Slowenien könnte nächster Rettungskandidat werden

Der Platz wird eng unter dem ESM-Rettungsschirm (Bild: StromBer; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Die Zypern-Krise ist noch nicht verdaut, da sehen führende Ökonomen das nächste Euro-Land taumeln und dann kippen: Slowenien.

Große Disziplin, so die Medien übereinstimmend, bewiesen am Donnerstag die Zyprer, als nach zweiwöchiger Bankenschließung die Menschen des kleinen Inselstaates die Erlaubnis erhielten, zumindest 300 Euro von ihrem Bankkonto abzuheben.

Der Krisenfall lässt sich kaum noch abwenden

Das befürchtete Chaos blieb zunächst aus, jedoch sind die Zyprer wütend und verunsichert. Die Angst vor dem wirtschaftlichen Absturz ist enorm. Und Zypern könnte die Blaupause für den nächsten Schuldenschnittkandidaten werden: Slowenien.

Wie metropolico bereits berichtete, stehen die nächsten Länder schon bereit, um unter den Euro-Rettungsschirm zu schlüpfen, unter dem mittlerweile enormer Platzmangel herrschen dürfte. Führende Ökonomen sehen hierfür als wahrscheinlichsten Kandidat neben Spanien den mitteleuropäischen Staat Slowenien. Slowenien habe neben dem enormen Anstieg der Staatschulden das selbe Problem wie Italien, dass bei einer handlungsunfähigen Regierung noch mangelnde Wettbewerbsfähigkeit die dramatische Lage verschärfe.

Der Fall des Musterschülers

Slowenien galt, bevor es 2012 in die Rezession abrutschte, als europäischer Musterschüler. Auch 2013 wird ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung erwartet. Sloweniens Geldinstitute sind größtenteils alle in staatlicher Hand. Über sieben Milliarden Euro fauler Kredite haben sich hier bislang angesammelt. Dies entspricht etwa einem Fünftel der wirtschaftlichen Leistung des Landes.

Der slowenische Notenbankchef Marko Kranjec indes wies laut der Deutschen Welle (DW) Aussagen zurück, wonach das Euro-Land Slowenien der nächste Kandidat für internationale Finanzhilfen sei. Er könne klar sagen, dass Slowenien nicht in einer Situation sei, in der es ein Rettungspaket benötige, so Kranjec. Verglichen mit Zypern oder Griechenland stehe sein Land aber „gut“ da. Die Verschuldung liege bei knapp 54 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In Deutschland sind es mehr als 80 Prozent.

Ein Schuldenschnitt scheint unausweichlich

Eine schlechte Prognose für Slowenien stellte laut dem Handelsblatt auch Prof. Dr. Thorsten Polleit, Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management aus. Einen Schuldenschnitt sieht der Geldtheoretiker für das Land als unausweichlich an, da die geschätzten Verluste der faulen Kredite in Höhe von sieben Milliarden Euro eine komplette Überschuldung der Banken bedeuten.

Geldtheoretiker Prof. Dr. Thorsten Polleit (Bild: thorsten-polleit.com; Quelle: Pressefoto; Original: Siehe Link)

Thorsten Polleit sieht für die verheerende Situation auch die Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank verantwortlich. Das jahrelange Ausweiten der Papiergeldmenge durch Bankkredite, das von der EZB bereitgestellt und zu immer tieferen Zinsen verliehen wurde, zeige sich nun von seiner schlimmsten Seite. Immer wieder warnte auch Prof. Dr. Thorsten Polleit in der Vergangenheit davor, dass der Versuch der Zentralbank, die Staatsschulden wegzuinflationieren ungeahnte Risiken berge, bis hin zu einer Hyperinflation.

Polleit wagte die Prognose, dass nachdem der momentan zu beobachtende Erosionsprozess exponentiell verlaufe, innerhalb von drei Jahren der Papiergeldstandard, wie wir ihn kennen, bereits der Vergangenheit angehören könnte. (BS)