Saskia Ludwig – eine der letzten Konservativen in der Union (Bild: saskia-ludwig.de)

In Brandenburg wurde die CDU Fraktionsvorsitzende Saskia Ludwig von ihrem eigenen Vorstand zum Rücktritt genötigt. Vorgeblicher Hintergrund war ein eigentlich recht harmloser Kommentar Ludwigs in der Jungen Freiheit, eine Laudatio auf Jörg Schönbohm zu dessen 75. Geburtstag.

So ließ zum Beispiel die frühere Justizministerin Beate Blechinger ohne weitere Erklärungen nach der Veröffentlichung des Artikels in der Jungen Freiheit auf ihrer Homepage wissen: „Als CDU-Politikerin und als Christin distanziere ich mich ausdrücklich von Inhalt und Form des von Frau Dr. Ludwig in der ,Jungen Freiheit‘ veröffentlichten Namensartikels“. Unklar bleibt, was für ein Problem Frau Blechinger als CDU-Politikerin und als Christin mit einem Artikel in einer wertkonservativen Wochenzeitung hat.

Besonders bizarr erscheinen auch die weiteren aufgeführten Gründe warum Ludwig geschasst wurde. So wurde kritisiert, dass Ludwig in dem Artikel die systematische und ehrabschneidende Kritik der Brandenburger  Medien an Schönbohm attackierte. Ludwig warf der Brandenburger SPD vor,eine gelenkte Kampagne zum Teil aus der Staatskanzlei gegen den damaligen Innenminister Schönbohm zu führen.

Dieser Fall dokumentiert somit ein weiteres Mal, wie die opportunistische und rückgratlose Union mit wahrhaft konservativen oder zumindest dezidiert nicht linken Parteimitgliedern umgeht. Parallelen zu Martin Hohmann oder Klaus-Peter Krause und vielen weiteren Konservativen aus der zweiten und dritten Reihe werden hier deutlich. Mit der Causa Ludwig ist ein weiterer Sargnargel in die ehemals konservative Volkspartei CDU geschlagen worden.

Machthungrige Unionspolitiker gegen konservativen Kurs der CDU

Einen besonders bitteren Beigeschmack bekommt die Geschichte, da Saskia Ludwig gerade erst wieder aus dem Mutterschaftsurlaub zurück kam und wenn man daran denkt, dass insbesondere ihr eigener Vize-Fraktionsvorsitzender und CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski massgeblich an ihrem Sturz beteiligt war. Dombrowski gilt als äußerst ehrgeizig und spekuliert eventuell auf einen Ministerposten, sollte sich die SPD erbarmen, die CDU bei der nächsten Brandenburger Wahl wieder als Juniorpartner an Bord zu holen, anstatt der SED-Nachfolger. Diese Spekulationen auf eine Teilhabe der Macht um jeden Preis schienen mit Ludwig nicht realisierbar zu sein. Denn auf dem letzten Parteitag im Oktober 2011 hatte die Landesvorsitzende  deutlich erklärt, das man „für ein paar Ministerposten“  nicht aufhören werde, „den Finger in die Wunde zu legen“.

Auch das komplette übrige Führungsgremium der Brandenburger CDU forderte Ludwig zu ihrem kurz darauf vollzogenen Rücktritt auf, nachdem sie zuvor der Empörungsmaschinerie der Linken und Medien nicht zu Kreuze kriechen wollte und ihren Beitrag in der Jungen Freiheit im Potsdamer Landtag verteidigte: „Der Versuch der SPD, auch noch in Anwesenheit des Ministerpräsidenten die Meinungsfreiheit einzuschränken, ist im wiedervereinten Deutschland ein einmaliger Vorgang.“ Ludwig stellte klar: „Ich bin ausschließlich meiner Fraktion, meiner Partei und meinen Wählern Rechenschaft schuldig, Ihnen nicht.“

CDU Landräte geben sich ultratolerant – nur bei konservativen Meinungen nicht

Flankiert wurde der Vertrauensentzug dann auch noch von vier CDU-Landräten, die Ludwig schriftlich mitteilten, dass sie nicht mehr ihr Vertrauen genießen würden. Mit Worten die auch von genuin Linken stammen könnten distanzierten sich die CDU-Landräte vom klaren antisozialistischen Kurs Ludwigs: „Resistent gegenüber einer toleranten und weltoffenen Ausrichtung unserer Partei reduzieren Sie als Landesvorsitzende die CDU öffentlich auf das Merkmal des Konservatismus. Wir sind keine ‘Freizeitkonservativen’, wir respektieren die Lebensmodelle aller Menschen in unserer Heimat“, heißt es unter anderem in dem Brief. Letztlich sprachen sich 14 von 19 Mitgliedern der Fraktion gegen Ludwig aus, die daraufhin die Konsequenzen zog und zurücktrat.

Man sollte einmal darüber nachdenken, wie wahre konservative Unionspolitiker wie Adenauer, Erhard oder Strauß über Aussagen wie der der CDU Landräte denken würden. Die aktuellen Unionseliten scheinen jede politische Denk-und Lebensweise zu tolerieren, nur wirklich konservativ sein, dass will man dann doch nicht, das klingt ja so gestrig und man will doch stattdessen verzweifelt seit einer Dekade als moderne Grossstadtpartei wahrgenommen werden.

Vergleichbare Erregungen von Links ? – Fehlanzeige

Auch den letzten Konservativen sollte spätestens jetzt klar werden, dass die Union nicht das sogenannte kleinere Übel auf dem Wahlzettel darstellt, sondern das Übel an sich. Denn genau so wenig wie man einem Schwein vorwirft, dass es ein Schwein ist, wirft man einem dezidiert Linken nicht vor, dass er sozialistisch eingestellt ist. Oder wer hat sich zum Beispiel vergleichbar über diverse  Artikel Sahra Wagenknechts in der kommunistischen „Jungen Welt“ ereifert ? Aber eine Partei die zumindest noch in Teilen formal den Anspruch erhebt über einen konservativen Flügel zu verfügen, dann aber jede konservative Regung mit Amtsentzug und Isolierung bestraft (siehe exemplarisch zuletzt den „Berliner Kreis“) ist etwas Schlimmeres als eine Ansammlung von Schweinen.