Juden und Christen werden in Tunesien zunehmend unterdrückt

Tunesien – einst ein sekulärer Staat (Bild: gemeinfrei; Wikipedia )

In Tunesien schrumpft die Zahl der Juden und Christen stetig. Die Religionsfreiheit wird immer mehr eingeschränkt. Tunesien islamisiert sich.

Im nordafrikanischen Staat Tunesien, der ungefähr doppelt so groß wie Österreich ist, lebten bis zur Unabhängigkeit von Frankreich 1956 knapp 300.000 Christen. Heute, nachdem das Land 2011 den sogenannten „Arabischen Frühling“ durchlaufen hat, ist die Zahl der Christen in Tunesien auf 30.000 gesunken.

Auch die einst starke jüdische Gemeinde verkleinert sich massiv. Sie zählt heute noch etwa vierzig jüdische Familien in der Hauptstadt Tunis und circa tausend Menschen jüdischen Glaubens auf der Insel Djerba, so die Neue Zürcher Zeitung (NZZ).

Säkulares Tunesien soll zum islamischen Vorzeigeland werden

Unter Tunesiens Diktator Ben Ali wurde die Säkularität gewahrt. Die christliche und jüdische Minderheit konnte ohne Einschränkungen existieren.

Das Bild hat sich nun aber, wie in allen Ländern des „Arabischen Frühlings“, gewandelt. Die sogenannte Revolution stärkte zunehmend den islamischen Glauben. Dieser ist seither verstärkt in der Öffentlichkeit präsent und schränkt die Religionsfreiheit von Nichtmuslimen, sprich den Juden und Christen, immer stärker ein.

So muss die große Synagoge in Tunis, unweit der Salafisten-Moschee gelegen, mit Stacheldraht und Polizeischutz vor Übergriffen geschützt werden. Schon kurz nach der „Revolution“ nahmen die Übergriffe auf Synagogen zu.

Die unter Ben Ali verbotene En-Nahda Bewegung (Bewegung des Wiedererwachens), unter der jetzigen Führung des islamistischen Rachid al-Ghannouchi, hat verhindert, dass die Bekenntnis- und Gewissensfreiheit als eigenes Grundrecht in die tunesische Verfassung aufgenommen wird. Auch zu dem Artikel zum Schutz von Minderheiten haben sie „nein” gesagt.

Islamist Rached Ghannouchi (Bild: Parti Mouvement Ennahdha; Quelle: Wikipedia; Rechte:CC-Lizenz;Original: siehe Link)

Tunesiens Islamist Rached Gannouchi – Vorbild für Münchens Vorzeige-Imam

Die islamische Bewegung En-Nahda wurde 1981 als Partei der islamischen Ausrichtung gegründet. Ihr Führer Rached Gannouchi lebte von Anfang der 1990er-Jahre bis zur tunesischen Revolution im Januar 2011 im Exil in London. Rachid Ghanouchi wurde unter anderem, wie Welt Online berichtete, als Drahtzieher des Mordes an dem Oppositionellen Schokri Belaid bezeichnet.

Die säkulare Opposition wirft der En-Nahda vor, sie spreche gemäßigt und offen vor den westlichen Medien, ultrakonservativ jedoch fernab von Kameras.

Vor einigen Monaten zum Beispiel wurde ein Video veröffentlicht, so swissinfo in dem Rached Ghannouchi die Salafiten ermutigte, Radio, TV, Koranschulen und Vereine zu gründen, um den Islam dosiert und in kleinen Etappen zu verbreiten und die Scharia (islamisches Recht) durchzusetzen.

Ghannouchi verteidigte sich darauf und behauptete, das Video sei gefälscht. In Tunesien wurden die Wahlen der En-Nahda Bewegung ebenfalls durch das wahabitische Katar finanziert.

Die Nahda-Bewegung mit ihrem fundamentalistischen Führer Rachid al-Ghannouchi wurde vom Penzberger Vorzeige-Imam und Hauptinitiator des ZIE-M Projekts (Zentrum für den Islam in Europa-München) als leuchtendes Beispiel des gemäßigten Islam genannt. Münchens Bürgermeister Udes Vorzeigeimam Bajrambejamin Idriz würdigte den Islamisten Ghannouchi in seinem Buch „Grüß Gott, Herr Imam“ als „zeitgenössischen muslimischen Denker” und vorbildlichen Demokraten sowie als Vertreter des gemäßigten Islams.

Gezielte islamische Indoktrination von Kindern

In Tunesien prägt nun der Islam den öffentlichen Raum und den politischen Diskurs. Aktuell wird in immer mehr tunesischen Kindergärten der Koran Grundlage des frühen Lernens. Diese Einrichtungen entstanden nach dem Umsturz vor zwei Jahren, der die islamische Partei En-Nahda an die Macht brachte. Die meisten der inzwischen rund 200 Kindergärten wurden von Vereinigungen gegründet, die sich die Islamisierung Tunesiens zum Ziel gesetzt haben und somit bereits von der Wiege an beginnen, die Kinder zu islamisieren.

In dem Maße, wie der Islam voranschreitet, werden die Rechte der nichtmuslimischen Minderheiten eingeschränkt. Dieser Weg wird soeben auch vom einst säkularen Tunesien beschritten. (BS)