Im Gespräch mit Marc Schieferdecker, dem Gründer der German Rifle Association

Logo der German Rifle Association in Anlehnung an das Vorbild aus den USA (Bild: German Rifle Association; Rechte: German Rifle Association; Quelle: siehe Link)

Am 22.02.2013 wurde die German Rifle Association (GRA) ins Leben gerufen. Gründer ist der 35-jährige Anwendungsentwickler Marc Schieferdecker aus Menden im Sauerland (NRW). Der aktive Sportschütze (Groß- und Kleinkaliber sowie Druckluftwaffen) und Familienvater stellt sich heute den Fragen von metropolico zu seinen Beweggründen die GRA aufzubauen,  sowie der Frage wie sich ein derartiges Engagement mit seiner Mitgliedschaft in der Piratenpartei verträgt.

metropolico: Hallo Herr Schieferdecker, Ende Februar haben Sie die German Rifle Association (GRA) gegründet. Was war der konkrete Anlass für diesen Schritt?

Marc Schieferdecker: Einige andere und ich haben festgestellt, dass verschiedene Bereiche von den derzeit existierenden Organisationen, die sich für legalen Waffenbesitz einsetzen, nicht besetzt werden. Da habe ich mir gedacht: Mut zur Lücke. Ganz konkret: Der Bereich „neue Medien“ ist von den legalen Waffenbesitzern überhaupt, beziehungsweise nur kaum besetzt und auch hängen einzelne Waffenbesitzer in ihren Verbandsstrukturen fest. Da bin ich bestes Beispiel: Ich kann etwas über den Schießsport im BDMP e.V. (Bund der Militär- und Polizeischützen e.V.  Anm. d. Red.) erzählen, aber nicht über das, was der BDS (Bund Deutscher Sportschützen, Anm. d. Red.) macht, weil ich dort schlichtweg nicht schieße. Der Ansatz der GRA ist neben intensiver Nutzung von Facebook, Twitter, YouTube und Co. auch, die einzelnen Mitglieder miteinander zu vernetzen und damit die Möglichkeit zu bieten, sich verbandsübergreifend zu äußern. Und das klappt, denn bei uns schreiben Mitglieder, die Inhalte und die Redaktion verwaltet nur. Langfristig wollen wir so zeigen, wie der legale Waffenbesitz in Deutschland tatsächlich aussieht und nicht, wie er von Teilen der Medien und der Politik dargestellt und leider auch gesehen wird.

Das Logo der GRA ist dem Logo der National Rifle Association (NRA) auffallend ähnlich. Sie schreiben auf Ihrer Seite, es gebe bis dato keine Zusammenarbeit mit dem Vorbild aus den USA, gleichzeitig schreiben Sie aber für die Zukunft sei eine Zusammenarbeit angestrebt und in einem telefonischen Vorabgespräch meinten Sie, es gebe diesbezüglich auch schon erste Verbindungen.

Ja, wir haben das Logo bewusst an die NRA angelehnt, denn auch hier in Deutschland ist die NRA den Schützen ein Begriff, da auch einige Schießsportverbände bei der NRA Mitglied sind. Zu Anfang hatten wir rechtliche Bedenken, da die Ähnlichkeit zum NRA Logo doch recht groß ist. Aber über einen Kontakt zur NRA konnten diese Bedenken ausgeräumt werden. Wo die Reise hingeht, das können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, da wir noch in der Findungsphase sind. Es ist auch noch nicht abzusehen, wie sich eine Zusammenarbeit der GRA mit der NRA gestalten könnte, da die Gesetzeslage zum legalen Waffenbesitz in den USA und in Deutschland sehr unterschiedlich ist. Unser vorrangiges Ziel ist, die gegenseitige Akzeptanz und wir möchten von der NRA – gerade im Bereich der Nutzung von neuen Medien – lernen.

Wie soll diese etwaige Zusammenarbeit konkret aussehen und wie ist der aktuellen Stand bei den „Verhandlungen“?

Der aktuelle Stand ist, dass es keine Verhandlungen gibt. Aber wir beobachten die NRA sehr genau und versuchen, die positiven Aspekte der politischen Arbeit in unser System zu integrieren. Die NRA ist einfach gut darin, den Nerv der Waffenbesitzer in den USA zu treffen, um diese zu motivieren, ihre Bürgerrechte wahrzunehmen. Das möchten wir auch – motivieren etwas zu tun und sich nicht alles gefallen zu lassen, was von den Medien und der Politik teilweise so an Unwahrheiten verbreitet wird.

Auf metropolico wurde schon mehrmals über das Waffenrecht geschrieben. Waffenbesitz ist in der öffentlichen Debatte Deutschlands nicht gerade positiv besetzt. Wie wollen Sie und Ihr Verband in diese Diskussion eingreifen?

Vorweg: Wir sind kein Verband. Wir sind eine offene, basisdemokratische Organisation von Waffenbesitzern, die gemeinsam am Ziel arbeiten, Vorurteile gegen den legalen Waffenbesitz auszuräumen. Unser Konzept ist es, die Menschen mitzunehmen und das nicht nur sprichwörtlich. Ich habe schon oft gesehen, dass ein Mensch nach einem Schnupperkurs auf dem Schießstand sagte, dass er sich das ja ganz anders vorgestellt habe. Es geht darum dieses krude Bild, wir seien die rumballernden, schießwütigen möchtegern Rambos endlich abzuschütteln, denn so sind wir nicht. Es geht immer um Ruhe, Kontrolle und Konzentration. Beim Sportschießen, um treffsicher ein Stück Pappe zu durchlöchern und bei der Jagd, um ein Tier möglichst wenig leiden zu lassen. Konkret: Wir werden deutschlandweit Schnupperschießen anbieten, um zu zeigen, wie Schießsport wirklich ist und zusätzlich die neuen Medien mit Inhalten füttern, die zeigen wie wir wirklich sind. Schießsport ist Breitensport und Jagd eine Passion mit mehr als 40.000 jähriger Geschichte.

Die metropolico Autoren, die in ihren Kommentaren für ein liberales Waffenrecht plädieren, führen vor allem das Recht auf Selbstverteidigung aber auch das in der Verfassung niederlegte Widerstandsrecht an. Geht es Ihnen auch um diese Aspekte, oder steht der Sport im Vordergrund?

Sowohl als auch. Zuerst geht es darum, weitere Verschärfungen des Waffengesetzes in Deutschland zu verhindern. Dies wird nur über sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema funktionieren. Sich von Ideologien leiten zu lassen, kann nicht der Weg sein. Ist die Sachebene erreicht, können wir mit allen Beteiligten über die Sinnhaftigkeit bestimmter Regelungen im Waffengesetz sprechen. Im Moment ist es so, dass der Waffenbesitz an ein waffenrechtliches Bedürfnis, an Sachkunde, an eine sichere Aufbewahrungsmöglichkeit und an weitere Voraussetzungen geknüpft ist. Eine Mitgliederbefragung hat gezeigt, dass viele der derzeitigen Regelungen als richtig gesehen werden, jedoch wird der Bedürfniszwang von der Mehrheit der GRA-Mitglieder abgelehnt. Wer Sachkunde besitzt, die Handhabung seiner Waffe regelmäßig trainiert, seine Waffen sicher aufbewahren kann und ein Vorstrafenregister ohne Einträge hat, der sollte auch eine Waffe besitzen dürfen. Es ist fragwürdig, warum der Staat seinen Bürgern beim Waffenbesitz nicht vertraut, obwohl statistisch nachgewiesen ist, dass legalen Waffen so gut wie keine Deliktrelevanz besitzen. Auch im Bereich der Selbstverteidigung, sprich dem Führen von Waffen, vertraut der Staat seinem Bürger bereits seit langer Zeit nicht mehr und gibt eine Waffenführerlaubnis, den sogenannten „Waffenschein” nur noch an sehr privilegierte Teile der Bevölkerung aus, zum Beispiel Personenschützer, Politiker oder Fahrer von Geldtransporten. Selbst für das Führen einer nicht tödlichen Schreckschusswaffe wird inzwischen ein „kleiner Waffenschein” verlangt, der eine behördliche Registrierung und Durchleuchtung seitens der Behörden bedingt. Allem Anschein nach möchte der Staat nicht, dass sich seine Bürger gegen Kriminelle effektiv verteidigen können. Das sehen wir sehr kritisch.

In Deutschland wurden in Schulen mit legalen Waffen Anschläge – wie etwa Winnenden – verübt. Was entgegnen Sie denjenigen, die für ein strengeres Waffenrecht oder gar für ein Verbot von privaten Schusswaffen sind?

Ein Totalverbot von Schusswaffen wird diese schrecklichen Taten leider nicht verhindern, es würden von den Tätern lediglich andere Tatmittel gewählt und selbst das ist angesichts von 20 – 40 Millionen illegalen Schusswaffen in Deutschland fraglich. Zudem lässt sich ein Schulmassaker nicht auf Waffenbesitz reduzieren, da nicht der Waffenbesitz ursächlich für diese Anschläge ist. Was Schulmassaker angeht, da sitzen wir alle in einem Boot, die Medien, die Politik und auch die Waffenbesitzer. Mit der letzten Änderung des Waffengesetzes bezüglich der sicheren Aufbewahrung von Schusswaffen sehen wir allerdings die Vorschriften für Waffenbesitzer als ausgeschöpft. Weitere Ideen, wie die Zentrallagerung von Schusswaffen und Munition, verschlechtern die Sicherheitslage eher, anstatt sie zu verbessern. Selbstkritik bei den Medien sehen wir leider bisher überhaupt nicht, denn durch die intensive Berichterstattung bei Massakern werden die Täter für andere potentielle Täter als Vorbilder stilisiert. Das war bereits beim Columbine Highschool Massaker so, was daran ersichtlich ist, dass sich alle folgenden Taten teilweise bis zur Wahl der Kleidung am Columbine Massaker orientierten. Mal eine Frage: Sie erinnern sich als gut informierter Redakteur doch bestimmt an die Namen der Täter des Columbine Massakers. Können Sie mir aber auch nur einen Namen der 12 Opfer nennen? Und bitte ohne zu googeln. Wenigstens ist politisch einiges geschehen, gerade im Bereich Inklusion und Anti-Mobbing-Kampagnen. Letztendlich gibt es aber bei allen Maßnahmen niemals eine Garantie, dass so etwas nicht mehr geschehen kann. Verrückte Menschen tun manchmal böse Dinge. Allerdings sollten wir auch eine vernünftige Risikokompetenz entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit in Deutschland durch eine legalen Waffe verletzt oder gar getötet zu werden, ist insgesamt betrachtet äußerst gering.

Nun ist es ja nicht so, dass Sie nur Gründer der GRA sind, sondern Sie sind auch Pressesprecher bei den Piraten im Märkischen Kreis (NRW). Wie haben ihre Parteifreunde auf ihren Entschluss reagiert einen deutschen Ableger der NRA zu gründen?

Die Gründung der German Rifle Association hat mit meiner Parteimitgliedschaft nichts zu tun. Zudem liegt die Verantwortung für die Presse schon länger nicht mehr in meinen Händen, das gibt die Webseite der Piraten im Märkischen Kreis falsch wieder. Muss ich mal ändern. Insofern gab es seitens meiner Partei-Kollegen auch keine Reaktion, ich weiß nicht einmal, ob die Gründung der GRA in der Partei überhaupt wahrgenommen wurde. Das ist mir aber ehrlich gesagt auch ziemlich egal, weil das Eine mit dem Anderen nichts zu tun hat.

Die Piraten machen ja bislang hauptsächlich durch Forderungen nach totaler Freiheit in Internetfragen auf sich aufmerksam. Ansonsten treten sie vor allem als weitere sozialdemokratische Partei auf. Wie steht Ihre Partei denn zu der Liberalisierung des Waffenrechts?

Na ja, die Piraten haben noch einige andere sehr wichtige Themen, es geht nicht nur um „totale Freiheit im Internet”, da sollen Sie sich vielleicht noch mal genauer informieren. Auch die Bezeichnung der Partei als „sozialliberal” teile ich so nicht, denn es ist ein weiterer Stempel, der den Piraten von den Medien aufgedrückt wird, obwohl das so überhaupt noch nicht feststeht. Die Piraten haben sich der Sachlichkeit verschrieben und keiner grundlegenden linken, konservativen, oder auch liberalen Ideologie. Aber zum Waffenrecht. Bei den Piraten existiert seit 2011 eine aktive Bundesarbeitsgemeinschaft, die AG Waffenrecht, in der ich übrigens auch Mitglied bin, aber in letzter Zeit nur wenig aktiv. Vorrangiges Ziel dieser AG ist eine Versachlichung der Diskussion auf Basis von Fakten. Deswegen ist eine konkrete Forderung der AG Waffenrecht, dass endlich belastbares statistisches Material seitens der Behörden erhoben und transparent veröffentlicht wird. Positive Programmpunkte zum Waffenrecht finden sich in zwei Landesverbänden der Piraten, mehrere Anträge für die bundeseinheitliche Ebene sind vorbereitet und werden hoffentlich beim nächsten Bundesparteitag der Piraten positiv entschieden.

Streben Sie noch weitere Ämter in dieser Partei an oder wollen Sie sich jetzt voll auf die Aufgabe als GRA Gründer konzentrieren?

Ich muss gestehen, dass nach fast 4 Jahren bei den Piraten bei mir die Luft etwas raus ist. Ich fahre zwar in der Regel noch zu den wichtigen Parteiveranstaltungen, aber das nur als Mitglied der Basis. Und das wird auch so bleiben.

Ihre „Freundesliste“ bei Facebook wächst kontinuierlich, was zeigt, dass Sie es mit dem Engagement in den sozialen Medien Ernst meinen. Wie sind außerhalb Facebooks die Reaktionen aus der Schützen- und Waffenszene bisher zu der Gründung der GRA zu bewerten?

Das Feedback, das ich erhalten habe, war durchweg positiv, wir erhalten viel Zuspruch. Auch die Vernetzung verschiedener Stellen ist nun angelaufen und zeigt, dass das Konzept funktioniert. Erst letztes Wochenende war ich auf einem Treffen, wo im Rahmen einer Schießveranstaltung Jäger, Sportschüzen verschiedenster Verbände und Disziplinen und zudem auch noch absolute Schießsport-Neulinge an einem Tisch saßen. Es wurde eine weitere Zusammenarbeit vereinbart und das zeigt meiner Meinung nach, dass die Waffenbesitzer unser Angebot annehmen. Das gilt es zu intensivieren, dann sehe ich uns auf einem guten Weg.

Von der NRA ist ja bekannt, dass sie sich neben den Mitgliedsbeiträgen vor allem aus Zuwendungen aus der Rüstungsindustrie und des Waffenhandels finanziert. Haben Sie auch schon die ersten Spendenanfragen an Heckler & Koch geschickt?

Nein, und das wird auch nicht passieren. Wenn wir sagen, wir machen „neue Medien”, dann meinen wir das durchaus ernst und der Plan ist, konkrete Projekte über CrowdFunding zu finanzieren. Wenn ein Waffenhersteller oder -händler uns per CrowdFunding unterstützen möchte, dann haben wir nichts dagegen, es ist aber nicht unser Ziel.

Angenommen wir haben heute den 22.02.2014 und ihr Projekt ist gerade ein Jahr alt geworden. Was wollen Sie bis dato erreicht haben?

Mein persönlicher Wunsch ist, dass wir verschiedene Projekte realisiert haben, die derzeit in der Pipeline sind. Da wäre einmal das „Wir sind Schützen“ Video, dass als YouTube Werbung laufen soll, als auch, dass wir jeden Monat zu mindestens einer Schießveranstaltung eingeladen haben, um auch außerhalb des Internets Netzwerke zu bilden und um über das Schießen zu informieren. Zudem wäre es toll, wenn alle Vereine und Verbände eine gemeinsam vertretbare Petition für den Bundestag erarbeiten würden, die das Waffenrecht zum Inhalt hat, so dass klar wäre, dass alle Waffenbesitzer zusammenstehen. Es ist so, dass wir Wahlen entscheiden können, wenn wir an einem Strang ziehen und das muss uns und auch den Politikern klar werden. Und letztendlich möchte ich ganz persönlich am 22.02.2014 nicht von einer Regierung regiert werden, in der Grüne Teil einer Regierungskoalition sind, da ich die Ideologie der Grünen langfristig als Gefahr für unsere Demokratie betrachte.

Herr Schieferdecker, vielen Dank für das Gespräch.

Und hier ist die German Rifle Association zu finden

Bisher zu diesem Themenkomplex auf metropolico erschienen

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