Das falsche Unternehmerbild (Herr Kules, Rechte: metropolico)

Ein tendenziell krankhafter Workaholic, meist mit einer aufgedonnerten, aber wesentlich jüngeren Lebensabschnittsgefährtin im protzigen Sportwagen unterwegs, eilt dieser unstete und meist arrogante Zeitgenosse von einem undurchsichtigen Geschäft zum nächsten, häufig nahe an der Illegalität entlang. Ein trautes Zuhause kennt er nicht, ist doch eines seiner Merkmale eine gescheiterte Ehe mit emotional verkrüppelten Kindern. Der Geschäftsmann oder Unternehmer, wie wir ihn aus Film und Fernsehen kennen.

Wie kommt dieses extrem negative Bild zustande?

Historisch gesehen sind die Gründe mehrschichtig. Wer reich war, hatte Macht und gehörte zwangsweise zu den Herrschenden, keinesfalls zum gemeinen Volk, das trotz lebenslangem Rackern nicht zu Reichtum gelangen konnte. Eine Ausnahme zu allen Zeiten stellten die Kaufleute dar. Wer aber nicht per Geburt betucht war, aber trotzdem zu Reichtum kommt, so die durchgehende Meinung beim Adel wie beim Volk, konnte dies nur durch betrügerisches Handeln erreichen.

Sieht man von der geringen Zahl der Handelsfürsten wie Fugger oder Medici ab, so bleibt die immens hohe Zahl der Kleinhändler übrig, die über die Jahrhunderte hinweg nie wirklich über die Wertschätzung eines besseren Wucherers hinaus kamen. Wer selbst nichts herstellt, aber durch billiges Einkaufen und teures Verkaufen reich wird, der kann nicht besser als ein Dieb oder Betrüger sein. Neureich nannte man nach dem Zweiten Weltkrieg die aufstrebenden Unternehmer, die innerhalb einer Generation zu Reichtum kamen. Auch das war kein Zeichen hoher Wertschätzung.

Staatliche Bildung zeichnet ein Zerrbild

Befeuert wird dieses einseitige und unausgewogene, um nicht zu sagen verleumderische und unwahre Bild des Unternehmers und Geschäftsmanns (gerne auch das weibliche Pendant – dies muss aber auf einer liberalen Plattform nicht explizit durch fortwährende Vergewaltigung der deutschen Rechtschreibung aufgezeigt werden) – durch die staatlichen Schulen, Bildungseinrichtungen und Universitäten.

Die staatlichen Schulen und Hochschulen sind in ihrer bildungspolitischen Orientierung auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen ausgerichtet. Wie man eine selbstständige Existenz aufbaut, wie man ein Unternehmer werden kann, dazu findet man kaum Informationen, Bildungsmaterial, geeignete Unterrichtspläne oder explizite Studiengänge.

Unternehmertypen tauchen in Schulbüchern nicht auf

Unternehmertypen wie selbstständige Bäcker, Kinobesitzer oder Handwerker kommen in Schulbüchern nicht vor. Das positive Bild des Unternehmers existiert weitgehend nicht und wird deshalb auch nicht als erstrebenswert angesehen. Schüler und Studenten befassen sich nicht mit Unternehmerpersönlichkeiten aus ihrer nächsten Nähe, finden keine Antworten auf Fragen nach neuen Arbeitsformen und erhalten keine Anleitungen zur beruflichen Selbstständigkeit. Das Schulbuch gibt keine Auskunft darüber, wie man als findiger Ingenieur, als fleißiger Handwerker oder verantwortungsbewußter Unternehmer in Deutschland den Grundstein für seine eigene Existenz legen kann und somit das wirtschaftliche Wachstum und das industrielle Leistungsvermögen des Landes steigern kann.

Ein kleiner Lichtblick: Bayern. Nicht generell – aber als positives Beispiel sei hier das Schulbuch Saldo 9 für das bayerische Gymnasium, 9. Klasse, des Westmann Verlags erwähnt.  Auf immerhin 50 Seiten werden dem Schüler die theoretischen Belange einer Unternehmensgründung nahe gebracht. Löblicherweise werden zum Thema Unternehmerpersönlichkeit Charaktereigenschaften wie Verantwortungsbewußtsein, Optimismus, Fleiß, Zuverlässigkeit und Durchsetzungsvermögen genannt.

Die Autoren, und das muss bemängelt werden, erwähnen aber nur vereinzelt und am Rande die immanent wichtige und wohlstandstragende Funktion der Unternehmer. In viel stärkerem Maße müssten die Lernenden in die Lage versetzt werden zu verstehen, welche bedeutende, ja überlebenswichtige Funktion die freie Marktwirtschaft und die damit verbundenen Errungenschaften wie Freiheit und Wohlstand für jeden Einzelnen von uns haben.

Dass diese enorme Wertschöpfungsfunktion der Unternehmer weder in Unterrichtsmaterialien, noch in den vielgestaltigen Medien die gebührende Anerkennung erfährt, mag maßgeblich daran liegen, dass die Urheber, wie Schulbuchautoren oder Filmemacher, selbst nie die Erfahrung mit selbstständiger Arbeit gemacht haben.

Unternehmern zuhören und lernen

Wie Roland Baader, der große liberale Denker in seinem Buch „Totgedacht“ so treffende aufführt, kennt keiner dieser literarischen Illusionskünstler die Geschichten eines ganz normalen Unternehmers. Nicht die Angst vor Existenzverlust, keine durchgemachten Nächte mit stundenlangem Grübeln über ungelöste Probleme, nicht die Schicksalsgemeinschaft mit mitarbeitenden Familienangehörigen oder Ehepartnern, nicht die langen Wochen und Monate des bangen Brütens über finanzielle oder personelle Sorgen, nicht die Geschichte des einsamen oder gemeinsamen Durchstehens großer, finanzieller Gefahren, nicht die Geschichte des Mutes und der Disziplin bei der Bewältigung der täglichen Herausforderung, nicht die Geschichte der unaufhörlichen Härte gegen sich selbst und gegen die aufkommenden Träume vom Ausstieg aus der oft unerträglich gewordenen Verantwortung.

Ebenfalls kennen sie nicht die Geschichte des unsagbar befriedigenden und stolzerfüllten Gefühls, wenn aus eigener Kraft diese Probleme und Sorgen gemeistert wurden und ein zumindest wirtschaftlich größtenteils selbstbestimmtes Leben das Ergebnis ist.

All das zu schildern und zu beschreiben, so Baader, könnte nur ein Unternehmer selbst – und der hat keine Zeit dazu.

Diese Geschichten oder vielmehr Tatsachenberichte wären tausendmal spannender und lehrreicher als die erfundenen Geschichten, die liberales Wirtschaften von mutigen und selbstbestimmten Männer und Frauen nur im Dienste der politischen und wirtschaftlichen Interessen sehen.

Wir sollten schleunigst, zu unser aller Wohl, das Bild des Unternehmers in einem erstrebenswerten und vorallem realen Bild zeichnen.

Artikelbild: Herr Kules (metropolico, Rechte: siehe Link)

Quelle: Roland Baader, Totgedacht: Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören.