Präsident Dr. Jens Weidmann (Bild: bundesbank.de; Quelle: Bundesbank Presse; Rechte:Bundesbank; Original: Siehe unten)

Jens Weidmann hat Medienberichten zur Folge über einen Rücktritt vom Posten des Bundesbankchefs nachgedacht. Nach Intervenierung der Bundesregierung soll er nun im Amt verbleiben.

Wie die Bild Zeitung berichtete, habe Jens Weidmann des öfteren, wie seine Vorgänger Axel Weber und Jürgen Stark, erwogen von seinem Amt zurück zu treten. Er solle diesen Schritt auch im Kreis der Bundesbankführung erörtert haben. Die Bundesregierung hatte Weidmann nach BILD-Informationen intern gedrängt, auf seinem Posten zu bleiben. Laut Aussagen Weidmanns sei er derzeit überzeugt, auf diesem Weg mehr für Euro-Stabilität und EZB-Unabhängigkeit erreichen zu können.

Wirkt wie eine Droge

Jens Weidmann stellte sich in den letzten Wochen öffentlich gegen das EZB-Anleiheprogramm. Weidmann sieht das geplante Aufkaufprogramm für Staatsanleihen südeuropäischer Schuldenländer als falsch an und wolle in den kommenden Woche im EZB-Rat dagegen kämpfen.

Nachdem der EZB-Chef Mario Draghi ankündigte, im Rahmen seines Amtes alles zum Erhalt des Euro zu tun, hatte Weidmann diesen Kurs scharf kritisiert. Solche Hilfen wirkten wie „eine Droge“ und könne zur Abhängigkeit der Schuldenländer führen. Diese Vorgehensweise widerspreche fundamental der obersten Aufgabe der Zentralbank, die Preise stabil zu halten.

Draghi konterte Weidmanns Einwürfe nach der Beratung im EZB-Rat mit den Worten: „Es ist klar und bekannt, dass Herr Weidmann und die Bundesbank ihre Vorbehalte gegen ein Programm zum Kauf von Staatsanleihen haben“ und stellte Weidmann als Abweichler dar. Ein einmaliger Vorgang deshalb, weil bislang die Abstimmungsergebnisse des europäischen Notenbank-Gremiums geheim gehalten wurden. Draghi tat kund, dass alle Ratsmitglieder hinter dem Vorhaben stünden, nur „einer“ habe Vorbehalte.

IWF, der Alleskönner?

Wie Welt-Online berichtet, hat das Direktoriumsmitglied der deutschen Zentralbank, Jörg Asmussen wie schon im April gefordert, den IWF einzubinden. Dieser betonte, dass die EZB nur dann die Schuldenländern mit Anleihekäufen stützen sollte, wenn auch der IWF mit „im Boot“ sei. Der IWF fungiere laut Asmussen als „externer Polizist“ und verfüge über ein einmaliges Know-how. Der IWF gilt wegen seiner langjährigen Erfahrung beim Stützen klammer Länder als kompetent und zugleich als äußerst konsequent beim Aushandeln von Reformauflagen zur Sanierung der Staatsfinanzen.

Kritische Stimmen, um es freundlich auszudrücken, stellen dem IWF jedoch ein vernichtendes Zeugnis aus. CNN veröffentlichte Anfang Juni 2012 einen Brandbrief des langjährigen IWF-Ökonomen Peter Doyle. In diesem Brief spricht der Ökonom dem IWF die Kompetenz ab, als Kontrollinstanz in der Krise aufzutreten. Der IWF habe es versäumt, Gefahren aufzuzeigen und davor zu warnen. Dabei seien die Risiken von Experten des IWF durchaus erkannt worden, doch die Führung habe die Warnungen unterdrückt. Weil der Fonds nicht entschieden gehandelt habe, stehe nun der Euro am Abgrund, kritisiert der Ökonom weiter. (BS)

Artikelbild: Präsident Dr. Jens Weidmann (Bild: bundesbank.de; Quelle: Bundesbank Presse; Rechte:Bundesbank; Original: Siehe Link)