Birgit Stöger: Ist Anmache à la Brüderle schon Sexismus?

Was soll das hysterische Geschrei? Wer ist hier das Opfer? (Bild: Benjamin Thorn; Quelle: pixelio.de; Rechte: pixelio; Original: Siehe Link)

Eigentlich dachte ich, das hätten wir hinter uns gelassen. Eigentlich dachte ich, dass gerade die neue bis neueste Generation meiner Geschlechtsgenossinnen niemanden mehr benötigen würde, um mit schlechtgemachter männlicher Anmache klar zu kommen.

Dass just Herr Brüderle eine Sexismusdebatte lostreten muss, ist wenig „sexy“. Mir persönlich wäre da ein knackiger Mittzwanziger als Stein des Anstoßes auch lieber. Allein schon wegen dem Kopfkino. Uuups – ist das sexistisch? Wohl nicht – ich bin eine Frau. Ich darf das!

Sexism = Racism

Was ist denn nun Sexismus?  Es handelt sich um ein Kunstwort aus der heißen Phase der Frauenbewegung in den 60ern und spielt mit der Parallele zu Racism (Rassismus) – Sexism, so das damals neue Wort für die Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen und Mädchen. Aus der guten und notwendigen Idee des Kampfes für die rechtliche Gleichstellung von Frauen wurde dann sehr schnell ein ideologischer Kampf, der zum Geschlechterkampf mutierte.

Unter Sexismus verstehe man laut heutiger Definition die „soziale Konstruktion“ von sexuellen Unterschieden zwischen Menschen und die daraus abgeleiteten Normen und Handlungsweisen. Der Sexismus unterteile alle Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer und unterstellt ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit und weist ihnen auf dieser Basis unterschiedliche Rechte und Pflichten zu.

Aha! Soweit ich das parat habe, gab und gibt es Unterschiede zwischen Männer und Frauen, psychische und physische. Und seit meiner Geschlechtsreife danke ich dem Urheber dieser Idee, je nach Lust und Laune – täglich dafür.

Brechstangenpolitik ohne Gnade

Was hier seit gut 50 Jahren versucht wird, ist das Durchsetzen des Egalitarismus der sozialistischen Spielart. Um dieses Gleichmachen und Ausmerzen von Gegensätzen zu erreichen, griff man zu Zwangsmaßnahmen, die sich in Form von Frauenbeauftragten und Gleichstellungskommissarinnen, Frauenquoten und Antidiskriminierungsgesetzen äußern.

Diese Brechstangenpolitik schert sich einen Kehricht um die, Gott sei Dank, nicht auszumerzenden geschlechtlichen Unterschiede. Genaugenommen hat sich die einstige liberale Idee des Feminismus, dass Frauen gleichberechtigt sein müssen, in eine breite Privilegierung von Frauen verwandelt. Der liberale Feminismus hat keine Probleme mit den Unterschieden zwischen Mann und Frau. Erst der sozialistische Feminismus versucht, aus dem wunderbaren Gedanken der Gleichberechtigung eine Gleichheit zu machen. Dieser Gender-Mainsteaming-Wahnsinn stellt sich als effektive Diskriminierung von Männern dar.

Einen Tod muss „frau“ sterben

Und jetzt mal Butter bei die Fische, Mädels. Wenn Männer von heute auf morgen jegliche „Anmache“ einstellen, um ja nicht in den Dunstkreis des Sexismusverdachts zu gelangen, gefällt das wirklich? Die meisten Frauen setzen ihr Äußeres ein. Sie machen sich „hübsch“. Und jetzt erzählt mir hier bitte keine, das geschehe nur zur Selbstbefriedigung des eigenen Egos.

Nun können folgende Szenarien eintreten. Fall A: Der Traumprinz springt auf die ausgesandten Reize an und – Bingo – der Abend ist gebongt, mindestens. Ob zum Erreichen des jeweiligen Zieles sexistisches Verhalten an den Tag gelegt wurde, ist hier gänzlich egal. Fall B wäre der weniger günstige Fall. Ein nicht so tolles Exemplar fühlt sich animiert. Wenn nun die Emanzipationswelle nicht ganz umsonst gewesen sein sollte, kann man ohne „Sexismushysterie“ eine „Anmache“ wie: „Na, Püppi – Darf ich dich auf ein Bier einladen?“ – schnell und elegant mit: „Ach du, lass gut sein, gib mir einfach das Geld!“ beenden. Oder wie bitte soll der „Falsche“ feststellen, dass er der Falsche ist, wenn er zur Falschen nicht in Kontakt treten darf , da das im ungünstigsten Fall als Sexismus ausgelegt wird? Fall C dürfte aber für die meisten meiner Geschlechtsgenossinnen der traumatischste sein: Den ganzen Abend über wird man nicht ein einziges mal angesprochen, nicht mal sexistisch.

Weiblicher und männlicher Sexismus – oder ist Sexismus unisex?

Ich kenne genügend gestandene Frauen, die ohne Frauenbeauftragte an der Seite wunderbar mit dem Brüderlischen Sexismus klarkommen. Ich kenne allerdings auch Frauen, die sehr progressiv, um nicht zu sagen aggressiv, auf sexueller Ebene agieren. Bislang ist es aber meiner Aufmerksamkeit entgangen, dass irgend ein Mann sich hier lautstark beschwert oder gar eine „Sexismus-Debatte“ vom Zaun gebrochen hätte. Ist nun männlicher Sexismus schlimmer als weiblicher Sexismus?

Oder wird hier etwas vor unseren Augen verwischt und zu etwas hochstilisiert, dass es in dieser Form nicht gibt. Kann das Jahrtausende lang erprobte und anscheinend bis heute erfolgreiche Balzverhalten unvermittelt bei Nichtgefallen einer der Beteiligten zu einem Akt von Sexismus erhoben werden?

Die ganze Brüderle-Sexismus-Debatte sollte eigentlich für eine selbstbewusste Frau Anlass sein, sich nicht über einen durch zuviel Alkohol ermutigten älteren Herrn aufzuregen. Vielmehr ist es doch beschämend, wie versucht wird, Frauen, die sich durchaus zur Wehr setzen können, zum Opfer zu degradieren.

Jeder zudringliche Mann kann durch ein gezieltes Wort, und wenn das nicht ausreicht, durch eine schallende Ohrfeige oder das Entleeren eines Glases mit vorzugsweise heißem Inhalt in Höhe der männlichen Körpermitte dazu gebracht werden, von seinem ungebilligtem Vorhaben abzulassen. Sich jedoch von Kampf-Feministinnen, vorwiegend aus dem grün-linken Lager, erzählen zu lassen, man schlittere geradewegs in ein neues Zeitalter des Sexismus, ist hysterisch. Und dann als Vorboten des nahenden Unheils und des Niedergangs der ach so hart erstrittenen Frauenrechte Brüderles Dekolleté-Geschmalze und „Küss die Hand, Madam“-Gebrabbele anzuführen, hat nichts mit Sexismus zu tun.

Wer echten, wirklichen Sexismus erleben will, begebe sich in die Parallelwelten unserer muslimischen Mitbürger. Hier gibt es wirkliche, echte Opfer des Sexismus – die muslimische Frau. Oder aber, als nicht-mulimische Frau, bei einem Abend in einer Disko, belebt durch überwiegend männliches Publikum aus eben demselben, muslimischen Kulturkreis. Da stehen die Chancen optimal, Opfer von echtem Sexismus zu werden.