Frank-Furter Schnauze: Peer Steinbrück, Symbol für die Verlogenheit des Parteienblocks

Liefert Realsatire vom Allerfeinsten: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (Bild: http://www.dts-nachrichtenagentur.de/nachrichtenbilder; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Wenn es Peer Steinbrück nicht schon geben würde, müsste man ihn auf der Stelle erfinden. Selten zuvor führte ein Spitzenpolitiker innerhalb kürzester Zeit zwar unfreiwillig, aber außerordentlich eindrucksvoll die ganze Verlogenheit des gegenwärtigen Parteienblocks vor. Und die Verlogenheit der deutschen Sozialdemokratie gleich mit.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist jener Typ Politiker, der sich selbst offenbar dem System enthoben, der sich über der Gesellschaft verortet sieht. Die holde Moral der sozialen Gerechtigkeit, all das, was gerade die Sozialdemokraten von Bürgern und Unternehmern fordern, scheint für ihn ganz selbstverständlich ungültig zu sein.

Es ist pure Verlogenheit

Niemand kann Steinbrück vorwerfen, dass er Vorträge hielt und damit Geld verdiente. Welche Seilschaften jedoch dahinter lagen, wie nun im Fall der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer vermutet wird, wo erst Steinbrücks Ministerium Millionenhonorare zahlte und dann der Maestro sozialdemokratischer Finanzzauberei als Redner geladen (und vergütet) wurde, bleibt mehr als fraglich. Erinnerungen werden wach an den einstigen SPD-Superminister Wolfgang Clement, der in rotgrünen Regierungszeiten den Stromkonzernen Blankoschecks ausstellte und die Zeitarbeit massiv ausbaute, um dann als Politrentner von zahllosen Firmen eben dieser Branchen mit gut-dotierten Aufsichtsratspöstchen belohnt zu werden. Übrigens belohnt dafür, dass er eine – zumindest dem Anschein nach – zutiefst un-sozialdemokratische Politik gemacht hat. Eine Politik zu Lasten des kleinen Mannes und zu Gunsten einiger Konzerne und ihrer Aktionäre.

Die gleiche Verlogenheit findet sich in Reihen der Grünen, wenn vom gemeinen Volk gefordert wird, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und auf Urlaub zu verzichten, gar noch brav den Müll zu sortieren, der in der Regel nach der Abholung sowieso wieder zusammen geschüttet und viel effektiver maschinell getrennt wird, alles – auch das Unsinnigste – des lieben Umweltschutzes wegen. Während man selbst sich mit S-Klassen durch die Gegend chauffieren lässt und bei der Lufthansa gehörig Meilen sammelt. So wie man vom Volke fordert, gefälligst jede noch so schlimme Entwicklung in der „multikulturellen“ Gesellschaft zu ertragen, man selbst es sich jedoch in noblen Vororten mit Null-Migrantenanteil gemütlich macht. Es ist pure Verlogenheit.

Nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Das können schwarze und gelbe Politiker genauso gut. Der Parteienblock in Gänze stinkt zum Himmel vor Korruption. Es ist nur so, dass gerade Grüne und Rote am lautesten schreien, da seien Atom- und Finanzlobby am Werke, wenn schwarz-gelbe Politik den Eindruck dazu erweckt. Selbst ist man aber nicht weniger eng mit Solar- und Soziallobby im Bunde, und mit der Medienlobby sowieso. Müßig die Frage, welches der scheinbaren Lager schlussendlich größeren Schaden anzurichten vermag.

Pleiten, Pech und Pannen

Interessant dürfte derweil werden, ob die SPD im kommenden Jahr an Steinbrück als Kanzlerkandidat festhält. Die Kampagne des ehemaligen Finanzministers zeichnet sich bisher durch Tölpelhaftigkeit aus, durch Pleiten, Pech und Pannen. Erst die Debatte um seine Honorare, dann die Quasi-Forderung, vorsorglich schon mal das Kanzlergehalt zu erhöhen, nun gar noch der Vorwurf, Kanzlerin Merkel habe als Frau einen Geschlechterbonus (das mag sogar stimmen, passt nur ganz und gar nicht zur Gendermoral des rotgrünen Lagers)… All das vorgetragen von einem genauso eloquenten wie selbstverliebten Protagonisten, der seine Fettnäppfchen noch für politisches Aloe Vera zu halten scheint. Es ist Realsatire vom Allerfeinsten.

Dabei hat bislang noch niemand begonnen, in Steinbrücks NRW-Vergangenheit zu wühlen. In jener Zeit, als er erst NRW-Finanzminister, dann NRW-Ministerpräsident war, und als solcher – beispielsweise! – um die Vorgänge in der späteren Pleitebank West-LB nur allzu gut Bescheid wissen musste. Sie wissen schon: Sprudelnde Renditen aus ominösen US-Papieren, die Politiker wie Steinbrück seit 2008 so sehr verteufeln und bekämpfen, vorher aber gerade in ihren Landesbanken in ausuferndem Umfang gehortet haben. Fürwahr, es dürfte sich noch so manch ein politisches Giftmüll-Fass in Steinbrücks Unterbau finden. Und zudem liefert er noch laufend selber welche.

Wenn es Peer Steinbrück nicht schon geben würde, müsste man ihn auf der Stelle erfinden. Selten zuvor führte ein Spitzenpolitiker innerhalb kürzester Zeit zwar unfreiwillig, aber außerordentlich eindrucksvoll die ganze Verlogenheit des gegenwärtigen Parteienblocks vor. Und die Verlogenheit der deutschen Sozialdemokratie gleich mit. Man sollte ihm dafür danken. Und hoffen, dass diese Komödie noch möglichst lange weitergeht.