Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld zeigt Gregor Gysi an Der Druck auf Gregor Gysi (Die Linke) nimmt zu. Vera Lengsfeld wurde 1988 unfreiwillig im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen Mandantin des damaligen SED-Anwalts Gysi. Die Bürgerrechtlerin zeigt Gysi nun ebenfalls an und möchte Klarheit über seine tatsächliche Rolle.Vera Lengsfeld, 1988 von der Staatssicherheit der „DDR“ verhaftet, lernte in der Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen den dort zugelassenen Anwalt Gregor Gysi kennen (metropolico berichtete). Auf ihrer Homepage veröffentlichte sie schon vor geraumer Zeit ihren Erfahrungsbericht: Wie ich Gregor Gysi als Erfüllungsgehilfen der Stasi erlebte.

Lengsfelds Lebenslauf wurde durch Gregor Gysi direkt beeinträchtigt. Dieser Sachverhalt ist Umfang der am Dienstag durch Lengsfeld eingereichten Klage. Welt-Online (WO) berichtet, dass Lengsfeld 1988 unfreiwillig Mandantin des damalige SED-Anwalts Gregor Gysi wurde.

Dieser beteiligte sich aktiv und ohne von Lengsfeld ermächtigt worden zu sein, während ihrer Inhaftierung im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen an ihrer Abschiebung in den Westen.

Lengsfeld konnte sich nicht dem Eindruck erwehren, dass Gysi in ihrem Fall mit der Staatssicherheit gesprochen und zusammengearbeitet habe.

Jegliche Berichterstattung sollte unterbunden werden

Wer bislang behauptete oder auch nur andeutete, der Anwalt Gysi sei ein Zuträger der „DDR“-Geheimpolizei gewesen, wurde in der Regel von Gysi vor Gericht gezerrt. So ging er im Jahre 2008 gegen die Berichterstattung des ARD-Magazins „Fakt“ gerichtlich vor.

Hintergrund der Anzeige von Lengsfeld ist just dieser „Fakt“-Bericht aus dem Jahr 2008 (siehe unten). Die Dokumentation befasste sich mit Stasi-Dokumenten, denen zufolge Gregor Gysi der „DDR“-Staatssicherheit über ein Gespräch mit dem Dissidenten Robert Havemann berichtet haben soll.

Nach Studium der Stasiunterlagen fühlten sich jedoch einige der von Gysi vertretenen Mandanten verraten und vermuteten, dass Gysi sie in Absprache mit der Staatssicherheit hintergangen habe. Nach Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung, er habe „zu keinem Zeitpunkt über Mandanten oder sonst jemanden wissentlich und willentlich an die Staatssicherheit berichtet“, erwirkte der Linken-Politiker damals gerichtlich eine Unterlassung gegen das ARD-Magazin.

Gysi hatte damals eidesstattlich versichert, er habe weder über dieses noch über sonst ein Gespräch mit Havemann der Stasi berichtet.

Widersprüche sollen endgütig geklärt werden

Diesen Widerspruch möchte Lengsfeld jetzt mit der Strafanzeige durch die Staatsanwaltschaft Hamburg aufklären lassen. Zuvor war bereits eine Anzeige eines pensionierten Richters wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Erklärung im Zusammenhang mit Stasi-Kontakten gestellt worden. Der Fall bezieht sich, wie metropolico berichtete, auf eine NDR-Dokumentation.

Darin wurde Gysi verdächtigt, zu „DDR“-Zeiten Mandanten an die Stasi verraten zu haben. Gegen die Ausstrahlung des NDR-Beitrags hatte sich Gysi erfolgreich gewehrt. Bislang bestreitet Gregor Gysi, je Spitzel für den „DDR“-Geheimdienst gewesen zu sein. Die Parteivorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, versichterte die komplette Unterstützung der Partei. Diese Solidarität gehe von der kleinsten Basisgruppe bis hin zur Parteispitze, so Kipping. (BS)