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Schuldig oder Instrument der Schuldigen? Die amerikanische Zentralbank FED. (Bild: Dan Smith/ RdSmith4; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Michael Hörl veröffentlichte bei Welt-Online einen Artikel zu Sigmar Gabriel und dessen Sturmlauf gegen Banken. Darin zeigt er vier Irrtümer auf und verdeutlich damit, dass die Fehler im System des Euro und nicht bei den Banken liegen, die Gabriel als böse, gierig, verantwortungslos und damit als Erscheinung des Kapitalismus darstellen möchte.

Axel Krauss, Autor des Magazins eigentümlich frei (ef), wiederum nimmt das zum Anlass, Hörl und seinen Artikel anzugreifen. Ob Krauss jedoch seiner Sache und seiner Sichtweise dient, wenn er sich fragt, ob es sich bei dem „Welt“-Artikel um eine Auftragsarbeit und damit schlichtweg um eine gekaufte Meinung und damit um Korruption handelt, darf man bezweifeln.

Doch Krauss bietet für den Ansatz und Artikel Hörls neben Käuflichkeit und einer überbordenden Kreativität noch einen weiteren Erklärungsansatz: Hörl sei schlichtweg inkompetent, wenn er Sigmar Gabriels Angriff auf Banken als einen Versuch „linker Propaganda“ darstelle. Schließlich hätten so viele libertäre Geister ebenfalls kein gutes Haar an den Banken gelassen.

Ironie für Eingeweihte

Vor lauter Ironie, die Krauss´ Artikel durchzieht und die bisweilen zur bloßen und reichlich plumpen Häme abgleitet, übersieht Krauss augenscheinlich die Wirkung und den Ansatz von SPD-Chef Sigmar Gabriel und dessen Sturmlauf auf die Banken, die allgemein als die Hochburgen des Kapitalismus und Synonym für diesen gesehen werden. Was Gabriel und Hörl klar sehen und was dem eigentümlich-frei-Autor Krauss vollkommen entgeht, ist neben der verbreiteten Gleichsetzung von Banken und dem freien Markt die Tatsache, dass der Sieger der Debatte die Meinungsführerschaft hat.

Wenn Gabriel die Banken angreift, weist er diesen und dem kapitalistischen System die Schuld zu und erhält dafür von den Wählern und damit dem Souverän den Applaus und die Zustimmung, die er für seine linke Politik von weniger Markt, mehr Staat, mehr Behörde, mehr Staatsmonopolkapitalismus braucht. Hörl entlarvt die Herleitung Gabriels als Mythos.

Doch dem „wahren Libertären“ ist ein solches Gegenhalten ein Verstoß gegen die reine Lehre und zeugt in Krauss´ Augen von Inkompetenz. Wie die Linke das Bankensystem für ihre eigene Politik nutzt, um dann die erwartbar negativen Folgen dem „bösen kapitalistischen System“ anzuheften, ist ein politischer Faktor, den zu übersehen man nur als politischen Luxus, als realpoltische Blindheit bezeichnen kann.

Zustimmung von den Überzeugten

Doch von der Welt da draußen, von Menschen, die nicht jeden wirtschaftslibertären Denker von Ludwig von Mises bis zu Roland Baader gelesen und aufgesogen haben, macht sich Axel Krauss völlig unabhängig. Die Krauss´sche Ironie, im Journalismus angeblich immer gefährlich, zeigt die Schwäche dieses Artikels auf: Er ist für die ohnehin Überzeugten, für die Wissenden, für die „Aufgeklärten“, schlicht: für die Eingeweihten geschrieben. Denn um diesen zu entschlüsseln muss man die Denkhelden des Axel Krauss kennen. Für den Meinungskampf jedoch und damit als Gegenposition zu Sigmar Gabriel und dessen Agenda taugt die Selbstbespaßung erkennbar nicht.

Die von Krauss in seinem Artikel erwähnte Ursache des „Dollarwahabos“ ist tatsächlich auch und gerade und zuallererst die Politik, die die Banken für ihre Zwecke eingespannt hat. Der Community Reinvestment Act, unter Präsident Jimmy Carter begonnen und unter Bill Clinton so richtig ins Rollen gebracht, war eine politische Maßnahme. Wie auch im Rahmen der Inflationspolitik der 1920er Jahre wurden die Banken durch Drohung und Einschüchterung auf Linie gebracht. Jimmy Carter und Billd Clinton erreichten so die Darlehensvergabe an Einkommenslose. Ebenfalls auf Druck der Politik wurden in den 1990ern die Hypothekenversicherer Fannie Mae und Freddie Mac dazu veranlasst, diese „Kredite“ abzusegnen. Diese wurden dann zu Paketen verschnürt und in alle Welt verkauft und in Deutschland besonders gerne von jenen Banken aufgekauft, in denen die (Berufs-) Genossen des Sigmar Gabriel das Sagen hatten.

Das eigene Haus für jeden war und ist aus Sicht der amerikanischen Demokraten sozial gerecht. Daher war es aus ihrer Sicht richtig, die Banken zu zwingen, ihr „unfaires“ System aufzugeben, nur denjenigen einen Kredit zu geben, die ihn auch tatsächlich zurückzahlen konnten.

Gewonnene Schlachten um die vorherrschende Meinung bestimmen die Politik

Auch der Euro ist als politische Währung von Fehlern der Politik und deren blinder Ideologie durchzogen und deshalb so gestaltet worden, dass er nur scheitern konnte. Es gelingt Hörl in seinem „Welt“-Artikel vor diesem Hintergrund sehr gut die diesem Konstrukt innewohnenden Fehler aufzuzeigen.

Dass nun diese Politik einmal mehr Schuldige sucht, um die eigene Verantwortung zu vertuschen, ist der Ansatz des Michael Hörl. Dieser hat erkannt, dass die Attacken von Sigmar Gabriel und damit von linker Seite ein Ablenkungsmanöver sind, um so die Meinungsführerschaft und letztlich die Gestaltungshoheit zu erlangen.

Das verkennt Krauss völlig. Wie so viele Libertäre will er keine Meinungsschlacht gewinnen, sondern es scheint ihm ausreichend zu sein, der bessere „Austrian Economist“ zu sein. Also die reinere Lehre des Umso-besseren-je-ungestörteren-Marktes zu vertreten. Zwar hat der libertäre Krauss Recht, wenn er darlegt, dass nicht jeder Kritiker von Banken eine „Rote Gefahr“ ist. Aber dabei verkennt er, dass es um die Kritik an der sozialistischen Legendenbildung geht, ohne dass man dabei seine Ideen aufgeben müsste.

Welche Gefahren darin bestehen, solch eine Debatte zu verlieren, könnte Krauss in den USA studieren. Nachdem dort die Linke einmal mehr das System und insbesondere „Banken und Spekulanten“ zu den Schuldigen an der Krise ausgemacht hat, macht sie sich nun daran, eine neue Runde der alten Fehler einzuleiten. Wie der American Spectator berichtet, sollen die Banken erneut ihre von Linken als „unfair“ empfundenen Vergabe-Richtlinien für Kredite unter dem Druck der Politik fallen lassen. Die Politik richtet sozusagen einmal mehr einen McCarthy-Ausschuss für unamerikanische Kreditvergabe ein.

Mit der Drohung, die Banken einer Untersuchung zu unterziehen und empfindliche Strafen auszusprechen, sollen diese auch dieses Mal zur Kreditausschüttung an sogenannte Minderheiten (Schwarze und Hispanics) gezwungen werden. Es entscheidet also nicht das Leistungsvermögen, sondern die Hautfarbe. Eine Umkehrung des Rassismus, der mit einem freien Markt und damit mit einer freien Gesellschaft nicht das mindeste zu tun hat.

Die Linke startet in die nächste Runde während Libertäre und Konservative noch diskutieren

Nach guter maoistischer Manier, Strafe einen, erziehe Tausende, wurde die Wells Fargo Bank schon gezwungen, 175 Millionen Dollar Strafe zu entrichten, weil sie nicht genug Kredite an potentielle Häuslebauer aus Gruppen der Minderheiten auszahlte. Dabei genügte den Behörden freilich die statistische Auswertung, die eine seltene Kreditvergabe an solche Haushalte in den Vierteln auswies, in denen die genannten Minoritäten lebten. Wells Fargo gab den Druck bereits nach. Nun zahlt die Bank 50 Millionen Dollar an Angehörige von Minderheiten und 125 Millionen an die „Opfer“ bisheriger „Diskriminierung“. Sollte niemand aus den entsprechenden Wohnquartieren bei der Bank das Geld abrufen, muss es an „Nachbarschafts-Organisierer“, sogenannte Community Organizer gehen. Als ein solcher arbeitete, wohl nur ein dummer Zufall, der jetzige Präsident Obama bevor er in die Politik ging. Die Linke geht somit einmal mehr zur Sicherung eigenen Lebensunterhalts auf Raubzug.

Mit exakt demselben Vorgehen werden exakt dieselben Ursachen für einen neuen Crash am Häusermarkt gesetzt. Den Boden hierzu hat die amerikanische Linke durch die immer wiederkehrende Behauptung von der Schuld der Banken bereitet. Die amerikanischen Konservativen haben von Beginn an dagegen gehalten, wenngleich offensichtlich nicht aggressiv genug.

Insbesondere der legendäre Radiomoderator Rush Limbaugh, selbst glühender Anhänger der Austrian School of Economics, hat diese Legendenbildung der Linken nie durchgehen lassen. Im Gegenteil kämpft er seit Jahren gegen diese Behauptung an. Das tut er gegenüber den Millionen von Hörern, die er täglich hat, indem er diese vorgenannten Ursachen genau benennt.

Kritik am Bankensystem wird durch das Motiv bestimmt

Dabei kümmert er sich zunächst nicht darum, dass die Banken ihre eigene unrühmliche Rolle spielen in einem System, das auf unendliches Geldschöpfen und -schaffen angelegt ist. Um dieses zu erklären, muss man zunächst einmal die grundsätzlichen Fehler im System und die Österreichische Schule der Wirtschaft darlegen. Doch wird man dahin nicht kommen, wenn man der Linken bei ihrem Angriff gegen Banken zustimmt und ihnen damit bei der „Überwindung des Kapitalismus“ zur Hilfe eilt.

Die amerikanischen Konservativen, die im deutschsprachigen Raum in Bezug auf die Wirtschaft als libertär durchgehen würden, sind dabei unendlich viel weiter als die anscheinend schon genetisch sozialdemokratischen Europäer. Dennoch müssen sie im Land der Freien allen Widerstandsgeist aufbringen, um eine neue Subprime-Mortgage-Katastrophe zu verhindern. In Deutschland wird vor einer libertär-konservativen Revolution aber erst einmal darüber diskutiert, welche währungspolitischen Folgen der Kauf einer Bahnsteigkarte hat. Sigmar Gabriel bemächtigt sich derweil schon der Banken.

eigentümlich frei will sich im August für neue Leser interessant machen und wird dazu ihre Printausgabe in den Kiosken und in im Zeitschriftenhandel prominenter als bislang positionieren. Dazu kann man dem wichtigsten libertären Magazin Deutschlands nur alles Gute wünschen. eigentümlich frei sollte für viel mehr Leser erreichbar sein – worüber aber wohl nicht nur der Platz im Zeitschriftenständer entscheidet.

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Artikelbild: Schuldig oder Instrument der Schuldigen? Die amerikanische Zentralbank FED. (Bild: Dan Smith/ RdSmith4; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)