Sitz von Charlie Hebdo (Bild: David Monniaux; Quelle: Wikipedia: Rechte: siehe unten)

Das Pariser Satire-Magazin Charlie Hebdo hat erneut Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Die französische Regierung befürchtet nun eine weitere Eskalation und lässt französische Botschaften und Schulen am Freitag geschlossen.

„Öl in´s Feuer gießen“, nannte der französische Außenminister Laurent Fabius die neuste Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen durch das französische Satire-Blatt Charlie Hebdo. Dies sei nicht „intelligent“ zum jetzigen Zeitpunkt und er mache sich große Sorgen, berichtet der Spiegel. Die französische Regierung reagierte mit ähnlichem Appeasement wie die deutsche, indem sie zur „Verantwortung“ aufrief und vor weiteren „Provokationen“ warnte. Es müsste, auch wenn in Frankreich die Meinungsfreiheit gelte, Toleranz und Respekt gegenüber religiösen Überzeugungen gewahrt bleiben.

„Lacht um Gottes Willen, verdammt noch mal“

Das Magazin Charlie Hebdo hatte die Veröffentlichung der Karikaturen bereits im Vorfeld verteidigt und auf die Pressefreiheit verwiesen. Sie seien nicht provozierender als gewöhnlich, sagte der verantwortliche Redakteur Stéphane Charbonnier. Die Karrikaturen würden nur diejenigen schockieren, die schockiert sein wollen.

Der Titel zeigt einen Muslim im Rollstuhl, geschoben von einem schwarz gekleideten Rabbiner. „Man darf sich nicht lustig machen“, steht in der Sprechblase. Überschrieben ist die Karikatur mit „Intouchables 2“, die Unberührbaren also, und gleichzeitig eine Anspielung auf den französischen Erfolgsfilm „Ziemlich beste Freunde“.

Der Chefredakteur Stéphane Charbonnier stellt sich mutig mit folgenden Worten gegen die „Islamisten“ und den „religiösen Terror“: „Malst du Mohammed als glorreich, stirbst du, malst du ihn lustig, stirbst du. Mit diesen Faschisten gibt es nichts zu verhandeln. Die Freiheit, uns ohne Rückhalt zu amüsieren, gibt uns bereits Recht, die systematische Gewalt der Islamisten ebenfalls.“ Der Leitartikel, geschrieben in Rap-Form endet mit: „Danke, ihr Bande von Idioten.“

Die Karikaturen sind skandalös und völlig verantwortungslos!

Wie nicht anders zu erwarten, sprachen sich muslimische Vertreter gegen die Veröffentlichung der Karikaturen aus. Im momentanen Kontext – die Gewaltexzesse sind hier gemeint – sei es skandalös, dass in diesen Tagen die Karikaturen auftauchten. Ein Sprecher bekundete, dass die Muslime zwar für Meinungsfreiheit seien, hier handle es sich aber wieder um Beleidigung und Anstiftung zum Hass.

Anders als deutsche Politiker stellt sich die konservative Opposition Frankreichs deutlich hinter die Satirezeitung. Man dürfe in diesem Feld nicht nachgeben, so der konservative Ex-Premier François Fillon.

Die französischen Muslime haben für die kommende Woche zum landesweiten Protest aufgerufen. Allerdings scheint in Frankreich die Bewertung, wer die tatsächlichen Provokateure sind, eine etwas andere ´zu sein. Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault jedenfalls will die Empörungsdemonstrationen der französischen Muslime untersagen.

Tapfer und unbeugsam, trotz massiver Bedrohung

Im Herbst 2011 hatte Charlie Hebdo schon einmal Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Es gab heftige Proteste von muslimischer Seite und die Redaktion wurde von Unbekannten mit Molotow-Cocktails in Brand gesetzt. Die französische Öffentlichkeit reagierte damals mit einer großen Welle der Solidarität. Presseverbände, der CFCM und Politiker verurteilten den Anschlag.

Der Ex-Premierminister François Fillon verurteilte auch damals in einer Mitteilung „den Angriff auf die Meinungsfreiheit“. Die Zeitung Libération zeigte sich solidarisch, nahm die Redaktion von Charlie Hebdo in ihren Redaktionsräumen auf und widmete Charlie Hebdo eine Spezialausgabe. Der belgische Internetprovider Host Bluevision wollte die Website wegen der Morddrohungen nicht mehr online stellen. Auch die Charlie Hebdo-Seite im sozialen Netzwerk Facebook ist nach zahlreichen Drohungen aus dem radikal-islamischen Umfeld aus dem Netz genommen worden, unter dem Vorwand, Charlie Hebdo sei keine wirkliche Person.

Die offizielle Webseite von Charlie Hebdo ist derzeit nicht erreichbar – im Moment aber eine „Notfall-Webseite„. Auch die Facebook-Seite ist erreichbar. Eine durch Spiegel-Online ins Spiel gebrachte Wartung der Seite dürfte kaum für den Tag in Betracht kommen, an dem das Magazin das Erscheinen der neuen und nach Einschätzung der Tageszeitung taz „herben“ Karikaturen ankündigte. Die Redaktionsräume stehen aktuell unter verstärktem Polizeischutz.

Die Befürchtungen vor Unruhen haben indes Frankreich schon erreicht

metropolico wurde der Link zu einem Video übersandt, das Demonstrationen von Muslimen am 15. September in Frankreich zeigen soll. Für die Echtheit des Videos spricht, dass französische Zeitungen ebenfalls über diese Demonstrationen berichtet haben (Guy SAUVAGE, Maxime Lepante). (BS)



Artikelbild: Sitz von Charlie Hebdo (Bild: David Monniaux; Quelle: Wikipedia: Rechte: siehe Link)