Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de; Quelle: pixelio.de; Rechte: lizenzfrei; Original: siehe Link

Wer auf einen Kurzbesuch kommt oder auch auf Dauer einzieht, den begrüßt man offen und freundlich: Herzlich willkommen – so heißt es auf liebevoll gezeichneten Festkarten ebenso wie auf Fußabtretern vom Baumarkt. Seit ein paar Monaten ist es soweit: diese gute Sitte wurde zur Kultur geadelt. Die Willkommenskultur hat das Zeug, zum Unwort zu reifen, zum „Alternativlos“ des Jahres 2012.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, mit der Willkommenskultur gegenüber Einwanderern und Eingewanderten ernst zu machen. „Wir müssen endlich von der Theorie zur Praxis kommen“, forderte kürzlich der Leiter der Behörde von sich selbst, und mit fast 2.000 Mitarbeitern und einem Etat von mehr als 400 Millionen Euro im Jahr 2012 ist da sicher einiges zu erwarten. So schritt man dann auch gleich zur Tat, gründete Expertengruppen fragte diese um Rat.

Erwartungsgemäß wussten die Expertengruppen nicht viel Neues zu raten. So wünscht man sich eine Vorintegration, also die Vorbereitung auf die Auswanderung noch im alten Heimatland. Wer auszuwandern plant und nicht Hals über Kopf flüchten muss, wird das gewöhnlich im eigenen Interesse so handhaben – es sei denn, das eigene Interesse besteht nur darin, Ansprüche zu stellen.

Als zweites werden Konzepte für „umfangreiche Welcome Packages“ (sic!) erstellt. Die Ausländerbehörden sollen sich auf den Weg machen, echte „Willkommensbehörden“ (sic!) zu werden und Migrationsberater sollen die Wissensdefizite bekämpfen – wohlgemerkt diejenigen der kleinen und mittelständischen Unternehmen und nicht die der einwandernden „Fachkräfte mit Familie“ (sic!).

Abschließend werden endlich die Forderungen formuliert, mit denen sich die Behörde an die aufnehmende Gesellschaft richtet, um so einen „selbstverständlichen und pragmatischen Umgang mit kultureller Vielfalt zu erreichen und eine Kultur der Anerkennung zu fördern.“

Wie kommt man nach einer derart geballten Ladung gequirlter Korrektheit zurück zum notwendigen Ernst? Am besten gar nicht? Das genügt leider nicht, denn was da oben steht, ist die Politik einer namentlich konservativ-liberalen Regierung. Was eine bekennend linke daraus machen würde, ist nicht auszudenken. Also brauchen wir einen Gegenentwurf. Und zwar einen, der nicht bei der typischen Gegenforderung nach Berücksichtigung der Interessen der „aufnehmenden Gesellschaft“ anstelle weiterer Einwanderung in der heutigen Form stehen bleibt.

Diese Forderung ist dermaßen wahr und so trivial, dass es unnötig ist, sie weiter zu erklären. Sie ist aber aus zwei Gründen unzureichend. Erstens verschreckt sie so den einfachen Tagesschau-Konservativen. „Willkommen“ ist im German-Gemütlichkeits-Gen zu tief verankert, als dass man die Willkommenskultur wirksam verteufeln könnte. Und zweitens kann man sich der Tatsache nicht verweigern, dass Einwanderer aus anderen Kulturen in Deutschland leben, mit denen ein gedeihlicher Umgang angebracht ist.

Also doch Willkommenskultur? Nein, was wir brauchen, ist eine Einladungskultur. Das BAMF fordert heute von den Deutschen zu lernen, wie sie fremde Kulturen willkommen zu heißen haben. Es sollte stattdessen die Eingewanderten dazu einzuladen, ihre fremde Kultur Stück für Stück zu überdenken und Programme aufsetzen, sie von den großen Vorzügen der Kultur der „aufnehmenden Gesellschaft“ zu überzeugen.

Beim überzeugten Djihadisten wird das kaum fruchten, aber einen Mitläufer zum Nicht-mehr-Mitläufer zu machen, wäre in jedem einzelnen Fall ein Erfolg. Und das könnte man auch auf der privaten Ebene so angehen, wenn auch besser nicht auf der B-Ebene der Frankfurter Konstablerwache.

Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de; Quelle: pixelio.de; Rechte: lizenzfrei; Original: siehe Link