Haben keinen Platz bekommen: Ronald Reagan und Johannes Paul II.
(Bild: Public domain; Courtesy Ronald Reagan Library, Quelle: Wikipedia: Original: siehe unten)

Nach dem Tode von Johannes Paul II. forderten vor gut sieben Jahren auf dem Petersplatz in Rom Katholiken euphorisch „Santo subito!“ – sprecht ihn heilig, aber dalli! Nun – in römisch Katholistan ist man konservativ, behutsam, bedacht. Das mit der Heiligsprechung will wohlüberlegt sein. Was hat Johannes Paul II. denn erreicht? Er hat sicher in der Zeit des kalten Krieges den Wandel begleitet und auf seine Weise befeuert. Immerhin wurde er inzwischen selig gesprochen.

Damit ein Platz nach einem benannt wird, genügt es nicht, Papst gewesen zu sein (Reichspräsident ist auch eher schädlich, wie man lesen konnte). In Aachen gibt es immerhin eine kleine Straße, die seinen Namen trägt. Für einen Platz muss man päpstlicher als der Papst gewesen sein, etwa Mordopfer. Das wäre Johannes Paul II. zwar beinahe ebenfalls widerfahren, doch hatte er Glück im Unglück, er verzieh er seinem Attentäter später sogar.

Mordopfer war zum Beispiel Georg Wurster. Er hatte mit Siegfried Buback im Wagen gesessen, und wurde gemeinsam mit ihm getötet. Er blieb ohne Platz oder Straße. Auch die meisten Mauertoten finden sich nicht auf Stadtplänen wieder. In Berlin wurden erst 20 Jahre nach Fall der Mauer zwei Straßen entsprechend umbenannt. Die Angehörigen von Peter Fechter, der 1962 unter Schmerzensschreien mitten in Berlin als Opfer eines deutschen Staatsterrorismus verblotete, wartet noch heute auf eine entsprechende Ehrung in Berlin.

Einen eigenen Platz in Kassel erhält dafür bereits am 1. Oktober der vor sechs Jahren ermordete Halit Yozgat. Wer im Bekannten- und Freundeskreis Mordopfer hat, – in den vergangenen zehn Jahren gab es in Deutschland davon etwa 3.000 – kennt das Entsetzen der Angehörigen. Bei allem Respekt vor diesen Gefühlen ist die Frage angebracht, ob bei dem Ausmaß der Ehrung noch das Maß stimmt, genauer: ob die Verantwortlichen noch alle Tassen im Schrank haben.

Hat sich der Staat oder die Stadt Kassel am Tod von Herrn Yozgat etwa mehr schuldig gemacht, als die Stadt Ost-Berlin und der deutsche „Staat“ DDR am Tod von Peter Fechter? Hat er etwa größere Dinge erreicht als der verstorbene Papst? Waren die Beweggründe an seiner Ermordung etwa weit niederer, als die an den tausend weiteren Morden in derselben Zeit?

Das Denkmal gilt nicht dem bedauernswerten Mann, mutmaßlich Opfer einer mysteriösen Gruppe von Gewalttätern, die sich fünf Jahre nach der Tat erschossen und verbrannten und dann ein Bekennervideo an die LINKE verschickten, sondern den selbstgerechten Lokalpolitikern, nicht wahr, Herr Oberbürgermeister Bertram Hilgen?

(Bild: Public domain; Courtesy Ronald Reagan Library, Quelle: Wikipedia: Original: siehe Link)