Wer steckt hinter „IM Notar“?

Wie der Focus kürzlich berichtete, wurde in der Stasi-Unterlagenbehörde ein Dokument gefunden, das den Druck auf Gregor Gysi weiter erhöhen dürfte. Aus dem Dokument wird klar: Die Stasi überreichte dem ominösen „IM Notar“ im Februar 1985 eine Medaille und eine Urkunde. Anlass soll der 35. Jahrestag der Stasi Gründung gewesen sein.

Konkreter Anlass für das Überreichen dieser Auszeichnung war ein „Zeichen des äußeren Dankes für die große Unterstützung bei der Durchführung der uns von Partei und Staatsführung gestellten Aufgabe“. Gregor Gysi bestreitet bis heute, dass er selber sich hinter dem Pseudonym „IM Notar“ verbirgt. Er behauptet vielmehr, bei „IM Notar“ handele es sich gar nicht um eine konkrete Person. Vielmehr habe es sich um eine Sammelmappe aus verschiedenen Quellen gehandelt. Diese Darstellung wird allerdings von Tag zu Tag unglaubwürdiger – nicht zuletzt deshalb, weil die Stasi wohl kaum eine personalisierte Auszeichnung an nicht personalisierte Personen vergeben hätte.

Gregor Gysi bestreitet, Auszeichnung bekommen zu haben

Gysi behauptet, er habe niemals irgendwelche Auszeichnungen, Geld oder sonstige Anerkennungen von Seiten der Staatssicherheit der „DDR“ erhalten. In den vergangenen Jahren hatte Gysi so ziemlich jeden, der anderes behauptete, mit Klagen auf Unterlassung und Ähnlichem überzogen (metropolico berichtete). Damit dürfte nun vorläufig Schluss sein – denn die Masse an Indizien, die Gegenteiliges behaupten, wird immer erdrückender.

Ins Rollen kam die aktuelle Debatte über den Fraktionschef der SED-Nachfolgepartei im Bundestag, nachdem ein ehemaliger Richter Anzeige wegen „eidesstattlicher Falschaussage“ gegen den medialen Frontmann der Linken erhob. Gysi hatte Anfang 2011 eine derartige Versicherung abgegeben, um eine kritische Fernsehdokumentation („Die Akte Gysi“) zu verhindern. Gysi gab damals laut Maerkischer Allgemeinen an, „zu keinem Zeitpunkt über Mandanten oder sonst jemanden wissentlich und willentlich an die Staatssicherheit berichtet“ zu haben.

„Gregor Gysi war Teil des Überwachungssystems der DDR“

Diese Aussage steht in eklatantem Widerspruch dazu, was der ehemalige Richter zu berichten weiß. Demnach habe Gregor Gysi am 15. Februar 1989 in seiner damaligen Funktion als Leiter des „DDR-Rechtsanwaltskollegiums“ ein Gespräch mit zwei westdeutschen Journalisten geführt, um tags darauf mit zwei Offizieren der Staatssicherheit über eben dieses Gespräch zu sprechen und seine Erkenntnisse über die beiden Journalisten mitzuteilen, wie die Maerkische Allgemeine berichtet.
Ulrich Schwarz, einer der Spiegel-Journalisten, die damals an dem Gespräch beteiligt waren, gibt laut Focus bekannt, Gysi stelle sich „wie ein Chamäleon auf neue Bedingungen ein und versucht sofort, alle Fakten, die sich nicht mehr leugnen lassen, in seinem Sinne zu interpretieren.“

Weiter führt der ehemalige Spiegel-Journalist laut Focus aus: „Immer wenn ich nach Ost-Berlin gefahren bin, fühlte ich mich wie in Feindesland. […] Dann spürte ich, ich stehe unter Beobachtung. Gregor Gysi war Teil des Überwachungssystems der DDR.“

Ernstes Problem für SED-Nachfolgepartei

Die Linkspartei reagiert gereizt auf die neuerlichen Vorwürfe gegen ihren medialen Frontmann. Aus Kreisen der Partei ist zu vernehmen, alles sei nur „eine gezielte Kampagne“ gegen Gregor Gysi. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Emnid ist die Zustimmung im Volk für die Linkspartei, im Vergleich zu voriger Woche, um einen Prozentpunkt auf jetzt nur noch sechs Prozent gesunken. (FG)