Frankfurter Fraktionsvorsitzender verlässt die FW-Bundespartei

Der FW-Bundesvorsitzende Hubert Aiwanger (links) und der Frankfurter Fraktionsvorsitzende Wolfgang Hübner (Bild Aiwanger: Sigismund von Dobschütz; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link; Bild Hübner: Freie Wähler Frankfurt)

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Frankfurt hat am Mittwoch seinen Austritt aus der Bundespartei der Freien Wähler erklärt und wendet sich der neuen Alternative für Deutschland (AfD) zu.

Es ist ein weiterer spektakulärer Übertritt von den Freien Wählern zur neu gegründeten Alternative für Deutschland (AfD): Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Frankfurt, Wolfgang Hübner, dessen Kommentare auch regelmäßig auf metropolico erscheinen, hat am Mittwoch in einer E-Mail an den Bundesvorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, seinen Austritt aus der Bundespartei erklärt. Er werde sich nun der AfD zuwenden und habe dort die Mitgliedschaft beantragt, so der Frankfurter Lokalpolitiker.

„Hubert Aiwanger hat den Karren an die Wand gefahren“

Hübners Austritt gilt allerdings nur für die FW-Bundespartei. Im unabhängigen Verein der Freien Wähler Frankfurt bleibt der Fraktionsvorsitzende im Römer „selbstverständlich“ Mitglied. Die Fraktion bleibt also unberührt. Nichtsdestotrotz kann sich die AfD damit zukünftig eines Mitglieds erfreuen, das über langjährige Erfahrung in einem der bedeutendsten Stadtparlamente der Republik verfügt und dort auch weiterhin vertreten ist.

Gegenüber metropolico nannte Hübner zwei wesentliche Gründe für seine Entscheidung: „Erstens bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass eine FW-Partei auf Bundesebene so nicht funktionieren kann. Zweitens hat die Art und Weise, wie die Führung der FW-Bundespartei, aber auch die des hessischen Landesverbandes, in den vergangenen Monaten vorgegangen ist, der Sache durchweg geschadet.“

Auch in seinem Austrittsbrief an Hubert Aiwanger wies Hübner den Bundesvorsitzenden auf seine „Mitverantwortung für die desaströse Situation“ der FW-Partei hin: „Sie lassen nicht die geringste Einsicht für diese Verantwortung erkennen, von Selbstkritik ganz zu schweigen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Sie die FW-Partei noch mehr in die politische Bedeutungslosigkeit steuern werden. Ich habe mit meinen bescheidenen Möglichkeiten versucht, diese Fehlentwicklung zu verhindern, vergeblich.“ Gegenüber metropolico wurde Hübner sogar noch deutlicher: „Hubert Aiwanger hat den Karren an die Wand gefahren.“

Ein weiterer Sargnagel

Für den Bundesvorsitzenden der FW-Partei wird die Lage damit immer brenzliger. An sich dürfte Aiwanger über Hübners Austritt nicht allzu traurig sein, wollte er den Frankfurter Fraktionsvorsitzenden doch ohnehin bereits Ende letzten Jahres loswerden. Damals strebte Aiwanger einen Parteiausschluss an, da Hübner sich kritisch zur Berichterstattung über die NSU-Morde geäußert hatte. Am meisten dürfte Aiwanger aber an Hübner gestört haben, dass der Frankfurter Fraktionsvorsitzende zu den profiliertesten, weil mutigsten Freien Wählern zählt, der immer wieder auch schwierige Themen anspricht und damit Aiwangers Kuschelkurs mit Rot-Grün in Bayern gefährdete (siehe: alle Artikel zum Thema auf metropolico im Schwerpunkt zum FW-Konflikt).

Nun aber, da momentan ganze Heerscharen guter Lokalpolitiker von den Freien Wählern zur neuen Alternative wechseln, kommt Hübners Austritt eher einem weiteren Sargnagel für die FW-Bundespartei gleich. Fraglich ist zudem, ob der unabhängige Frankfurter Verein die FW-Partei angesichts der jüngsten Entwicklungen im Bundestagswahlkampf noch unterstützen wird. Wenn nicht, verliert Aiwanger mit Hübner nicht nur ein langjähriges Mitglied, sondern auch die Wahlkampf-Unterstützung in einer der wichtigsten Städte Deutschlands, die zudem das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum einer Metropolregion mit fünf Millionen Einwohnern ist. (MP)