Münchner Freiheit: Hat der Vorstand des Trägervereins die Stadt hintergangen – und sich so strafbar gemacht?

Hinters Licht geführt oder zynischer Unterstützer linken Terrors? Die Rolle von Oberbürgermeister Ude bleibt undurchsichtig (Bild: metropolico)
Hinters Licht geführt oder zynischer Unterstützer linken Terrors? Die Rolle von Oberbürgermeister Ude bleibt undurchsichtig (Bild: metropolico)

Von der Stadt München aufgrund der metropolico Berichterstattung befragt, haben die Betreiber des Kafe Marat die Stadt hinters Licht geführt. So wurden entgegen den Beteuerungen der Linksextremisten gegenüber der Stadt im Kafe Marat mehrere Infoveranstaltungen zu einer Kampagne abgehalten, die zu Gewalt und Sabotage aufruft – und im Rahmen derer schon Anschläge verübt wurden. Die metropolico vorliegenden Unterlagen weisen auf eine geplante Täuschung der Stadt München hin. Bislang schien diese nur allzu gewillt zu sein, sich täuschen zu lassen. Doch muss angesichts der neuen Entwicklung Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nun die Gelder für die von ihm bislang gesponserten Linken streichen? Oder ist Ude ein Unterstützer des roten Terror im Gewand des linken Biedermanns, der nicht daran denkt, mit den angedrohten Konsequenzen tatsächlich ernst zu machen? Die Münchner Freiheit zeigt Fakten, die beides als möglich erscheinen lassen. Ebenfalls Thema: Haben sich die Betreiber des Kafe Marat strafbar gemacht?

Der Ablauf ist immer derselbe. Seit Jahren gibt es immer wieder Vorwürfe gegen das Kafe Marat. Die Stadt München lässt daraufhin wissen, dass sich keine Verbindung zu gewaltbereiten und extremistischen Bestrebungen herstellen lasse und erklärt die Sache für erledigt. Die zuvor nach außen dargestellte operative Hektik endet schlagartig. Doch dieses Mal könnte diese Taktik nicht verfangen. Dafür sind unter anderem die Vorstände des Trägervereins des Linksextremistentreffs zu tief in die gewaltbereite und extremistische Szene und auch in die Widersprüche ihrer eigenen Erklärungen verstrickt.

In der Thalkirchnerstraße 102, dem Sitz des Kafe Marat, gab man sich jedenfalls empört. Die Vorstände des Vereins „Zeit, Schlacht & und Raum“ (ZRS), des Trägerverein des Kafe Marat also, vermochten es nicht zu fassen. Werden sie doch tatsächlich aufgrund der Berichterstattung durch metropolico über die von dem städtisch gesponserten Autonomentreff ausgehenden Gewaltaufrufe durch die Stadt zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Die angebliche Gewaltfreiheit des Kafe Marat

"war starts here" Informationsveranstaltung im Kafe Marat, Januar 2012 (Screenshot der Internetseite des Kafe Marat)
„war starts here“ Informationsveranstaltung im Kafe Marat, Januar 2012 (Screenshot der Internetseite des Kafe Marat)

Zur Erinnerung: Im Rahmen von Recherchen stieß metropolico in den Räumen des Kafe Marat auf Broschüren der sogenannten DHL-Kampagne. Im Rahmen dieser war es zu einer von linker Seite gefeierten Serie von Brandanschlägen gekommen.

Von der Stadt zum eigenen Verhältnis zu der Kampagne oder vielmehr der Broschüre zu einer Stellungnahme aufgefordert, behaupten die revolutionären Bezieher von Staatsknete nun, mit der „DHL-Kampagne“ nichts zu tun zu haben. Angeblich kennen die städtisch finanzierten Autonomen diese Kampagne noch nicht einmal. Die gegen die Unternehmen DHL und Deutsche Post gerichtete Anschlagsserie war den Sozialrevolutionären des Kafe Marat angeblich unbekannt. Gegenüber der Stadt behauptet der Vorstand: Zu der linksextremistischen Kampagne gebe es „keinerlei Verbindung mit dem Verein ZRS oder den Nutzergruppen“ des Kafe Marat. Doch das ist nachweislich falsch!

Aber auch mit den durch metropolico angeführten Plakaten, die zu Gewalt gegen Polizisten aufriefen, wollen die Kafe-Betreiber so gar nichts zu tun gehabt haben. In dem Schreiben der Autonomen-Wirte vom 8. Oktober an das Sozialreferat der Stadt heißt es wörtlich: „[…] es werden keinerlei Anschläge irgendeiner Art am Vereinsgebäude durch uns angebracht.“ Und weiter führen die Betreiber der linksradikalen Herberge aus: „Wie in früheren solchen Angelegenheiten bereits durch uns festgestellt, sehen wir uns nicht in der Verantwortung, für die Fassade und die dort von Dritten angebrachten Plakate, oder Schmierereien oder sonstiges, Rechnung zu tragen.“ Mehr noch: Der Verein distanziere sich von den Aussagen.

Ude antwortet – und lässt sich hinters Licht führen

Oberbürgermeister Christian Ude hat sich Monate nach seiner Zusage einer Antwort in einem vier Absätze umfassenden Schreiben an metropolico zu den Gewaltaufrufen im und am Kafe Marat geäußert. Danach haben die von dem SPD-Politiker mit städtischen Geldern finanzierten Linksextremen zugesagt, die Plakate, die angeblich von Unbekannten angebracht worden seien, zu entfernen. Die Versicherungen des Vereins, so der Chef des Münchner Rathauses gegenüber metropolico, seien glaubhaft. Dabei sieht Ude augenscheinlich über frühere schriftliche Aussagen des Vereins hinweg, die metropolico vorliegen und der jetzigen Darstellung widersprechen. Doch diesen Aspekt werden wir in einem anderen Artikel in den kommenden Tagen noch einmal aufgreifen.

In Bezug auf die Broschüre verweist der für seine kabarettistischen Einlagen bekannte Ude auf die Aussagen des Vereins. Die Linksextremisten hätten bei der Kontrolle ihrer Vereinsräume tatsächlich keinerlei inkriminiertes Material gefunden. Ja, es sei den Vorstandsvorsitzenden sogar wichtig zu betonen, dass die Broschüre nicht in den Vereinsräumen ausliege, teilt der Oberbürgermeister Münchens mit. Zudem weise der Vorstand des Vereins die inhaltlichen Aussagen der DHL-Kampagne von sich. Doch das ist nicht das Ende der nach oben offenen Ude-Skala der Leichtgläubigkeit. Insbesondere die letzte Behauptung steht im Widerspruch zu Tatsachen, die auch die Stadt München wissen könnte, wie die Recherchen durch metropolico zeigen.

Interessanter noch als das, was Oberbürgermeister Ude nach außen hin darlegt, ist jedoch der bereits auszugweise zitierte Schriftwechsel zwischen den städtischen Behörden und den Linksextremen des Kafe Marat, der metropolico vorliegt.

Die Wahrheit gefährdet die Bezuschussung

Unter der Betreffzeile „Vereinbarungen im Hinblick auf die Voraussetzung der Förderungswürdigkeit vom 25.10.2011“ verlangten die städtischen Beschäftigten drei Tage nach Erscheinen des metropolico Artikels nach einer Erklärung. Damit war für das Kafe Marat klar: Es geht darum, die Staatsknete weiter beziehen zu können. Anlass, all zu offen zu seinem städtischen Sponsor zu sein? Doch wohl eher nicht. Zumal diese Offenheit dem Antifa-Verein nur schaden konnte.

So wollte die Sozialbürokratie der bayerischen Hauptstadt von den städtisch bezuschussten Revolutionären nicht nur wissen, was man davon zu halten habe, dass auf Plakaten zur Gewalt gegen Polizisten und zu Plünderungen aufgerufen wurde. Ebenso wollten die Beamten des zuständigen Jugendamtes in Erfahrung bringen, warum die ebenfalls zur Gewalt aufrufende Broschüre zur Kampagne gegen das Dienstleistungsunternehmen DHL  in den Räumen des Vereins auslag. Dieses Verlangen nach genau dieser Auskunft zum Geschehen in den Räumen des Vereins war freilich gefährlich, denn dabei konnte das Kafe Marat und sein Vorstand niemand anderen verantwortlich machen. Zugleich wäre das ein Verstoß gegen die erwähnte Vereinbarung zum Erhalt der Förderungswürdigkeit – und die im Bescheid für die Bezuschussung für das Jahr 2012 erstmals gemachte Auflage. Somit konnte nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf. Die tatsächlichen Umstände ein „wenig zurecht zu biegen“ wurde den revolutionären Steuergeldempfängern seitens Udes Mannen aber auch nicht allzu schwer gemacht.

Denn eine eigene Kontrolle durch die zuständigen Beamten der Stadt erfolgte augenscheinlich nicht. Eine eigene Überprüfung der Vereinsräume durch die Behörden wäre nicht etwa nutzlos gewesen. Denn Tage vor Erscheinen des Artikels wandte sich metropolico an das Büro des Oberbürgermeisters. In einer Mail, die eingescannte Auszüge aus der Broschüre enthielt, wurde Ude an die von ihm im September 2012 zugesagte Stellungnahme erinnert. Zugleich kündigte metropolico das Erscheinen des Artikels zu der DHL-Kampagne in einigen Tagen an. Genug Zeit und ausreichend Gelegenheit also, eine Kontrolle durch städtische Beschäftige vornehmen zu lassen, bevor die Broschüren sich nicht mehr in den Vereinsräumen finden lassen. Aber die Stadt München wartete nicht nur das Erscheinen des Artikels ab, sondern ließ die Überprüfung des Vereins durch diesen selbst vornehmen. Inkompetenz? Naivität? Unwille? Oder einfach nur der Wunsch, die der Stadtverwaltung München augenscheinlich nahe stehenden Linksextremisten zu schützen?

Zur Beantwortung dieser Fragen ist natürlich von Bedeutung, wann die zuständigen Sachbearbeiter der Stadt denn überhaupt einmal das überprüften, was sie zuvor mit den Linksextremisten vereinbart hatten. Anscheinend überhaupt nicht. Denn auch nachdem die kommunalen Mitarbeiter dem Stadtrat zur weiteren Gewährung die Übereinkunft und die feierlichen Versprechen der revolutionären Geldempfänger vorgelegt hatten, wollte man sich so gar nicht an Lenins Ausspruch halten, dass Kontrolle um so vieles besser als Vertrauen ist. metropolico gegenüber wollte die Stadt jedenfalls bis zum Erscheinen des Artikels keine Auskunft darüber geben, was man dort unternommen hat, um die Einhaltung der Vereinbarung zu überwachen. Nach den metropolico vorliegenden Unterlagen hätte es dazu auch nicht allzu viel zu berichten gegeben.

Die Kampagnen gehören zusammen

Doch nachdem sich das Jugendamt durch die metropolico-Berichterstattung nun einmal zu einer Aktivität genötigt sah, tischten die Kämpfer für Volk und Revolution angesichts solch absurd milden und am Rand der Kumpanei entlang schlitternden Vorgehens den Sozialbeamten allem Anschein nach auch noch gleich eine faustdicke Lüge in Bezug auf die DHL-Kampagne auf. Man habe erst einmal googlen müssen, um zu erfahren, was unter der DHL-Kampagne zu verstehen sei, teilt der Vorstand des Trägervereins „Zeit, Schlacht & Raum“ den leichtgläubigen, oder auch verständnisvoll kooperierenden Beamten der Stadt mit.

Dabei liegt der Beweis, dass dem nicht so sein kann, auf der Hand, oder vielmehr ist auf der Internetseite des Kafe Marat nachzulesen. So wurde etwa am 18. Januar 2012 im Kafe Marat eine Infoveranstaltung zur Kampagne „war starts here“ abgehalten. Den Zusammenhang zwischen der DHL-Kampagne und dieser erklärt der aktuelle Bundesverfassungsschutzbericht. Darin heißt es über die seit 2011 betriebene Kampagne „war starts here“:

 „Kampagne gegen die kriegerische Normalität“ [auf], die sich als Teil europaweiter antimilitaristischer Aktivitäten versteht. Mit der neuen Kampagne wird die 2008 initiierte militante Kampagne „DHL – olivgrün unter postgelbem Tarnanstrich“ (Anmerkung durch metropolico: Dies war der erste Aufruf der DHL-Kampagne wie er sich auch in der genannten und im Kafe Marat ausgelegten Broschüre wiederfindet) gegen den Logistikdienstleister DHL und die Deutsche Post AG fortgeführt und erweitert.

"war starts here" Informationsveranstaltung im Kafe Marat im Juli 2012 (Screenshot)
„war starts here“ Informationsveranstaltung im Kafe Marat im Juli 2012 (Screenshot)

Mit anderen Worten: Das Kafe Marat hält im Jahr 2012 eine Infoveranstaltung zu der Fortsetzungs- und Erweiterungskampagne gegen die DHL und die deutsche Post ab. Zugleich will der Trägerverein nicht wissen, dass die vom Kafe Marat selbst unterstützte sowie beworbene „war starts here“ Kampagne, die vom Verfassungsschutz als linksextremistisch, gewaltbereit und tatsächlich auch gewalttätig eingestuft wird, die Fortsetzung der Attentatsserie gegen das Logistikunternehmen DHL ist? Sollte man sich so schlecht über die eigene „Info-Veranstaltung“ informiert haben?

Infoveranstaltung ohne Information?

Oder war die Veranstaltung einmalig und daher vielleicht ein „Ausrutscher“? Aber auch hier: Fehlanzeige. Denn nach dem 18. Januar wird auch am 11. Juli diesen Jahres wieder über die „war starts here“ Kampagne im städtisch finanzierten Kafe Marat informiert. Auf der Internetseite heißt es über die Veranstaltung:

Die hier vorgestellte Kampagne ist Teil von europaweiten antimilitaristischen Aktivitäten, die das Krieg(s)Treiben in all seinen Facetten vor Ort sicht- und angreifbar machen. Die Kampagne ist offen für alle, die ihre Aktivitäten in diesen Kontext stellen wollen. Kriege lassen sich markieren, blockieren und sabotieren!

Es wurde demnach im Sommer diesen Jahres ein zweites Mal über Sabotageakte im Kafe Marat informiert und augenscheinlich auch dafür geworben, sich der Gewalt-Kampagne anzuschließen. Gleichwohl will der Trägerverein davon nichts bemerkt haben.

Aber nicht nur auf der Internetseite des Kafe Marat lässt sich dies nachlesen. Auch die Kampagne selbst weist darauf hin, dass im Rahmen der deutschlandweiten „Info-Tour“ am 11. Juli 2011 der Revolutionär von Welt steuerlich gesponsert über eine gewalttätige Kampagne informiert wird. Gleichwohl will auch die Stadt München hiervon nichts bemerkt haben. Die Beamten also, die dem Verein im September 2011 noch einmal klar gemacht haben wollen, dass „verfassungsfeindliche Aktivitäten nicht akzeptiert werden können“. Ignoranten aller Länder vereinigt euch, möchte man den Verantwortlichen zurufen. Oder sollte man im Münchner Rathaus das Bewerben einer Anschlagsserie – euphemistisch als Kampagne bezeichnet – zur Durchsetzung politischer Forderungen als irgendwie mit dem Grundgesetz vereinbar halten?

Der Vorstand des Vereins weiß um die Umtriebe – denn es sind die eigenen

Doch wir wollen nicht zu vorschnell mit der Verurteilung sein. Könnte doch der Vorstand des Vereins aus Naivlingen bestehen, die von Linksextremisten an der Nase herumgeführt werden. Jedoch: dem ist nach Recherchen von metropolico mitnichten so. Dazu muss man ein klein wenig aus dem Innenleben des linksradikalen Vereins wissen – was im Falle der Stadt München zweifellos gegeben ist.

Veranstalter der beiden Termine zur DHL-Fortsetzungskampagne „war starts here“ ist eine der Nutzergruppen innerhalb des Kafe Marat. Diese nennt sich „Mittwochskafe“. An der Mitgliederversammlung des Vereins „Zeit, Schlacht & Raum“ nimmt auch ein Vertreter des Mittwochskafes teil. Das Stimmrecht innerhalb des Vereins haben jeweils die Nutzergruppen, denen je eine Stimme zusteht. Vertreten wurde die Nutzergruppe „Mittwochskafe“ etwa in der Jahreshauptversammlung 2011 laut den metropolico vorliegenden Unterlagen von Elias Vögele. Dieser nahm damit auch das Stimmrecht des „Mittwochskafes“ wahr.

SDAJ wirbt für Informationsveranstaltung zu "war starts here" Veranstaltung im Kafe Marat (Screenshot)
SDAJ wirbt für Informationsveranstaltung zu „war starts here“ Veranstaltung im Kafe Marat (Screenshot)

Doch Vögele nimmt innerhalb des Kafe Marat beziehungsweise dessen Trägerverein „Zeit, Schlacht & Raum“ noch eine andere Funktion war. Am 27. Juli 2011 wählten die stimmberechtigten Mitglieder des Vereins den Sprecher des Mittwochskafes in den Vorstand des Trägervereins.

Nur wenige Wochen zuvor hatte die Kampagne, von der sich Vögele als einer der Vorstandsvorsitzenden nun angeblich distanziert, zugeschlagen. Über eines der Attentate, die der Bundesverfassungsschutzbericht in Zusammenhang mit der Kampagne stellt, heißt es:

Am 11. Juni 2011 wurden durch einen Brandanschlag unbekannter Täter in Spremberg (Brandenburg) sieben Fahrzeuge der Deutschen Post AG/DHL vollständig zerstört. Durch das Feuer wurden zwei weitere Fahrzeuge sowie umstehende Gebäudeteile beschädigt.

Die Veranstaltungen, die keine gewesen sein sollen

Vögele ist somit Sprecher der Gruppe, die über die Kampagne DHL-Fortsetzungskampagne „war starts here“ zwei Mal im Kafe Marat informiert und für diese geworben hat. Zugleich ist Vögele Mitglied im Vorstand des Vereins, der gegenüber der Stadt München erklärt, die DHL-Kampagne nicht zu kennen. Doch die Stadt München und ihr Oberbürgermeister lassen sich auch nach der metropolico Berichterstattung von dem Verein mit der treuherzigen Erklärung abspeisen, man könne versichern, dass „keine gewaltverherrlichenden Inhalte oder Aussagen getätigt oder gutgeheißen werden“.

Der Verein geht sogar noch weiter. In seinem Schreiben vom 8. Oktober 2012 an die Stadt München behauptet der Vorstand mit fast schon bewundernswerter Chuzpe, es habe zu „dem Thema keinerlei Veranstaltungen“ in den Räumen des Vereins gegeben. Ein üble Täuschung, die von den städtischen Mitarbeitern widerlegt werden könnte. Doch zu einer wirklichen Überprüfung und effektiven Kontrolle der durch den Verfassungsschutz beobachteten Organisationen in den städtischen Räumen scheint die bayerische Landeshauptstadt als nur allzu großzügige Zuschussgeberin nicht gewillt.

Betrug durch das Kafe Marat?

Wie das Schreiben der Stadt München an den Verein ZRS allerdings zeigt, sollte die Frage geklärt werden, ob das Jugendamt nicht die Bezuschussung des Autonomentreffs streicht. Dies wollte der Vorstand durch seine Darstellung ganz offensichtlich verhindern. Doch wer Geld erhält oder behalten darf, weil er denjenigen belügt, der aus seinem Vermögen leistet, hat sich des Betruges schuldig gemacht.

Dabei muss der Grad des Vorsatzes nicht besonders hoch sein. Es genügt, wenn die Täter die Möglichkeit einer unrechtmäßigen Auszahlung hinnimmt. Der sogenannte dolus eventualis ist im Falle Vögeles und seiner Vorstandskollegen erfüllt, wenn sie das „Risiko“ in Kauf genommen haben, dass der Verein aufgrund einer unrichtigen Angabe Zuschüsse erhalten könnte.

Bevor die Staatsanwaltschaft dies prüft, müsste freilich zunächst jemand eine Strafanzeige gegen Vorstand des Vereins erstatten. Dieser „jemand“ könnte natürlich auch die Stadt München selbst sein. Sollte es tatsächlich zu einem Strafverfahren kommen, könnte den Vorsitzenden des Vereins allerdings strafmildernd angerechnet werden, dass man es diesem über die Jahre nur allzu leicht gemacht hat.

Fürsorge statt Sorgsamkeit

Viel lieber kümmert sich das Sozialreferat darum, es der Antifa im städtischen Gebäude so angenehm wie möglich zu machen. Voller Fürsorge sind die Beamten der Sozialverwaltung etwa um einen Herd für das Kafe Marat bemüht, damit die sogenannte Volxküche  wieder die Armen und Verfolgten zu revolutionär günstigen Preisen verpflegen kann. Aber nicht nur die Jugendamtsmitarbeiter waren um die darbenden Linksextremisten besorgt. Auch das Kulturreferat sponserte – freilich neben dem jährlichen Budget für das Kafe Marat – die ein oder andere Veranstaltung im Kafe Marat. Doch prüfen, was genau in dem „Szenelokal“ vor sich geht? Fehlanzeige.

"war starts here" Plakate über der Eingangstür des Kafe Marat; Aufnahme vom September 2012 (Bild: metropolico News
„war starts here“ Plakate über der Eingangstür des Kafe Marat; Aufnahme vom September 2012 (Bild: metropolico News)

Oder sollten Ude und seine Verwaltungsbeamten ganz bewusst über den, von der Stadt finanzierten, gewaltbereiten Linksextremismus in der kommunalen Liegenschaft hinwegsehen? Anlass, ein Auge auf ihre linksradikalen Zöglinge zu werfen, hätten Udes Mitarbeiter zuhauf.

Schließlich ist Vögele nicht der Einzige im Vorstand von „Zeit, Schlacht & Raum“, der Bezüge zur Kampagne „war starts here“ und zu Linksextremismus allgemein hat. Auch das Vorstandsmitglied Andreas Morgenstern kann seine Verwurzelung in der linksextremen Szene nicht verleugnen. Morgenstern wohnt in der Ligsalzstraße 8. Adressen zu veröffentlichen gehört üblicherweise nicht zu den Aufgaben von Medien. Doch ist diese Wohnadresse zugleich ein politisches Bekenntnis. Denn Ligsalzstraße 8 ist ein „alternatives Wohnprojekt“.

Im Kommunismus herrscht eitler Sonnenschein

Was daran „alternativ“ ist, zeigt sich, wenn man die Veranstaltungsreihe auf der Internetseite betrachtet. Regelmäßig tritt in dem „Wohnprojekt“ (Süddeutsche Zeitung) die SDAJ als Veranstalterin auf. Dabei informiert die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend etwa unter dem Titel, „Sommer, Sonne, Sozialismus“ über den immerwährenden Fortschritt des kubanischen Kommunismus.

Im bayerischen Verfassungsschutzbericht heißt es zur SDAJ in Bezug auf Kuba:

Zudem beschloss der Bundeskongress ein Kuba-Solidaritätsprojekt. Kooperationspartner soll die Kommunistische Jugend in Kuba (UJC) sein. Man wolle mit dieser Aktion „gegen die antikommunistische Propaganda in Deutschland die Errungenschaften des Sozialismus aufzeigen“, erklärte der wiedergewählte SDAJ-Bundesvorsitzende Björn Schmidt.

Morgenstern und seine Wohngenossen lassen also das Unterdrückungsregime in Kuba hochleben. Doch gleichzeitig soll man dem Vorstandsmitglied Morgenstern abnehmen, dass er im Rahmen des Kafe Marat keine „verfassungsfeindlichen Aktivitäten“ entfaltet.

An der mit Kampagne „Bundeswehr wegtreten“ beteiligt sich die im Wohnhaus des Morgenstern ein und ausgehende SDAJ laut bayerischem Verfassungsschutzbericht in Bayern ebenfalls. Diese ist ebenfalls eine Fortsetzungskampagne der Attentatsserie auf DHL und Deutsche Post und ist mit der Kampagne „war starts here“ bestens vernetzt.

Sollte Morgenstern etwa in der eigenen „alternativen“ Wohngemeinschaft ein Verfassungsfeind, im Kafe Marat aber ein Freund des Grundgesetzes sein? Oder legt die Stadt München den Begriff gewaltfrei und verfassungskonform nur „sehr weit aus“? Doch nicht nur in der Ligsalzstraße 8 tritt die SDAJ auf, sondern auch im Kafe Marat selbst. So etwa im März 2011 als dort eine „Antirepressionswoche“ veranstaltet wurde.

Linke Traditionspflege

Allerdings setzen die beiden Vorstandsmitglieder Morgenstern und Vögele nur eine Tradition fort. Schon die 2007 aus dem Amt der Vorsitzenden des Vereins „Zeit, Schlacht & Raum“ ausgeschiedene Irmi Deschler hatte keine Berührungsängste, wenn es um Gewalttäter der „militanten gruppe“ (mg) ging. So unterzeichnete die 1956 geborene und 2011 aus dem Vorstand des Trägervereins des Kafe Marat ausgeschiedene Deschler einen Solidaritätsaufruf für diese Gruppe. Deren Angehörige wurden schließlich wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und versuchter Brandstiftung zu Freiheitsstrafen zwischen drei und dreieinhalb Jahren verurteilt. Auch als der Bundesgerichtshof die Urteile gegen die Mitglieder der kriminellen Vereinigung bestätigte, wollte Deschler nicht von ihrer Unterstützung politischer Gewalttäter lassen. Die Anschlagsserie und die -ziele entsprachen ziemlich genau dem Profil der DHL-, der Bundeswehr wegtreten und der „war starts here“ Kampagne.

Die von metropolico zu den Beweggründen ihrer Solidarität mehrfach per E-Mail an die 56-Jährige gerichteten Fragen blieben unbeantwortet.

"war starts here" Plakate im September 2012 am Wohnsitz des Kafe Marat Vorsitzenden Andreas Morgenstern: Das "Wohnprojekt" Ligsalzstraße 8 (Bild: metropolico)
„war starts here“ Plakate im September 2012 am Wohnsitz des Kafe Marat Vorsitzenden Andreas Morgenstern: Das „Wohnprojekt“ Ligsalzstraße 8 (Bild: metropolico)

Ob Deschler wegen Erreichen des Alters, in dem andere die Frühverrentung anstreben, nicht mehr einem Verein vorstehen wollte, den das Jugendamt der Stadt München etwa 2009 mit über 50.000 Euro bezuschusste, war nicht in Erfahrung zu bringen. Doch könnte sich die Revolutionsseniorin auch angesichts der Ämterhäufung und somit aufgrund ihres umfangreichen Pflichtenkatalogs im Rahmen der immerwährenden Revolution aus dem Vorstand des Kafe Marat zurückgezogen haben. Dort hatte sie, wie dann ihr Nachfolger Vögele auch, dem „Mittwochskafe“ als Sprecherin gedient. Zudem ist Deschler auch noch Vorsitzende des Bayerischen Flüchtlingsrates. Aber auch im Netzwerk Selbsthilfe e.V. wirkt Deschler mit – augenscheinlich im Beirat. Im Vorstand des Vernetzungs-Vereins ist laut einem metropolico vorliegenden Protokolls des Netzwerkes unter anderem York Runte tätig, der gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden des Kafe Marat Andreas Morgenstern in dem „Wohnprojekt“ Ligsalzstraße 8 Quartiert nimmt. Runtes und Deschlers gemeinsamer Verein bezuschusste einen Flyer, der für das Schottern im Rahmen eines Castor-Transportes warb. Aber auch die Busfahrt der Antifa zum fröhlichen und revolutionären Beschädigen eines Gleisbettes finanzierte das Netzwerk gerne (metropolico berichtete).

„war starts here“ – Fahrraddemo – (Bild: Screenshot Infoladen München im Kafe Marat; siehe Link)

Auch eine „war starts here“-Demonstration wurde durch das Netzwerk York Runtes und der im Kafe Marat liebevoll Irmi genannten Linksextremistin unterstützt. Immerhin 400 Euro brachte die Organisation der beiden für die Radltour zur Werbung für die Anschlags-Kampagne auf. Eine Demonstration der angeblich dem Verein des Kafe Marat und seinen Nutzergruppen vollkommen unbekannten Kampagne. Merkwürdig allerdings: Das Infokafe, das ebenfalls eine eigene Nutzergruppe darstellt, hatte sich im Kafe Marat bereit erklärt, die Veranstaltung zu bewerben (siehe Bild). Bei dieser Demonstration radelte man auch am Sitz der Firma Siemens vorbei. Einer Firma also, die nur einen Monat später wieder einmal Ziel eines Brandanschlages wurde. Das Bekennerschreiben bezog sich laut der linksradikalen Internetseite indymedia nach dem Abfackeln eines Transporters der Firma ausdrücklich auf die Kampagne „war starts here“.

Sieht nach dem Verständnis der Stadt München so eine Ablehnung von Gewalttaten aus? Der Verein schien bislang jedenfalls zu wissen, was er an der Stadt München und dessen Jugendamt hat. Denn man nimmt in der Thalkirchner Straße 102 offensichtlich nicht an, dass jemals wahr werden könnte, was Udes Beamte den Linksradikalen mehrfach androhten und doch nie in die Tat umsetzten: Der Entzug öffentlicher Gelder.