Bestattungsreform in Baden-Württemberg (Bild: Vahid Nikgoo; Quelle: Wikipedia; Rechte: gemeinfrei)

Die Fraktionen von CDU, Grünen, SPD und FDP/DVP kündigten nach einer Anhörung des Landtags an, sich nach dem Antrag der SPD-Fraktion „Bestattungsformen anderer Kulturen und Religionen“ auf eine gemeinsame Initiative verständigen zu wollen.

Im Klartext bedeutet dies die Aufhebung der Sargpflicht. Hierbei haben die Abgeordneten die „neuen Lebenswirklichkeiten“ vor allem von Menschen, die nicht einer christlichen Kirche angehören, im Auge. Dieser Personenkreis soll nun grundsätzlich das Recht erhalten, nach den Bräuchen ihrer Religion beigesetzt zu werden, berichtet die Südwest-Presse. Die gesetzliche Regelung von Bestattungen ist Angelegenheit der einzelnen Bundesländer. Diese entscheiden, ob sie eine Bestattung im Sarg zur Pflicht machen oder nicht. Bisher war die Sargpflicht in Deutschland üblich. Insbesondere aus hygienischen Gründen wurde bislang die Erdbestattung mit Sargpflicht auf besondere Flächen vergeschrieben.

Die baden-württembergische Landesministerin für Integration, Bilkay Öney (SPD), kündigte bereits im Mai diesen Jahres beim zweiten „Runden Tisch Islam“ an, sich neben der schrittweisen Ausweitung des Islamunterrichts und dem Einsatz von islamischen „Friedensrichtern“ auch für die Aufhebung der Sargpflicht stark zu machen. Die Chancen dafür seien in der grün-roten Koalition „eigentlich ziemlich gut“, so Öney.

Andere Kulturen und Religionen – sprich: Islam

Die treibenden Kräfte, die die Abschaffung der Sargpflicht seit Jahren vorantreiben, sind aber nicht pauschal „andere Religionen und Kulturen“. Zahlreiche Vertreter der Islamverbände machten sich bei der Anhörung mit Nachdruck für ein Ende der Sargpflicht stark. Nach islamischem Ritus werden Muslime nur in ein Leichentuch gehüllt ins Grab gelegt. Ebenso soll es kürzere Fristen für die Bestattung geben. Im Islam müssen Gestorbene sofort beerdigt werden, während das Landesrecht eine Wartezeit von 48 Stunden vorsieht. Nach islamischem und nach jüdischem Glauben ist die Einhaltung der „ewigen Ruhezeit“ ein Kernpunkt ihres Bestattungsritus. Dagegen müssen die Gräber auf deutschen Friedhöfen häufig nach 15 Jahren geräumt werden.

Befürworter der Sargpflicht nennen als Argumente die Tradition, die Menschenwürde sowie die Hygienebestimmungen. Spannend dürfte es werden, wenn die Bestattungsreform nicht nur maßgeblich muslimischen Befindlichkeiten gerecht wird. So würde ein hinduistischer Verstorbener vorzugsweise an einem Fluss, etwa der Donau, auf Holzstöße gelegt und in zwei Tagen, solang dauert meist die hinduistische Verbrennungszeremonie, verbrannt werden. Am dritten Tag wird dann die Asche des Verstorbenen in dem Fluss verstreut. Der liberale Ansatz „leben und leben lassen“ könnte so auch im Tode eine gewisse Bedeutung erlangen. (BS)