Ägyptischer Präsident Mursi (l.) (Bild: Jonathan Rashad; Quelle: Wikipedia: Rechte: siehe unten)

Der Muslimbruder und ägyptische Präsident Mohammed Mursi erklärt vor seinem Antrittsbesuch in Amerika, mehr Eigenständigkeit seines Landes anzustreben. Dabei warf der Extremist Mursi den USA auch vor, ganz offensichtlich einseitig Israel zu unterstützen. Darunter und dem Stützen von Diktatoren in der Region habe Amerika viel Kredit im Mittleren Osten verspielt.

Mursi wies Kritik an seiner langsamen Reaktion auf die Demonstranten zurück, die in Ägypten am 11. September und damit am Jahrestag der Anschläge in New York die amerikanische Botschaft stürmten, die „Stars and Stripes“ herunter rissen und die Flagge des Dschihad hissten. Er müsse weise mit der Situation umgehen, erklärte der ägyptische Präsident der New York Times. Er kritisierte seinerseits die USA für deren Umgang mit der arabischen Welt. Aus Sicht Mursis ist es nicht möglich, ägyptische Verhaltensweisen und Entscheidungsfindungen an amerikanischen Kulturstandards zu bemessen.

Lob für Obama

Der ägyptische Präsident, der zuvor auch schon den Iran besucht hatte, kündigte mittelbar einen Politikwechsel in Bezug auf Israel an und demnach von dem abweichen, was unter dem abgesetzten Präsidenten Husni Mubarak noch galt. „Ich werde mich an dem Willen und der Wahl des ägyptischen Volkes und an sonst nichts orientieren“, meinte Mursi. Es dürften nicht zuletzt solche Äußerungen sein, die den Iran jetzt dazu ermutigen, Israel mit einem Präventivschlag zu drohen.

Mursi lobt allerdings Präsident Barak Hussein Obama für dessen Umgang mit dem Mohammed-Video aber auch für dessen schnelles und entschiedenes Eingreifen zugunsten des „Arabischen Frühlings“. Die amerikanische Regierung hatte sich sogar Sendezeit bei pakistanischen Fernsehsendern eingekauft, um die Ablehnung des Videos durch Obama selbst und auch Außenministerin Hillary Clinton bekannt zu machen.

Derweil gerät allerdings Präsident Obama in Erklärungsnot. Behauptete seine Regierung zunächst, die Überfälle auf die Botschaften der USA hätten sich alle spontan aus den Demonstrationen im Zusammenhang mit dem mittlerweile berüchtigten Mohammed-Video entwickelt, räumt die Obama-Administration mittlerweile ein, dass es sich um lang geplante terroristische Attacken gehandelt habe.

Die Botschaft zu den Botschaftsüberfällen ist chaotisch

Doch bei ihrer Abstimmung ihrer Botschaften hatten der Regierungssprecher Jay Carney und der Präsident augenscheinlich einige Schwierigkeiten. Während Carney durch die Fakten dazu gezwungen war, von seiner ursprünglichen Darstellung des „spontanen“ Überfalls aufgrund des Mohammed-Videos abrückte und einen davon unabhängigen terroristischen Hintergrund einräumte, blieb Obama zur gleichen Zeit im Rahmen eines Fernsehinterviews noch bei der mittlerweile überholten Version der Spontanität. Eine Spontanität, bei der die Demonstranten auch Panzerfäuste hätten mitführen müssen.

Schon zuvor hatte Obama eine Panne verursacht, als er in einem Interview behauptete, Ägypten wäre kein Alliierter, aber auch kein Feind in der USA. Auf Nachfrage der Presse stellte das Außenministerium klar, dass Ägypten sehr wohl als Alliierter gesehen werde und damit auch der Auszahlung der Hilfe für Ägypten von 1,5 Milliarden Dollar nichts im Wege steht.

Obama, der von konservativer Seite auch deshalb in die Kritik geraten ist, da er den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nicht empfangen wollte und stattdessen lieber in der Unterhaltungsshow David Lettermans als Gast auftrat, verliert damit Punkte bei der außenpolitischen Kompetenz.

Die Doktrin vom Befrieden der Extremisten

Bislang galt Obamas Doktrin, dass sein weicher Kurs und seine Entschuldigungen und Versöhnungstouren für und von was auch immer, für eine Befriedung der Situation beitragen. Damit die Unruhen in der islamischen Welt nicht als Fehlschlag dieser Politik, sondern ausschließlich mit dem Video in Verbindung gebracht werden, wird auch gegen die Fakten lange etwas anderes behauptet. Die Demokraten wollen damit auch erreichen, dass die von ihnen als gescheitert bezeichnete Außenpolitik der Republikaner durch die Wähler weiter als falsch betrachtet wird. Es soll nach wie vor gelten, dass  der Nahosten umso leichter zu befrieden ist, je weiter man solchen Extremisten wie Mursi entgegen kommt.

Diesem Vorgehen dürfte es zuletzt geschuldet sein, dass Ägypten auch weiterhin von den USA als „Alliierter“ gesehen wird und eineinhalb Milliarden Dollar erhält. Denn diese Kulturpolitik und „Hegemonie“ findet keinerlei Widerspruch; weder in Ägypten selbst noch sonstwo im Nahen Osten. Auch nicht bei den Muslimbrüdern, deren Ziel bei der Gründung 1928 die Wiederrichtung des nur vier Jahre zuvor untergegangen Kalifats war. Als solches hat man auch nichts gegen Tributzahlungen. (CJ)

Artkelbild: Ägyptischer Präsident Mursi (l.): (Bild: Jonathan Rashad; Quelle: Wikipedia: Rechte: siehe Link)