Die politische Wiege des Andreas Molau: Die NPD (Bild: Christian Horvat; Quelle: Wikipedia; Rechte: GNU FDL; Original: Siehe unten)

Das ist mal ein Paukenschlag: Andreas Molau verlässt die Pro-Bewegung. Der Ex-NPDler mit fraglos großem rhetorischem Talent galt in der rechten Szene als Vordenker und -schreiber. Auf dem Pro-Blog freiheitlich zählte er zu den regelmäßigen Autoren. So nebulös die Hintergründe seines Ausscheidens sind, so deutlich ist dieses Zeichen für die so genannte „islamkritische Szene“. Zumindest für jene, die noch halbwegs deutlich sehen können.

Hat PRO-NRW-Chef Markus Beisicht Molau rausgeschmissen, da der Ex-NPDler seiner Vita wegen eine zu große Angriffsfläche bot? Sind es nur private Gründe, die Molau zu seinem Schritt veranlasst haben? Oder hat Molau tatsächlich – wie er gegenüber dem NDR sagte – einen politischen Sinneswandel vollzogen und endlich erkannt, dass die extreme Rechte, der er jahrzehntelang angehörte, politisch auf dem Holzweg ist? Und wenn ja, was sagt das dann über die Pro-Bewegung aus, der er zuletzt angehörte, und die doch nach eigenem Bekunden gar nicht rechtsextrem ist?!

Beängstigende Anzeichen

Was auch immer die Hintergründe sein mögen, ein Umstand lässt aufhorchen: Dass sich Molau zwecks seines Ausstiegs an den Verfassungsschutz wandte. Ein Umstand, der am ehesten für die letzte Variante, den Sinneswandel, spricht. Doch Molaus Zeit in der NPD liegt weit zurück. Braucht es etwa auch Aussteigerprogramme für jene, die der Pro-Bewegung den Rücken kehren?

Die Pro-Bewegung ist nicht die NPD. Aber Molau war auch mitnichten der einzige in dieser Gruppierung, der die Vermutung nährte, dass hier rechtsextreme Gesinnungen am Werke sind. Was auch immer Molau nun dem Verfassungsschutz zu berichten hat, wird dort sicher auf großes Interesse stoßen. Dass er beispielsweise dem NDR gegenüber von einer „skurrilen Szene“ spricht, und zwar mit Bezug auf die NSU-Morde, die erst zu seiner Zeit in der Pro-Bewegung bekannt wurden, dass er seinen Ausstieg (aus der Pro-Bewegung!) mit der Rede eines NPD-Funktionärs begründet, sind beängstigende Anzeichen. Und zwar Anzeichen dafür, dass es zwischen Pro und der NPD eine größere geistige, möglicherweise auch personelle Nähe gibt, als es selbst (nicht-linke) Kritiker der Bewegung bislang vermutet hätten.

Das Gebot der Stunde

Der Fall zeigt, wie gut und richtig es war, sich aufgrund der zahlreichen Verdachtsmomente stets von dieser Bewegung zu distanzieren. In Zukunft könnte sich nicht nur der ein oder andere Verdacht bestätigen, es könnten gar ganz neue, bis dato unbekannte, gleichwohl unerfreuliche Informationen über die Pro-Bewegung ans Tageslicht kommen. Es mag dort zahlreiche anständige Mitglieder an der Basis geben, die wirklich nichts mit rechtsextremen Gesinnungen am Hut haben. Die Vorbehalte gegenüber der Führungsspitze aber sind nun größer denn je.

Tatsächlich ist es daher das Gebot der Stunde, der Pro-Bewegung noch misstrauischer gegenüber zu stehen, als ohnehin schon. Wenn nun in einem Kommentar auf Politically Incorrect, dem Leitmedium der „islamkritischen Szene“, die Rede davon ist, mit Molaus Ausstieg gäbe es einen „Stolperstein zur Bündelung islamkritischer Kräfte weniger“, dann zeugt das nur einmal mehr von der politischen Kurzsichtigkeit, gar Naivität, die dort manch einen befallen hat.

Nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs?

Zumindest sollte man nun abwarten, welche Folgen diese bemerkenswerte Geschichte hat. Denn allem Anschein nach nimmt sie jetzt erst ihren Anfang, und nicht ihr Ende. Wer daher heute von einem „Stolperstein weniger“ spricht, könnte schon morgen sein braunes Wunder erleben. Gut möglich, dass Molau nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs ist, auf den manch einer in der „islamkritischen Szene“ geradewegs zusteuert. Das gilt freilich zuvorderst für jene, die es in der Vergangenheit mit den offensichtlich rechtsextremen Tendenzen in der Pro-Bewegung der lieben Islamkritik wegen nicht allzu genau genommen haben.

Dabei steht eines doch gänzlich außer Frage: Die großen Probleme dieser Nation werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vom politischen Establishment, mit überwältigend großer Sicherheit aber auch nicht am rechten Rand – oder gar tief im braunen Sumpf – gelöst.

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Artikelbild: Die NPD (Bild: Christian Horvat; Quelle: Wikipedia; Rechte: GNU FDL; Original: Siehe Link)