Armutsgefährdung von Menschen mit Migrationshintergrund (Bild: Lanet olasica federal; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe unten)

Das Statistische Bundesamt stellte im Juli eine ausführliche Studie zum Thema Armutsgefährdung von Menschen mit Migrationshintergrund vor.
Auf Basis des Mikrozensus 2010 wurden erstmals auf Personenebene Armutsquoten für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund nach sozioökonomischen Merkmalen veröffentlicht.

Altersarmut von Migrantinnen und Migranten – ein Thema, das in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Noch sind vergleichweise wenige Menschen mit Migrationshintergrund im Rentenalter. Aber wenn die stark besetzten mittleren Jahrgänge altern und die Migrantinnen und Migranten sich mit Beginn der Rente entscheiden, in Deutschland zu bleiben, dann lohnt schon heute ein Blick auf die Statistik.

Doppelt so hohes Armutsrisiko

Menschen mit Migrationshintergrund haben mit 26 Prozent ein mehr als doppelt so hohes Armutsrisiko wie die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (12 Prozent). Knapp 29 Prozent der Migrantinnen und Migranten ab 65 Jahren sind armutsgefährdet verglichen mit 11 Prozent bei den Menschen ohne Migrationshintergrund.

Auswertungen des Mikrozensus 2010 zeigen, dass viele Angehörige der ersten Gastarbeitergeneration als angelernte Arbeiterinnen und Arbeiter in der Industrie tätig waren. Jetzt beziehen sie niedrige Renten und sind häufiger auf Grundsicherung im Alter angewiesen (7 Prozent) als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (weniger als 1 Prozent).

Fazit der Studie

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund zum einen aufgrund ihrer sozio¬demografischen Struktur ein höheres Armutsrisiko besitzt. Bei ihr treten „armutsverstärkende“ Merkmale wie beispielsweise ein niedriger Bildungsabschluss, Bezug von Sozialleistungen und kinderreiche Familien häufiger auf.

Zum anderen belegen die multivariaten Analysen, dass selbst bei gleicher Art des Lebensunterhalts, Bildungsstands und Lebensformtyps Zuwanderer und ihre Nachkommen trotzdem immer noch stärker armutsgefährdet sind als Menschen ohne Migrationshintergrund. Der Faktor „Migrationshintergrund“ hat also einen signifikanten Einfluss auf die Armutsgefährdung, der jedoch nicht vollständig erklärt werden kann. Eventuell spielen weitere Einflussgrößen eine Rolle, die im Mikrozensus nicht erfragt werden – beispielsweise die Sprachkenntnisse.

Die Auswertungen machen deutlich, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in sich sehr heterogen ist, auch bezüglich der Armutsgefährdung, die letztendlich als Output von vielen sozioökonomischen Variablen interpretiert werden kann.

Klar wird, dass Ausländerinnen und Ausländer, insbesondere wenn sie zugewandert sind – zahlenmäßig ist dies mit 5,6 Millionen Personen die größte Gruppe – am häufigsten armutsgefährdet sind. Sie stehen in allen untersuchten Merkmalen am ungünstigsten da.

Spätaussiedler haben niedriges Armutsrisiko

Hingegen tragen (Spät-)Aussiedlerinnen und Aussiedler sowie ihre Nachkommen ein vergleichsweise niedriges Armutsrisiko.

Verhalten positiv ist zu beurteilen, dass die Armutsgefährdung der hier geborenen Deutschen mit Migrationshintergrund – jene Gruppe, die am stärksten wächst – relativ niedrig ist. Die Mehrheit dieser Gruppe ist allerdings noch nicht im erwerbsfähigen Alter und ihr Armutsrisiko ist eher von dem ihrer Eltern bestimmt. Künftige Ergebnisse müssen also zeigen, wie sich die Armutsgefährdung der zweiten und dritten Migrantengeneration entwickelt. Auch die Entwicklung der Altersarmut bei der ersten Zuwanderergeneration sollte aufmerksam beobachtet werden. (BS)

Artikelbild: Armutsgefährdung von Menschen mit Migrationshintergrund (Bild: Lanet olasica federal; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)