Förderverein der Gedenkstätte der ehemaligen „DDR“-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen erhält „Preis für Demokratie und Zivilcourage 2013“

Eckwachturm der Gedenkstätte Hohenschönhausen (Bild: Platte C, Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Der Lichtenberger „Preis für Demokratie und Zivilcourage“ wurde am 25. Januar 2013 verliehen. Einer der Preisträger ist der Förderverein „Gedenkstätte Berlin – Hohenschönhausen“.

Er erhält den Preis für seine jahrelange unverzichtbare Unterstützung der Gedenkstätte Berlin – Hohenschönhausen. Die Vergabe des Preises an die Gedenkstätte wurde mit dem jahrelangen, beispielhaften Bemühen um die Stärkung der Zivilgesellschaft und das demokratische Miteinander sowie dem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein für die Gegenwart und Zukunft begründet.

Die Verleihung an die Gedenkstätte kommt einer Zäsur gleich

Vera Lengsfeld nennt die Auszeichnung für die Gedenkstätte Hohenschönhausen in ihrem Artikel auf dem Internetblog Achse des Guten eine „Zäsur“.

Vera Lengsfeld, Opfer des Sozialismus, freischaffende Autorin und Landesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) Berlin-Brandenburg (Bild: Quelle: Franz Richter; Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Ihre Bewertung begründet Lengsfeld mit dem Umstand, dass der Bezirk Lichtenberg vor der Amtsübernahme durch den Bürgermeisters Andreas Geisel (SPD) fest in der Hand der SED -PDS- Linken war. Zwischen dem sozialistisch dominierten Bezirk Lichtenberg und der Gedenkstätte sei es immer wieder zu Spannungen gekommen. So wurden am 21. Juli 2006 in Berlin-Hohenschönhausen vier Tafeln zum Gedenken der „Opfer der Kommunistischen Diktatur“ aufgestellt, um das ehemalige Sperrgelände um das Gefängnis der Staatssicherheit der „DDR“ zu kennzeichnen.

Dem Ereignis ging eine lange Debatte in der Bezirksverordnetenversammlung voraus. Die geplante Aufstellung der Tafeln hatte 2006 bundesweit Schlagzeilen gemacht, nachdem ehemalige Stasi-Mitarbeiter auf einer Bürgerversammlung mit dem Berliner Kultursenator Thomas Flierl die Gedenkstätte unwidersprochen als „Gruselkabinett“ bezeichnet hatten.

Auch der damals PDS-regierte Bezirk Lichtenberg hatte die Tafeln zunächst nicht genehmigen wollen, weil sich die Verantwortlichen an dem Begriff „kommunistische Diktatur“ störten. Mit dieser Formulierung werde die „DDR reduziert und die Tafeln erwecken den Eindruck, als würde die DDR mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt“. Diese verächtliche Haltung änderte sich erst, als Andreas Geisel mit einer repräsentativen Delegation aus dem Bezirksamt die Gedenkstätte besuchte und sich dafür einsetze, dass zukünftig auch Lichtenberger Schulen die Gedenkstätte besuchen würden.

Gesine Lötzsch (Die Linke) verlässt dem Saal

Entgegengenommen wurde der Preis stellvertretend von Vera Lengsfeld und Mario Röllig. Wie Vera Lengsfeld in ihrem Artikel bemerkte, fand die Preisverleihung an die Gedenkstätte nicht bei allen Anwesenden im Lichenberger Rathausaal Zustimmung. So verließ die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linke) „unauffällig, aber zügig den Saal“.

Die Linke Gesine Lötzsch verläßt bei Preisverleihung den Saal (Bild: Ginniwunni, Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Vera Lengsfeld wurde am 17. Januar 1988 bei dem Versuch verhaftet, bei der traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Demonstration in Ost-Berlin für Meinungsfreiheit zu demonstrieren. Wegen „versuchter Zusammenrottung“ war sie dann im Zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert.

Hier lernte sie den dort zugelassenen Anwalt Gregor Gysi kennen. Auf ihrer Homepage veröffentlicht sie ihren Erfahrungsbericht: Wie ich Gregor Gysi als Erfüllungsgehilfen der Stasi erlebte. Da bei Äußerungen über die Tätigkeit des Rechtsanwalts Dr. Gregor Gysi in der „DDR“ bekanntlich Vorsicht geboten ist, weist metropolico darauf hin, dass hier der Bericht von Frau Lengsfeld dokumentiert wird, ohne dass metropolico sich seinen Inhalt zu eigen macht.

Die Staatsicherheit ergriff einen Maßnahmeplan zur Massenabschiebung der Bürgerrechtler in den Westen. Nach ihrer Verurteilung durch das Stadtbezirksgericht Lichtenberg wurde Vera Lengsfeld mit einem befristeten Visum nach England abgeschoben. Im November 1989 kehrte sie in die „DDR“ zurück. Nach der Enttarnung ihres Ehemanns als Spitzel ließ sie sich scheiden und nahm wieder ihren Mädchennamen an.

Die Hintergründe dieser Massenabschiebung sind bis heute ungeklärt, obwohl Linke- Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi sich ungehindert in Schweigen hüllen und die nötige Aufklärung so verhindert, so Vera Lengsfeld . „Bis heute müssen sich die Betroffenen mit der SED-Lesart der Ereignisse auseinandersetzen, wenn z. B. in Wikipedia behauptet wird, die Inhaftierten wären auf „eigenen Wunsch“ oder auf „Anraten ihrer Anwälte“ in den Westen gegangen.“

Mario Röllig wurde 1987 beim Versuch aus der „DDR“ zu flüchten verhaftet und saß ebenfalls im Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen ein. Mario Rölligs bezeichnet seine Haft in dem sozialistischen Verbrecherstaat als die schlimmste Zeit seines Lebens und hat seine schrecklichen Erfahrungen mit dem Sozialismus in einem Video zusammengefaßt.

Ort des sozialistischen Grauens

Wer die jetzige Gedenkstätte der ehemalige Untersuchungsanstalt der „DDR“-Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen schon einem besucht hat, kann den Horror, der hier sein Zuhause hatte, erahnen. Kaum ein Ort in der „DDR“ war so geheim wie das Gefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin Hohenschönhausen. Auf keinem Stadtplan war es verzeichnet. Die Untersuchungshäftlinge, die dort einsaßen, wussten nicht, wo sie sich befanden; oft wussten sie nicht einmal, in welcher Stadt sie waren.

1946 lässt der sowjetische Geheimdienst die ehemalige Großküche zum Untersuchungsgefängnis und Internierungslager für Nazi-Funktionäre umbauen. 1951 wird es vom Ministerium für Staatssicherheit übernommen, dessen 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter für die paranoide Kontrollsucht eines sozialistischen Staates stehen, der seine Bürger unter Generalverdacht stellte.

Zellentrakt im „U-Boot“ (Bild: Proditor, Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

1951 übernahm das ein Jahr zuvor gegründete Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das sowjetische Kellergefängnis und nutzte es von nun an als seine zentrale Untersuchungshaftanstalt. Im folgenden Jahrzehnt wurden hier zahlreiche Menschen inhaftiert, die der kommunistischen Diktatur im Weg standen – insgesamt über 11.000 Personen. Die Liste der Gefangenen reicht von Streikführern des Aufstands vom 17. Juni 1953 bis zu kritischen Reformkommunisten. Auch in Ungnade gefallene Politiker blieben nicht verschont, unter ihnen der ehemalige „DDR“-Außenminister Georg Dertinger (CDU) oder das einstige SED-Politbüromitglied Paul Merker. Selbst SED-Kritiker aus dem Westen wurden vom MfS entführt und nach Hohenschönhausen gebracht – wie der Westberliner Rechtsanwalt Walter Linse, der 1952 in der Nähe seiner Wohnung gekidnappt und ein Jahr später in Moskau hingerichtet wurde.

Ende der 1950er Jahre mussten Häftlinge des benachbarten Arbeitslagers im hinteren Teil des Geländes ein neues Gebäude mit über 200 Zellen und Vernehmerzimmern errichten, welches das alte Kellergefängnis als zentrale Untersuchungshaftanstalt ablöste. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 wurden hier vor allem Menschen festgehalten, die aus der „DDR“ fliehen oder ausreisen wollten.

Menschenverachtende Methoden eines menschenverachtenden Regimes

Die physische Gewalt der 1950er Jahre wurde seit den 60er Jahren durch raffinierte psychologische Foltermethoden ersetzt. Über den Ort ihrer Haft ließ man sie bewusst im Unklaren. Systematisch gab man ihnen das Gefühl, einem allmächtigen Staat ausgeliefert zu sein. Von der Außenwelt hermetisch abgeschnitten und von den Mitgefangenen meist streng isoliert, wurden sie durch gut ausgebildete Vernehmer monatelang verhört, um sie zu belastenden Aussagen zu bewegen.

Vernehmungszimmer in der Haftanstalt (Bild: Langinger, Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Schon während der Verhöre und der erkennungsdienstlichen Behandlung wurden die Häftlinge psychisch unter Druck gesetzt, indem sie über Stunden, ohne beachtet zu werden, auf den ihnen zugewiesenen Plätzen verharren mussten, ohne zu wissen, was weiterhin geschehen sollte. Des Weiteren wurden während der Anwesenheit des Häftlings fingierte Telefonate mit falschem Inhalt geführt, in denen hervorging, dass z. B. Familienangehörigen schlimme Schicksale zugestoßen sind. Der Häftling wurde jedoch im Unklaren gelassen, ob es sich um die eigenen Familienmitglieder handelte oder die einer anderen Person.

Viele Gefangene wussten während ihrer Inhaftierung nicht, dass sie sich in Berlin befanden: Aus den fensterlosen Häftlingstransportern durften sie erst in einer direkt dem Zellentrakt angeschlossenen Garage aussteigen, die Zellenfenster bestanden aus Glasbausteinen, während den Vernehmungen wurden in den Verhörräumen die Gardinen geschlossen. Technische Vorrichtungen verhinderten, dass sich Gefangene auf dem Gang oder in anderen Bereichen zufällig begegnen konnten. So war es möglich, mehrere gemeinsame Tatverdächtige (unter anderem auch Ehepaare) in der gleichen Anstalt, zum Teil im gleichen Gebäude unterzubringen und direkt nacheinander zu verhören, ohne dass ein Gefangener von der Anwesenheit des anderen Gefangenen in der gleichen Anstalt wusste.

Mit dem endgültigen Untergang der „DDR“ 1989, der das Ende der SED-Diktatur einleitete, führte dann zur Auflösung des Staatssicherheitsdienstes und seiner Gefängnisse. Mit dem Beitritt der „DDR “ zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 wurde die Haftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen geschlossen.

Gegen die neuen Formen des Linksextremismus ankämpfen!

Seit 1994 ist das Geländer der früheren zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit eine Gedenkstätte und seit Juli 2000 eine selbstständige Stiftung öffentlichen Rechts. Da große Teile der Gebäude und der Einrichtung fast unversehrt erhalten geblieben sind, vermittelt die Gedenkstätte ein sehr authentisches Bild des Haftregimes in der sogenannten „DDR“.

Wegen ihrer geographischen Lage in der Bundeshauptstadt gilt sie als wichtigster Erinnerungsort für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. Die Gedenkstätte wurde im Jahr 2010 von 332.000 Menschen besucht, davon über die Hälfte Schüler (Stand: 04.01.2011). In der Regel führen ehemalige Häftlinge die Besucher durch das Gefängnis und informieren sie über die Haftbedingungen und Verhörmethoden des „DDR“-Staatssicherheitsdienstes.

Eingangstor der Gedenkstätte Hohenschönhausen (Bild: Platte C, Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Laut Selbstdarstellung der Stiftung möchte diese durch die Gedenkstätte dazu anregen sich nicht nur mit der „DDR“, sondern auch mit neuen Formen des Linksextremismus auseinanderzusetzen. Nach der Überwindung der kommunistischen Diktaturen in Europa schienen linksradikale Politikkonzepte für immer erledigt zu sein. Zu offensichtlich war ihr Scheitern, zu groß die Zahl ihrer Opfer. Umso erstaunlicher ist es, dass sie in Deutschland wieder Tausende Anhänger finden.

Ist der Kommunismus tatsächlich Geschichte? Für eine freie Gesellschaft ist es überlebensnotwendig, sich mit der Ideologie, den Strukturen und Aktionsformen des Linksextremismus auseinanderzusetzen – und dabei zu erkennen, dass die Demokratie durch diese heute gefährdet ist. (BS)

Quelle: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Homepage)