Wirbt nun nicht mehr für das "ZIE-M": Imam Bajrambejamin Idriz (Bild: metropolico.or
 Imam Bajrambejamin Idriz (Bild: metropolico.org)

Frank-Furter Schnauze: Von extremistischen Freunden und demokratischen Feinden

Die Süddeutsche Zeitung geht in die Offensive: In einem Fotobericht macht sie Werbung für das geplante Zentrum für Islam in Europa (ZIE-M) und diffamiert gleichzeitig die Gegner des Projektes. In einem weiteren Artikel geht es um die Finanzierung des ZIE-M mit Petrodollars aus dem Kernland des Wahhabismus. Neues aus Absurdistan: Von extremistischen Freunden und demokratischen Feinden – Krude, krude, ZIE-M-lich krude!

Man muss dem bayerischen Landesvorsitzenden der Partei Die Freiheit ausdrücklich gratulieren: Michael Stürzenberger hat es geschafft, mit seiner Unterschriftenaktion gegen das ZIE-M ordentlich Staub aufzuwirbeln. Mittlerweile dünkt wohl selbst dem ein oder anderen Vertreter der politischen und medialen Elite in der bayerischen Landeshauptstadt, dass die Kampagne, einst angestoßen von metropolico-Mitbegründer Christian Jung, tatsächlich erfolgreich sein könnte. Ein guter Teil der nötigen Unterschriften für einen Volksentscheid ist gesammelt, der Rest wird sicher früher oder später folgen.

Ein Bild, das heuchlerischer kaum sein könnte

Grund genug für die Süddeutsche Zeitung (SZ), in Sachen ZIE-M in die Offensive zu gehen. Am Dienstag erschienen auf der Internetseite der urlinken Journaille gleich zwei Veröffentlichungen zum Thema. Einerseits ein Bildband, in dem das Projekt „vorgestellt“ (um nicht zu sagen: beworben) wird. Andererseits ein Artikel, in dem es um aktuelle Finanzierungsprobleme geht. Interessant ist das Bild, das in der Summe entsteht. Ein Bild, das heuchlerischer kaum sein könnte.

Da wird im Bildband geschönt, dass sich die Balken biegen. Der Penzberger Imam Bajrambejamin Idriz wird einmal mehr als „glaubwürdiger“ und „fortschrittlicher“ Vorstreiter eines modernen Islam präsentiert. Kein Wort von dessen offenkundigem Titelschwindel, schon gar kein Wort davon, dass zu Idriz‘ absonderlichem Bildungsweg ein zweijähriges, na sagen wir mal: „Studium“ an einer radikal-islamistischen Einrichtung gehörte. Lediglich der Umstand, dass die Penzberger Gemeinde des vermeintlichen Vorzeige-Imams über mehrere Jahre im Verfassungsschutzbericht auftauchte, ist der SZ eine Erwähnung wert. Schließlich lässt sich dieser Makel – im Gegensatz zu den anderen – dadurch entkräften, dass die Verfassungshüter Idriz und Konsorten mittlerweile in ihren Berichten nicht mehr erwähnen.

Genauso verklärend, nur eben in die entgegengesetzte Richtung, stellt sich Seite 4 des Bildbands dar: Es geht um „die Gegner“, um Michael Stürzenberger. In aller Kürze wird dessen Existenz Tribut gezollt, kein Wort über seine Ziele oder Motive, schon gar kein Wort von ihm selbst. Stattdessen kommt ZIE-M-Unterstützer Stefan Wimmer zum Zuge, darf von „islamfeindlichen Hetzern“ schwadronieren. Und freilich fehlt nicht der Hinweis auf das ach so bunte Bündnis, dass sich jüngst in München gebildet hat, und dessen politische Farbe vornehmlich von grün über orange bis rot, dunkelrot, Blut-rot, Blöd-rot und Unwissend-Braun reicht. Die Schubladen sind also aufgemacht: Hier die fortschrittlichen, glaubwürdigen ZIE-M-Befürworter, dort die rückständigen, gehässigen Islamfeinde. Und über alledem schwebt die Stadtgewordene Buntheit, definiert, manifestiert und per Artikelflut zur Mehrheitsmeinung um-interpretiert von den eifrigen Schreiberlingen der SZ-Redaktion. Krude!

Mischung aus archaischer Religion und totalitärer Ideologie

Noch kruder wird es allerdings im zweiten Artikel, in dem es um die Finanzierung des ZIE-M geht. Da ist die Rede vom Emir von Scharjah, der bereits für Idriz‘ Penzberger Moschee eine Millionensumme gespendet hatte; und dessen Herrschaftsgebiet selbst unter den Arabischen Emiraten noch als eines der besonders rückständigen gilt (und das will schon was heißen!). Und da fällt der Name Hamad bin Khalifa al-Thani, seines Zeichens Scheich des arabischen Emirats Katar. Herrscher jenen Landes also, dem selbst die Wikipedia in einem unkontrollierten Ausbruch politischer Inkorrektheit bescheinigt, zu den unfreiesten Orten der Welt zu zählen.

Apropos Katar. Die genauso reiche wie rückständige Diktatur am Persischen Golf gilt als Kernland und Brutstätte des Wahhabismus, jener Mischung aus archaischer Religion und totalitärer Ideologie, die muslimische Frauen zu Menschen zweiter Klasse degradiert (und Ungläubige zu Menschen dritter Klasse), die beispielsweise Homosexualität und den Abfall vom Islam als schwere Verbrechen betrachtet und Strafen von Auspeitschen bis Steinigung vorsieht. Laut Artikel 1 der Verfassung (also da, wo in rechtsextremen Ländern wie Deutschland irgendwas von Menschenwürde geschrieben steht) ist in Katar die Scharia Hauptquelle der Gesetzgebung. Der Scheich ist König, Herrscher, Staatsoberhaupt, steht Legislative und Exekutive vor. Zudem ist bekannt, dass Katar die größte islamistische Organisation der Welt, die Muslimbruderschaft, wesentlich mitfinanziert. Jene Organisation also, deren palästinensischer Arm die Terrororganisation Hamas ist und die sich in Ägypten jüngst in Person von Präsdent Mohammed Mursi aufmachte, die Gewaltenteilung und das Demokratieprinzip abzuschaffen (oder besser: das Staatswesen an wahhabitische Standards anzupassen). Krude!

Krude, krude, ZIE-M-lich krude!

Schon diese wenigen Beispiele sollten dem halbwegs klar-denkenden Zeitgeist genügen, sich zu fragen, was für Motive und was für Ziele der Scheich von Katar wohl mit einem Millioneninvestment in ein Zentrum für Islam in München verfolgt. Wenn Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani und anderen schwer-reichen Arabern allen Ernstes an einer Modernisierung des Islams gelegen wäre, warum bloß fangen sie damit nicht bei sich „da’hoam“, im Herzen der islamischen Welt, an? Warum bloß investiert ein Diktator, Vorstreiter einer totalitären Ideologie, Förderer extremistischer Parteien (Muslimbruderschaft, Ennahda) und Unterstützer terroristischer Bewegungen (Hamas, Taliban), mehrere Millionen in ein Projekt, das den Bürgern in der SZ als so modern, so fortschrittlich und so überaus demokratisch verkauft wird? Warum bloß?

Fragen, die in der SZ freilich nicht gestellt werden. Dabei braucht man gar kein fremd-erklärter Islamhasser zu sein, um in diesem Vorgang – sagen wir mal – Widersprüchliches zu erkennen. Da genügt im Grunde der gesunde Menschenverstand. Dumm nur, dass eben dieser das erste Opfer der politischen Korrektheit ist. Tatsächlich gewährt die Süddeutsche Zeitung einmal mehr einen tiefen Einblick ins politische Seelenleben der deutschen Linken: Da legt man sich gerne mit offenkundigen Extremisten ins Bett, die ruhig Menschenrechte und Demokratieprinzip mit Füßen treten dürfen, so lange sie das bloß im Namen von irgendetwas Fremdem tun. Da buhlt man gar um Millionenspenden von Diktatoren und verschließt die Augen vor einem Totalitarismus, dessen gegenwärtiger Siegeszug Adolf Hitler wohl zu Freudentränen rühren würde.

Gleichzeitig wird gegen jeden, selbst gegen bekennende Demokraten, geschrieben und gehetzt, kaum dass sie es wagen, den linken Schwachsinn dieser Zeit infrage zu stellen, Zweifel an den Zielen und Motiven offenkundiger Demokratiefeinde zu äußern oder gar noch – im weitesten Sinne – irgendwie rechts, irgendwie deutsch zu sein. Krude, krude, ZIE-M-lich krude!

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