FED mit solchen Manipulationen lediglich versucht, den Goldpreis zu drücken um kurzfristig den Dollar zu retten, aber das ergibt auf lange Sicht meines Erachtens keinen Sinn. Was glauben Sie, welche Strategie verfolgt die FED wirklich?

Kevin Freeman:
Warum die FED ein Interesse daran haben könnte, den Goldpreis unten zu halten? Die vernünftigste Erklärung ist genau die, die Sie gerade genannt haben, nämlich um den US Dollar zu stützen. Wenn wirklich genau das jetzt stattfindet und die FED tatsächlich ungedeckte Leerverkäufe getätigt hat und wir darüberhinaus davon ausgehen, dass nur eine begrenzte Menge Gold vorhanden ist, dann sind ihre Schlussfolgerungen richtig. Das wäre ein sehr gefährliches Spiel, das dem Dollar langfristig mehr Schaden zufügen würde als ihm zu nützen. Es könnte eine Panikreaktion auf eine Situation gewesen sein, die man als eine akute Gefahr für die Rolle des Dollars als Weltleitwährung erkannt hat. Es könnte aber auch sein, dass ein großer Hedgefond leerverkauft hat oder vielleicht ein Staatsfond, in der Hoffnung auf einen schnellen Gewinn oder sogar ein Arbitragegeschäft.

Vielleicht wurden die Verkäufer von der Goldpreiserwartung von Goldman Sachs oder von sonstwem dazu motiviert, die davon ausging, dass es zu einem Ausverkauf von Gold kommen würde. Wir haben betont, dass die offiziell grössten Goldbesitzer allesamt Zentralbanken sind, die Gold bei Bedarf verkaufen können und werden. Ein großer Hedgefond könnte also dem Markt zuvorgekommen sein und eine kleine Panik auf dem Papiermarkt ausgelöst haben. Zwei Dinge sind sicher: Erstens, der Preisverfall vor zwei Wochen erzeugte eine kleine Panik und alle, die Gold unten sehen wollen fanden damit eine Gelegenheit. Zweitens, auf dem physischen Goldmarkt wurde stark gekauft. Wir behaupten, dass eine Vielzahl politischer Kräfte in einen – wie wir das nennen – globalen Wirtschaftskrieg verstrickt sind. Wir gehen davon aus, dass die Phase Drei dieses Krieges gegen den Dollar und den Markt für US-Staatsanleihen geführt wird. Ich stimme absolut zu, dass, wenn die Fed versucht, den Goldpreis künstlich zu drücken um den Dollar zu stützen, das nach hinten losgehen wird.

metropolico:
Vielen Dank Herr Freeman, für Ihre Einschätzung der aktuellen Lage. Leser, die mehr zum Thema erfahren möchten seien auf Kevin Freemans Buch Secret Weapon sowie auf seine Internetseite Global Economic Warfare verwiesen, wo eine spezifische Analyse zum Goldpreisverfall zu finden ist.

Verweise:

Secret Weapon – Kevin Freeman; Regnery Publishing; Januar 2012
After Gold Crash, Expert points to Central Bank Manipulation – 16.April 2013; The New American