Frank-Furter Schnauze: Man muss nicht „homophob“ sein, sondern einfach nur realistisch…

Man muss nicht homophob sein, um den Schutz von Ehe und Familie zu befürworten (Bild: JMG / pixelio.de)

Das Bundesverfassungsgericht hat das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften gestärkt. Die Opposition im Bundestag jubelt, die Linken sehen sich in ihrem Kampf gegen die vermeintliche Diskriminierung Homosexueller höchstrichterlich bestätigt. Fakt jedoch ist: Man muss nicht gegen Schwule und Lesben sein, um die Adoption durch Homosexuelle abzulehnen. Es reicht schon, wenn man einfach nur für den Schutz der Familie ist.

Der Karlsruher Richterspruch zum Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften sei eine „Niederlage der homophoben Politik der Merkel-Regierung“, wetterte der homosexuelle Grünen-Politiker Volker Beck am Dienstag. Er und andere linke Politiker jubeln über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Schwule oder Lesben, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, sollen demnach das Recht haben, fortan ein von ihrem Partner zuvor angenommenes Kind zu adoptieren. Die sich abzeichnende Tendenz geht damit klar in Richtung einer kompletten Gleichstellung homo- und heterosexueller Lebensgemeinschaften beim Adoptionsrecht, ähnliches ist steuerrechtlich zu erwarten, wo eine Entscheidung Karlsruhes zum Ehegattensplitting noch aussteht (bislang kommen nur heterosexuelle Paare in den Genuss der steuerlichen Entlastung).

Keine Graustufen, keine Mittelwege, keine Diskussionsgrundlage

In Frankreich hatte es jüngst heftige Proteste gegen die Einführung des Adoptionsrechts für homosexuelle Paare durch die sozialistische Regierung unter dem neuen Staatspräsidenten Francois Hollande gegeben. Zu Hunderttausenden gingen vornehmlich Konservative auf die Straßen und demonstrierten gegen die Gesetzesänderung, da sie die Stellung der Familie bedroht sahen. Von derart flächendeckenden Protesten ist man in Deutschland so weit entfernt wie von einer halbwegs sinnvollen Energiepolitik. Schon alleine die Medien tragen Sorge dafür, dass dieses Thema – wie so viele andere Themen – ausnahmslos einseitig ausgelegt wird. Geht es um Rechte von Homosexuellen, ist stets von Gleichberechtigung die Rede. Der Unterton in Nachrichtensendungen und zahlreichen Kommentaren nimmt durchweg die Oppositionslinie, die Sichtweise der politischen Linken auf. Wer gegen das Adoptionsrecht durch homosexuelle Ehepartner ist, gilt – in Volker Becks Sinne – als „homophob“, als ewig Gestriger, gar als jemand, der andere Menschen ob ihrer Sexualität diskriminieren will. Die Schwarz-Weiß-Malerei in der gängigen Argumentation ist ähnlich erbärmlich wie im Falle der Islamkritik: Zwischen hoffnungslos übertriebener Toleranz und der Unterstellung, „islamophob“ oder „homophob“ und folglich ein fürchterlicher Menschenfeind zu sein, gibt es nichts. Keine Graustufen, keine Mittelwege, keine Diskussionsgrundlage, sondern nur den geistlähmenden Filz der politischen Korrektheit.

Dieser legt sich über alles, was der politischen Linken heilig ist; und ringt mit einer Vehemenz, einer Polemik und einer Gehässigkeit alles Andersdenkende öffentlich nieder, dass nicht mehr viel Phantasie von Nöten ist, um die Entstehung menschenverachtender Institutionen wie der Stasi im ostdeutschen Unrechtsstaat zu erklären. Sukzessive wird so auch die gesamtdeutsche Bundesrepublik zum faktischen Unrechtsstaat; nicht per Gesetz, aber in der Art und Weise, wie insbesondere die Medien in gewissen Themenfeldern die öffentliche Meinung diktieren und Andersdenkende diskriminieren.

Entnationalisiert, entraditionalisiert, entsolidarisiert

Apropos Diskriminierung. Alle Menschen genießen in diesem Land dieselben Grund- und Menschenrechte. Der Antidiskriminierung ist – zumindest juristisch – schon damit Genüge getan. Ein Grund- und Menschenrecht, Kinder zu adoptieren, gibt es nicht, darf es auch nicht geben, da es konkludent das Kind und seine Grund- und Menschenrechte zum reinen Gegenstand erklären würde. Die Forderung, gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften die Adoption zu erlauben und sie steuerlich gleichzustellen, ist rechtlich legitim. Die gegenteilige Forderung, die heterosexuelle Partnerschaft zu privilegieren, ist jedoch ebenso legitim! Mit Diskriminierung hat das nicht im Entferntesten etwas zu tun, sondern mit dem selbstverständlichen Anrecht einer Regierung, die Gesellschaft nach ihrer Vorstellung zu gestalten.

Und darum geht es hier eigentlich, wenn es auch öffentlich kaum thematisiert wird. Die beiden Lager, die sich letztlich gegenüber stehen, haben völlig unterschiedliche Vorstellung davon, wie die Gesellschaft gestaltet werden soll. Es geht dabei gerade der Linken nur vordergründig um Gleichstellung, in Wahrheit streitet sie zuvorderst gegen das traditionelle Familienbild. Die Gleichstellung Homosexueller ist kein Akt wider die Diskriminierung, sondern ein Akt wider die Förderung der traditionellen Ehe. Das reiht sich ein in all die anderen familienfeindlichen Maßnahmen, die gerade das linke Lager auszeichnet: Beispielsweise ihren Drang, der Staat möge die Hoheit über die Erziehung der Kinder erlangen. Oder ihr offensichtliches Bestreben, die deutsche Kultur durch Masseneinwanderung – in Sarrazins Sinne – abzuschaffen. Es geht in der Summe darum, den gewachsenen deutschen Volkskörper sukzessive durch einen neuen zu ersetzen; einen Volkskörper, der nach der Lehre der Frankfurter Schule entnationalisiert, entraditionalisiert, entsolidarisiert ist. Einen Volkskörper also, der sich umso besser politisch lenken lässt, da er keine festen Werte mehr hat, der zudem seiner Selbstständigkeit beraubt wurde und umso abhängiger ist von der gönnerhaften Umverteilung einer alles kontrollierenden politischen Kaste.

„Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft“

Die Familie selbst ist die letzte verbliebene, gleichwohl die stärkste Bastion wider die kulturelle Entkernung der Deutschen und ihrer Identität. Umso heftiger richtet sich nun der Kampf der 68er und ihrer Erben gegen dieses Hassobjekt, das ihnen als kleinste Einheit der nicht-staatlichen Organisation symbolhaft für das Private, und als kleinste Einheit der historisch gewachsenen Identifikation symbolhaft für die größte Einheit derselben, für den Nationalstaat steht. Umgekehrt sind es nicht zufällig jene, denen am Erhalt der Freiheit (des Privaten) und der kulturellen Identität (des Nationalstaats) gelegen ist, die auch für den Schutz der Familie (und folglich für die Förderung heterosexueller Lebenspartnerschaften) einstehen.

„Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat“, meint nicht nur die Frank-Furter Schnauze, sondern auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Art. 16, Abschnitt 3) und in abgewandelter Form das deutsche Grundgesetz (Art. 6, GG). Die Tatsache, dass jeder, der nur für diesen einst völlig selbstverständlichen Standpunkt streitet, in diesem Land öffentlich als rückständig, intolerant und „homophob“ gebrandmarkt wird, zeigt überdeutlich, wie sich die veröffentlichte Meinung über Jahre in vornehmlich links-dominierten Medien entwickelt hat. Mitunter wurden und werden Sichtweisen, die einst „parteiübergreifender Konsens“ waren, flächendeckend in ihr Gegenteil, in einen gegenteiligen Konsens verkehrt (beispielsweise ersichtlich am Wandel von Leitkultur und Integration in ihre exakten Konträre: Vielfalt und Multikulturalismus).

Einfach nur realistisch

Selbst das Bundesverfassungsgericht ist offenbar von diesem Zeitgeist befallen. Dem aktuellen Urteil liegt schließlich das richterliche Ermessen zugrunde, welche Grundrechte wie zu gewichten sind. Dabei rückt Artikel 6 des Grundgesetzes in Karlsruhe offenbar in demselben Maße in den Hintergrund, wie der darin verwurzelte Wert im medialen Diskurs in den Hintergrund gerückt ist. Das mag, wie schon gesagt, juristisch legitim sein. Einzig, gut und richtig muss man es deswegen nicht finden. Und mitnichten wäre es unrechtmäßig, gar undemokratisch oder unrechtsstaatlich, zu einem anderen Schluss zu gelangen; nämlich zu einem solchen, der das Privileg der heterosexuellen Ehe als (von Natur aus) einziger Partnerschaft mit Möglichkeit (und in der Regel: Zielsetzung) der Reproduktion zu schützen und zu erhalten sucht.

Das darf nicht zu dem Extrem führen, dass Homosexualität unter Strafe gestellt wird, wie es auch heute noch in zahlreichen Ländern abstoßenderweise der Fall ist. Genauso muss man aber nicht das gegenteilige Extrem einer völligen Gleichstellung homosexueller und heterosexueller Lebenspartnerschaften befürworten. Völlig irrelevant ist in diesem Zusammenhang die gern aufgeworfene rhetorische Frage, ob Schwule oder Lesben nicht ebenfalls gute Eltern sein könnten. Fakt ist: Schwule oder Lesben können von Natur aus gar keine Eltern sein. Dementsprechend widersprüchlich und unsinnig ist es, in diesem Zusammenhang überhaupt mit „Gleichberechtigung“ zu argumentieren („Das Leben des Brian“ lässt grüßen). So „normal“ Homosexualität biologisch sein mag, so anormal ist es jedoch (ebenfalls biologisch), dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder haben. Man braucht nicht sonderlich konservativ, schon gar nicht „homophob“ zu sein, um diese Sichtweise zu vertreten. Sondern einfach nur realistisch.

Es ist und bleibt geheuchelt

Gleich, was die Linke den Bürgern glauben machen will, es ist mitnichten verwerflich, im Erhalt der Familie als Rückgrat der Gesellschaft und in ihrem „Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat“ ein übergeordnetes, unumstößliches, gesellschaftspolitisches Ziel zu sehen. Denn darum geht es tatsächlich: Es geht ums gesellschaftspolitische „große Ganze“; darum, in welche Richtung sich dieses Land, diese Gesellschaft entwickeln soll.

Es ist allerhöchste Zeit, dass sich auch in Deutschland endlich eine breite Bewegung in Gang setzt: Wider einen in politisch einseitig motivierten Medien zurecht gezüchteten Zeitgeist; für die Familie als Essential sozioökonomischer Strukturen und menschlicher Identifikation. Letztlich ist dies auch ein Streit wider die steigende Macht des Staates, den schleichenden Weg in eine sozialistische Diktatur; und für den Erhalt des Bürgertums als wichtigste Säule von Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung. Ein Streit also, in dem man keine Kompromisse mehr machen sollte. Egal, wie energisch die politische Linke mit hohlen Phrasen von Gleichheit und Gerechtigkeit um sich wirft, es ist und bleibt geheuchelt.