Frank-Furter Schnauze: Für diesen Unsinn habe ich auch noch GEZahlt!

Wiener Tatort: Genau hinschauen lohnt sich (Bild: Illustration Marcus Stark / pixelio.de)

Der Tatort am Sonntag Abend hatte es in sich: Boshafte Islamhasser, rechtsextreme Vereine, mordende V-Männer, böse Militärs, Macht-geile konservative Politiker, die wahrlich über Leichen gehen, und einen zu Unrecht verdächtigten linken Internetaktivisten, freilich noch mit Migrationshintergrund. Kurzum: Tatort Fabelwelt. Das schlimmste daran ist, wie so oft: Für diesen Unsinn habe ich auch noch GEZahlt!

Normalerweise schaue ich keinen Tatort. Entweder, die Geschichten sind an den Haaren herbeigezogen, oder sie sind schauspielerisch schlecht umgesetzt. Häufig sogar beides. Am Sonntag Abend habe ich es dennoch getan, übrigens völlig unwissend, was da auf mich zukommen würde. Und vorab: Ich habe es nicht bereut.

Unfreiwillige Parodie auf die Ästhetik der NS-Zeit

Wie die Geschichte in diesem Wiener Tatort verlaufen würde, konnte sich jeder Kenner der deutschen Medienlandschaft im Grunde schon nach fünf Minuten denken. Da wurde zu Beginn der irakisch-stämmige Internetaktivist Kasim Bagdadi gezeigt, der sich für eine linke Organisation engagiert. Eingeblendet wurden Anonymus-Masken und typisch linke Slogans. Da war bereits klar: Was auch immer die Rolle des Mannes in dieser Geschichte sein würde, der „Böse“ ist er sicherlich nicht.

Kurze Zeit später explodierte der Mann mitsamt seinem Fahrzeug bei einer UNO-Konferenz. Also übernahmen Eisner und Fellner vom Wiener Bundeskriminalamt (BKA) die Ermittlungen in einer „Taskforce“ unter Leitung des österreichischen Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Und spätestens, als das BVT die Bühne betrat, kam die Klischee-Maschine so richtig in Gang. Die BVT-Ermittlerin, Majorin Warig, erschien wie eine unfreiwillige (oder doch eine gewollte?) Parodie auf die Ästhetik der NS-Zeit: strenger Blick, strenge Frisur, kühl, blond und hart wie Krupp-Stahl.

Zweifelsohne eine Anspielung auf konservative Burschenschaften

Warigs Vorgesetzter, Magister Michalski, wurde als Macht-geiler BVT-Chef inszeniert, der es auf den Posten als Innenminister abgesehen hat und Kontakte zu offenbar konservativen, um nicht zu sagen: rechten Politikern unterhält (die es in Österreich ja tatsächlich noch geben soll); deren Inszenierung freilich ebenfalls kein Klischee ausließ. Einer der Tatverdächtigen gab den „Moslemhasser“, seit er als Soldat in Bosnien stationiert war. Dasselbe galt für den Militär-Major, der im Film die Rolle des verkappten Fremdenfeinds spielte. Und sie alle waren verstrickt mit dem rechtsextremen Geheimbund „semper veritas“, zweifelsohne eine Anspielung auf konservative Burschenschaften (die es in Österreich ja ebenfalls noch geben soll).

Heimlicher Höhepunkt der politisch hyper-korrekten Inszenierung: BKA-Ermittler Eisner und Fellner, die „Guten“ also, hörten im Büro Balkanmusik, um die Wanzen des BVT auszutricksen. Das Ende vom Lied: Ein dreifacher Mörder wurde von den Verfassungsschützern aus den Fängen des BKA befreit. Begründung: Es handelte sich bei ihm um einen V-Mann (‚NSU‘ lässt grüßen). Ohnehin war alles „von oben“ (beziehungsweise: von rechts oben) geplant, um mit einem vorgetäuschten Anschlag in Parlament und Öffentlichkeit die Zustimmung für strengere Sicherheitsgesetze zu erwirken und Magister Michalski auf den Chefsessel im Innenministerium zu katapultieren.

Die einzige wirkliche Überraschung: Ausgerechnet die stahlharte BVT-Ermittlerin Warig ließ heimlich „den Guten“ einen Tipp zukommen. Ob das mit dem zuständigen ARD-Kommandanten, Entschuldigung, -Intendanten, abgestimmt war? Man weiß es nicht. Zumindest hätte sie doch ihren Dutt und das oberste Knopfloch öffnen müssen, bevor sie sich „den Guten“ zuwendet. Oder?

Für diesen Unsinn habe ich auch noch GEZahlt!

So klar der Ausgang der Geschichte von Anfang an war, so klar war auch die Intention der Filmemacher. Bereut habe ich es trotzdem nicht, den Film zu schauen, da selten so eindrucksvoll und offensichtlich zutage trat, wie unterschwellig politische Botschaften platziert werden. Vor allem deutsche Medien zeichnen sich da besonders aus, selbst US-Filme mit ausgeprägter Army-Nostalgie sind selten so einfältig wie dieser. Kaum auszudenken, was zwischen Nordsee und Alpen los wäre, wenn ein deutscher Film auf dieselbe klischeehafte Weise moslemische Terroristen, islamischen Extremismus und randalierende Horden aus dem linksextremen Milieu darstellen würde. Oder gar noch die Einflussnahme etablierter Parteien auf die Berichterstattung im zwangs-finanzierten Staatsmedienapparat.

Boshafte Islamhasser, rechtsextreme Geheimbunde, mordende V-Männer, böse Militärs, Macht-geile konservative Politiker, die wahrlich über Leichen gehen, und ein zu Unrecht verdächtigter linker Internetaktivist, freilich noch mit Migrationshintergrund. Fast könnte man meinen, das Drehbuch für diesen Tatort wurde in der Parteizentrale der Grünen geschrieben. Kurzum: Tatort Fabelwelt. Das schlimmste daran ist, wie so oft: Für diesen Unsinn habe ich auch noch GEZahlt!