Berliner Aktionsgruppe „schwäbelt“ Straßennamen wegen Schwaben-Streit ein

Schwaben sind doch im Grunde superliebe Menschen und machen leckere Spätzle (Bild: Wiki der Wikinger am de.wikipedia; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Im Berliner Stadteil Prenzlauer Berg sind nun rund um den Kollwitzplatz Straßenschilder mit aufgeklebten Buchstaben „eingeschwäbelt“ worden. Aus der Wörther Straße wurde über Nacht das „Wörther Gässle“.

In zwei Interviews mit der Berliner Morgenpost und dem Spiegel zum Jahreswechsel 2012/2013 monierte Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, dass die Kultur im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg unter dem Zuzug von Schwaben und anderen wohlhabenderen Deutschen leide, da sich diese Zugezogenen zu wenig anpassten.

Wolfgang Thierses Schwabenschelte

Wolfgang Thierse hatte sich, wie metropolico berichtete, mit seiner Schwabenschelte Anfang des Jahres darüber echauffieret, dass die in Berlin zugezogenen Schwaben anstatt Schrippen das Wort Wecken bei der Bestellung beim Bäcker verwenden. Die Schwaben, so meinte der 75-jährige ehemalige Präsidenten des Deutschen Bundestages, müssten begreifen, dass sie jetzt in Berlin seien, und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche.

Sie, die Schwaben, kämen hierher, weil alles so bunt und so abenteuerlich und so quirlig sei, aber wenn sie eine gewisse Zeit hier gewesen seien, dann wollten sie es wieder so haben, wie zu Hause. Das passe nicht zusammen. Nach 3.000 zum Teil von Hass erfüllten Protestmails hieß Thierse die Schwaben in Berlin dann doch willkommen.

Straßenschilder über Nacht „eingeschwäbelt“

Nun will, vermutlich eine Künstlergruppe aus Berlin, das Terrain befrieden und wählte ein eigenwilliges Stilmittel. Es wurden 200 Straßenschilder „eingeschwäbelt“. Rund um den Kollwitzplatz sind die Straßenschilder in einer Nacht-und Nebelaktion überklebt worden, so die Berliner Morgenpost. Aus Kollwitzplatz wurde Kollwitzsplätzle, aus der Wörther Straße das Wörther Gässle und aus Kollwitzstraße Kollwitzsträßle.

Auf der Homepage der selbsternannten Befrieder, die weder Schwaben noch Ost-Berliner sind, und ihr Projekt Neuschwabenberg nennen, führen diese in acht Punkten sehr launig auf, weshalb sie das nächtliche Projekt gestarten haben. Es seien genug Spätzle geworfen worden und genug blöde Sprüche an Hauswände gesprüht, es sei Zeit, Frieden zu schließen. Kurz nach Thierses Aussage hatten Unbekannte das Kollwitz-Denkmal im Prenzlauer Berg mit Spätzle beworfen.

Schwaben sind doch im Grunde superliebe Menschen

Sie selbst seien zwar nicht glücklich, dass ihre früheren Clubs durch „Townhouses“ ersetzt wurden und nun „Mondpreise“ für ehemalige Mietkasernen bezahlt würden, so die Aktivisten. Dies laste man aber nicht den Schwaben an, sondern der Raumordungspolitik der Regierung. Wenn sich Schwaben schikaniert fühlten und einen Ortsanspruch haben, sollen sie ihr „Schwabylon“ bekommen, heißt es weiter. Dann müsse aber auch mehr kommen als „Waldorfkitas, Seelen in der LPG, Townhouses und Oberklassewagen mit Stuttgarter Kennzeichen und Parkausweis im Prenzlberg.“ Und weiter: „Wir wollen ein Straßenfest mit langen Tischen und Schüsseln voller Käsespätzle und Flädlesuppe (wenn es sein muss, auch mit diesen Linsen) und Rothausbier, bis wir unser Hochdeutsch vergessen haben und auch meinen, jedes Substantiv verniedlichen zu müssen. Wir wollen umarmt werden, erdrückt von schwäbischer, gut situierter Herzlichkeit.“

Nicht so „lustig“ findet laut Bild-Zeitung der Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner von den Grünen die Schilder-Beklebe-Aktion. Die Schilder müssten alle komplett ausgetauscht werden. Nachdem die Aktivisten die Straßenschilder nur überklebt haben, dürfte allerdings das Entfernen mit Wasser ausreichend und mit Sichheit umweltverträglicher sein. (BS)