Ein gesellschaftlich und medial vermintes Gebiet: Verwandtenheirat und die Folgen für die Gesellschaft.

Verwandtenheirat ist unter Muslimen stark verbreitet – über die Folgen darf nicht gesprochen werden (Bild: metropolico)

Noch bis in das 19. Jahrhundert war es in Westeuropa durchaus üblich, dass Verwandte innerhalb der eigenen Familie heirateten. Bis heute ist in Deutschland die Ehe zwischen Verwandten dritten Grades – also zwischen Cousin und Cousine – nicht verboten, jedoch ist es den Deutschen seit Generationen fremd, dass man überhaupt innerhalb der Verwandtschaft heiratet.

Am weitesten verbreitet sind Verwandtenehen im Nahen Osten, also in Ländern, in denen der Islam praktiziert wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des australischen Centre for Comparative Genomics.

Gute Mädchen heiraten Verwandte, schlechte Mädchen gibt man einem Fremden

Dieses türkische Sprichwort hat nach wie vor auch bei den in Deutschland lebenden türkischen Migranten seine Bedeutung. Die Heirat unter Verwandten ist im Islam gestattet, mit Ausnahme der in der vierten Sure „Die Frauen“ genannten Beziehungen:

„Verboten (zu heiraten) sind euch eure Mütter, eure Töchter, eure Schwestern, eure Tanten väterlicherseits oder mütterlicherseits, die Nichten, eure Nährmütter, eure Nährschwestern, die Mütter eurer Frauen, eure Stieftöchter, die sich im Schoß eurer Familie befinden (und) von (denen von) euren Frauen (stammen), zu denen ihr (bereits) eingegangen seid, – wenn ihr zu ihnen noch nicht eingegangen seid, ist es für euch keine Sünde (solche Stieftöchter zu heiraten) – und (verboten sind euch) die Ehefrauen eurer leiblichen Söhne. Auch (ist es euch verboten) zwei Schwestern zusammen (zur Frau) zu haben, abgesehen von dem, was (in dieser Hinsicht) bereits geschehen ist. Allah ist barmherzig und bereit zu vergeben. “

Wie metropolico bereits im Zuge der Inzestbewertung durch den Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte berichtete, werden mehr als die Hälfte der muslimischen Ehen innerhalb einer Familie geschlossen. Eine grobe Schätzung sowie Untersuchungen des australischen Centre for Comparative Genomics zeigen, dass nahezu die Hälfte aller Muslime der Welt aus Inzuchtfamilien stammen: In Pakistan finden 70 Prozent aller Hochzeiten zwischen Cousins ersten Grades statt und in der Türkei liegt die Zahl zwischen 25 – 30 Prozent.

Warum die Tochter einem Fremden geben, wenn diese doch in der Familie bleiben kann? Das Tabu bei Inszestehen im muslimischen Familien sind nicht die Beziehungen an sich. Die Verwandtenehe wurde und wird im islamischen Kulturkreis seit 1.400 Jahren praktiziert.

Karte der Verteilung von Verwandschaftsehen weltweit – Stand: 2009 (Bild: reproductiv Health Journal; Rechte: Tadmouri et al. Reproductive Health 2009; Quelle: siehe Link)

Mediale No-Go-Areas

Ein absolutes Tabu ist es jedoch, über die daraus entstehenden Folgen zu forschen und zu sprechen. Thilo Sarrazin hatte diesen Umstand in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ thematisiert. Er bemängelt das „Heiratsverhalten“ der muslimischen Migranten. Nur drei Prozent der jungen Männer mit türkischen Migrationshintergrund in Deutschland heirateten eine Deutsche. Türkischstämmige Migranten in Deutschland ehelichten daher zu 60 Prozent „Importpartner“ aus der Türkei – darunter viele Analphabeten. „Häufig sind es Vettern und Cousinen. Ganze Clans haben eine lange Tradition von Inzucht und entsprechend viele Behinderungen“, schreibt Sarrazin. Selbst wissenschaftlich untermauerte Daten werden so zu medialen No-Go-Areas, wenn – durch die politische Korrektheit zu Unmenschen erklärten Personen – dies öffentlich thematisieren.

Kinder aus Ehen unter Verwandten leiden häufiger unter Erbkrankheiten, Epilepsie, Schwerhörigkeit oder Muskelschwund. Das Risiko, an einer genetisch bedingten Stoffwechselstörung zu erkranken, ist bei verwandten Eltern doppelt so hoch sei wie bei nicht blotsverwandten Eltern. Langfristig ausgelegte Studien beweisen, dass Inzucht Bevölkerungsgruppen geistig zu einem ständig geringerem IQ verhilft. Selbst arabische Wissenschaftler mussten diese Folgen  auch für die arabische Welt bestätigen.

Yasemin Yadigarogl 2008 (Bild: Universität Duisburg-Essen; Rechte: Pressemitteilung Genehmigung Bilddownload; Orginal: siehe Link)

Die Forderung nach einem europaweiten Verbot von Ehen zwischen Verwandten dritten Grades – also zwischen Cousin und Cousine – wird, wenn überhaupt, mit spitzen Fingern angefasst – sieht sich der Forderer eines solchen Verbotes rasch mit dem Vorwurf des Rassismus und der Diskriminierung konfrontiert. Die Duisburger Sozialwissenschaftlerin Yasemin Yadigaroglu engagiert sich seit Jahren gegen Verwandtschaftsehen.  „Ich habe in einem Kindergarten gearbeitet und habe feststellen müssen, dass sehr viele Kinder, Migrantenkinder, von bestimmten Krankheiten betroffen sind. Sei es Mukoviszidose oder Bronchitis. Und sehr auffallend war, dass deutsche Kinder diese Krankheiten nicht hatten.“ Was sie bei ihrer Untersuchung in Duisburg als erschreckend empfand, ist der Umstand, dass 20 bis 30 Prozent der Migranten, auch in dritter und vierter Generation, immer noch untereinander heiraten, so Yasemin Yadigaroglu in einem Interview mit rbb-Online aus dem Jahr 2008.  

Nicht sagen, nichts sehen, nichts hören

Die Integrationsbeauftragte im Kanzleramt, Maria Böhmer, stand laut dem Magazin Kontraste zu diesem Thema nicht für ein Interview zur Verfügung. Die damalige Jugend und Familienministerin Ursula von der Leyen ebenfalls nicht. Ihre Pressestelle erklärte damals, dass dem Ministerium – Zitat: „Über das Ausmaß von Verwandtenehen in Deutschland keine belastbaren Daten vor liegen.“ Auch Ulla Schmidt – die damalige Gesundheitsministerin – wollte mit dem Thema nichts zu tun haben. Ihre Pressestelle verwies zur Integrationsbeauftragten. Interessant, wie groß schon damals die Angst vor öffentlichen Repressalien war.

Sieht man sich aktuell auf den Internetseiten der benannten Ministerien um, findet man zu diesem Thema auch heute keine Informationen. Die Bundeszentrale der AOK mutmaßte 2008, woran dieses auffällige ablehnende Verhalten liegen könnte. Der AOK-Sprecher warnte das Magazin damals: Die Berichterstattung erwecke den Eindruck, Zitat: „… einer von interessierter Seite angezettelten ausländerfeindlichen Kampagne zu dienen.“

Nach diesem Ausflug in die Welt des Appeasements  sei noch erwähnt, dass der engangierten Sozialwissenschaftlerin Yadigaroglu von der Gemeinde der Merkez-Moschee in Duisburg vorgeworfen wurde,  „Nestbeschmutzung“  zu betreiben und ihr den Zutritt in die Vereinsräume verweigerte. Sie erhielt Drohungen, meist von religiösen Fundamentalisten. Aber auch von Kollegen deutscher Herkunft bekam sie zu hören, sie würde Migranten stigmatisieren. Es ist ein politisch unkorrektes Thema, vor dem sich die Öffentlichkeit fürchtet, so die engangierte Wissenschaftlerin. Yasemin Yadigaroglu erhielt 2008 für ihre Arbeit: Risikoreiche Verwandten-Hochzeit“ den Studentenwerkspreis für Aufklärungskampagnen der Uni Duisburg-Essen.

Suchfenster der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (bzga) – Nach wie vor: Keine Information zu Verwandschaftsehen zu finden (Orginal: siehe Link)

Genau dann, wenn die resultierenden Probleme aus Verwandtenehen beim Namen genannt werden, tauchen Befindlichkeiten auf. Halis Cicek, der als Verhaltens- und Sexualtherapeut arbeitet, bestätigt eindeutig, dass Verwandtenehen meist Zwangsehen seien. Trotz des offensichtlichen Ausmaßes der Problematik gibt es in Deutschland kaum jemanden, der sich zuständig fühlt: Weder die psychischen Folgen der Zwangsehen noch die gesundheitlichen Folgen der Verwandtenehen scheinen bundesdeutsche oder Berliner Institutionen zu interessieren. In der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sei das Thema überhaupt nicht bekannt: Man verweist auf das Bundesgesundheitsministerium, das ebenfalls überfragt ist. Ähnliches gelte für das Bundesfamilienministerium. Und die Sprecherin der Berliner Gesundheitssenatorin zeigte sich schon über die Frage nach dem türkischen Heiratsverhalten pikiert: „Das ist Angelegenheit der Türken“.

Es gehört viel Energie dazu, all das alarmierende Material zu ignorieren

Abgesehen von den persönlichen und menschlichen Tragödien, die aus Verwandtenehen resultieren, sollten auch die für die Volkswirtschaft und die Gesellschaft entstehenden Kosten und Gefahren untersucht und vor allem ohne politische Korrektheit thematisiert werden. Aussagekräftiges Zahlenwerk ist hier nicht zu erhalten, da bislang die dedizierte Erfassung von Verwandtenehen und die daraus resultierenden gesundheitlichen Gefahren nicht erfolgt. Verwandtenehen spielten beim Ehegattennachzug eine große Rolle. In Berlin – ähnlich wie in der Türkei – werde mindestens jede fünfte Ehe unter Verwandten geschlossen. Eine Erhebung aus Dänemark zeigt, dass Gemeindemittel durch behinderte Einwandererkinder enorme Kosten verursachen. Allein im Bezirk Kopenhagen gab es bei der Zahl behinderter Kinder innerhalb von 10 Jahren eine Zunahme um 100 Prozent.

Ein gesetzliches Verbot der Ehe unter Cousin und Cousine sollte aufgrund der alarmierenden Tendenz ernsthaft diskutiert werden, selbst wenn dies dem freiheitlichen Gedanken zuwider läuft. Kein ernstzunehmender Wissenschaftler stellt die erhöhte Gefahr von gesundheitlichen Problemen bei Verwandtenheirat in Frage. Somit sollte es ein Gebot der Logik und des menschlichen Mitgefühls sein, diesen Missstand auf der einen Seite durch Aufklärung, auf der anderen Seite durch klare gesetzliche Vorgaben zu minimieren, auch wenn sich die meisten europäischen Gesellschaften mehrheitlich von Verwandtenehen seit geraumer Zeit verabschiedet haben.

Dieser Roll-Back zu bereits ad acta gelegten gesellschaftliche Themen bleibt uns wegen der grundlegend anderen Auffassung von Freiheit und Menschenwürde vieler unserer muslimischen Migranten nicht erspart. Es sei denn wir legen unser Unvermögen, die uns wichtigen Werte vorne anzustellen, endlich ab und vertreten klar , was wir in unserer Gesellschaft akzeptieren möchten und was nicht. Verwandtenehen, Aushebelung des Tierschutzes oder die Aufspaltung der Gesellschaft in Parallelwelten sollte nicht zu unseren Zielen gehören.  (BS)