Im Gegensatz zur deutschen Energiewende tatsächlich ein großer Schritt für die Menschheit: Die Mondlandung (Bild: Apollo XI, Rechte: gemeinfrei)

In einem Interview mit der Welt hat Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die deutsche Energiewende allen Ernstes als „unsere Mondlandung“ bezeichnet. Das ist ein deutliches Exempel für den Größenwahn und den Realitätsverlust einer ganzen Politikergeneration. Deren Wirken wird die Probleme der Menschheit kaum lösen. Im Gegenteil: Es drohen gleich mehrere Bruchlandungen, nicht nur, aber auch energiepolitisch.

Jahrzehnte nach der 68er-Kulturrevolution erlebt Deutschland endgültig den Siegeszug der Ideologien über die Wissenschaft. Man könnte es auch eine Rennaissance der Religion nennen. Wohlgemerkt: Religion in ihrem ursprünglichsten Sinne, im Sinne von „Glauben ist Nicht-Wissen“.

Man weiß nicht, sondern man glaubt

Das „Nicht-Wissen“ der Gegenwart zeigt sich mannigfaltig: In der Gesellschafts- und Bildungspolitik, in Sachen Integration, in der Europapolitik, besonders deutlich freilich in der Währungsunion, und überdeutlich in der Energiepolitik. In all diesen Ressorts haben sich die Sichtweisen der 68er durchgesetzt, einst nur verkörpert durch die Grünen, heute Gegenstand „parteiübergreifender Einigkeit“. Und nicht zufällig, sondern folgerichtig, ist das Ergebnis der Politik in all diesen Feldern desaströs.

Man weiß nicht, sondern man glaubt, wie eine Gesellschaft aussehen soll. Also vergeht man sich am Wohl dieser Nation, betreibt im Namen von „Multikulti“ und „Vielfalt“ ein gesellschaftspolitisches Experiment, das es in dieser Form nie zuvor gegeben hat, dessen Ergebnis kaum überlebensfähig sein dürfte, sondern vielmehr großes Potenzial für zukünftige Konflikte birgt. Man weiß nicht, sondern man glaubt, wie Bildung „besser“ funktioniert als dort, wo nachweislich die beste Bildungspolitik gemacht wird (zum Beispiel in Bayern); und vergeht sich – getrieben von einem narrischem Gerechtigkeitsbegriff – in zahllosen Bildungsexperimenten am Wohl zukünftiger Generationen. Man weiß nicht, sondern man glaubt, dass der Euro notwendig ist, um den Frieden in Europa zu sichern. Man weiß schon gar nicht, sondern man glaubt noch viel mehr, wie eine Währungsunion funktionieren kann. Man weiß nicht, sondern man glaubt, was der richtige Weg für Europa ist und vergeht sich somit am Wohl eines ganzen Kontinenten. So wie die deutsche Gesellschaft, so wie die Bildungssysteme ganzer Bundesländer, so wird längst auch ganz Europa als Labor für die Experimente dieser Politikergeneration missbraucht. Als Labor einer Generation, die offenbar nichts weiß, sondern nur glaubt, und die diesen Glauben an das vermeintlich Gute krampfhaft der ganzen Welt aufzwängen will.

Das historische Versagen der aktuellen Energiepolitik

Die Energiepolitik ist das Steckenpferd der Grünen. Dementsprechend kann sie mit Fug und Recht als jenes Ressort bezeichnet werden, in dem Ideologie und Nicht-Wissen wider Vernunft und Wissenschaft noch stärker ausgeprägt sind als irgendwo sonst, zumindest in der öffentlichen Debatte. Und dementsprechend idiotisch (man muss es so deutlich sagen!) ist das, was in Deutschland energiepolitisch betrieben wird. Die so genannte Energiewende steht für ein Sammelsurium an Maßnahmen, die sich vornehmlich duch hohe Ineffizienz bei gleichsam hohen Kosten auszeichnen: Von Windrädern und Offshore-Parks über den Milliarden-teuren Solarwahnsinn auf deutschen Dächern bis hin zu Umweltzonen in Städten oder die Einführung gleich mehrfach-schädlicher Benzinsorten – all das bringt herzlich wenig, kostet viel und bereitet gar noch jede Menge Probleme; und führt nur deswegen nicht zum flächendeckenden Ausfall der Stromversorgung, da parallel zum Atomausstieg zahlreiche neue Kohle- und Gaskraftwerke ans Netz gingen, gehen und gehen werden, deren Daseinsberechtigung zuvorderst darin besteht, das historische Versagen der aktuellen Energiepolitik zu kaschieren (und Energiekonzerne für ihr „Mitspielen“ mit Gelddruckmaschinen zu belohnen).

Was soll man also davon halten, wenn sich Bundesumweltminister Peter Altmaier nun gar noch erblödet, die Energiewende in einem Interview mit der Welt als „unsere Mondlandung“ zu bezeichnen? Der Vergleich würde wohl nur dann zutreffen, wenn man Verschwörungstheoretikern Glauben schenkt, dass die Mondlandung inszeniert gewesen ist (dann allerdings könnte der Vergleich zur deutschen Energiewende passender kaum sein!). Sollte sich die Mondlandung jedoch wirklich – wovon auszugehen ist – auf der Oberfläche des zirka 380.000 Kilometer entfernten Erdtrabanten abgespielt haben, und nicht in einem Hollywood-Studio, dann darf sie mit Fug und Recht als eine der bis dato größten technologischen Leistungen der Menschheit bezeichnet werden. Eine Leistung übrigens, die seinerzeit nur mit deutschem Know-How möglich gewesen ist.

Das peinliche Desaster der „Dichter und Denker“

Tatsächlich könnte die „Energiewende“ eine ähnlich große, für die Menschheit richtungsweisende Leistung sein. Dann nämlich, wenn sie es schaffen würde, eine Antwort auf die große Frage nach der Energieversorgung der Zukunft zu liefern. Doch genau davon ist man im Deutschland dieser Tage wohl noch weiter entfernt als zu Zeiten Wernher von Brauns. Denn diese Frage wird sicher nicht mit altertümlichen Windrädern beantwortet, wohl auch nicht mit Solarzellen, die vom physikalischen Prinzip her nichts weiter sind als „umgekehrte“ LCD-Fernseher (und daher relativ einfach herzustellen, am günstigsten freilich in Fernost). Diese Technologien mögen imstande sein, einen wichtigen Beitrag zum Energiemix der nächsten Jahre und Jahrzehnte zu liefern. Keinesfalls jedoch werden sie die Probleme der Zukunft lösen und langfristig den wachsenden Energiehunger einer wachsenden Menschheit stillen. Viel eher wird sich eine Antwort auf diese elementare Zukunftsfrage wohl genau dort finden, wo Deutschland spätestens per Atomausstieg kaum noch sucht, geschweige denn forscht: Im innersten der Materie, auf Ebene der Kern- und Elementarteilchenphysik, wie auch immer zukünftige Technologien die dort verborgenen Energien nutzbar machen mögen.

Hätte Deutschland nur einen Teil der Mittel, die für die Förderung ineffizienter Solarzellen (mittlerweile hauptsächlich „made in China“) verschwendet wurden, in physikalische Grundlagenforschung investiert, wäre die Menschheit auf der Suche nach einer Antwort auf die vielleicht drängenste Frage der Zukunft wohl deutlich weiter. Doch Fakt ist: Gerade das Land der „Dichter und Denker“ setzt auf bisweilen altertümliche Technologien, beteiligt sich kaum mehr nennenswert an naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung, versinkt zunehmend in einem fortschritts- und technologiefeindlichen Klima, produziert statt Ingenieuren und Physikern lieber Transferempfänger und Sozialwissenschaftler  – und überlässt letzteren gar noch die Wortführerschaft in der Debatte über Energieformen der Zukunft. Angesichts dessen kann das peinliche Desaster, dass sich hinter der deutschen Energiewende verbirgt, niemanden ernsthaft verwundern.

Bruchlandung statt Mondlandung

Eines steht derweil fest: Eine Mondlandung, weder eine tatsächliche, noch eine im übertragenen Sinne, wird die derzeit regierende Politikergeneration aus Alt-68ern, deren Erben und deren (bürgerlichen) Nachahmern kaum zustande bringen. Im Gegenteil: Es drohen gleich mehrere Bruchlandungen, nicht nur, aber auch energiepolitisch. Altmaiers Mondlandung ist vor allem eins: Ein deutliches Exempel für den Größenwahn und den Realitätsverlust einer ganzen Politikergeneration.