Federal Reserve Bank of NY (Bild: Dmadeo; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe unten)

Ein per versteckter Kamera während der 1950er Jahren in den USA gedrehter Film zeigt einen Melonenstand vor einem Supermarkt, bei dem man für den Preis einer Melone so viele der Fußball großen Früchte erwerben kann wie man selbst in der Lage ist in den Armen zu halten und zur Kasse zu tragen. Die Opfer der versteckten Kamera agieren wie jeder Marktteilnehmer und damit jeder Mensch. Und so sieht der amüsierte Zuschauer urkomische Bilder einer Hausfrau, die voller Verzweiflung möglichst viele Melonen aufladend mit allerlei Verrenkungen sich eine weitere Frucht in die bereits überladenen Arme zu hieven versucht. Am Ende verfällt sie auf die Idee, einen Passanten um Hilfe zu bitteOn und von ihm dem Stapel in ihren Armen eine Abschlussmelone hinzuzufügen. So manches Opfer der versteckten Kamera lässt die empfindlichen Früchte seiner Bemühungen aus den überlasteten Armen gleiten, so dass diese am Boden zerschmettern. Da der so angerichtete Schaden bald jede durch das Angebot verheißene Ersparnis übertrifft, sehen sich nicht wenige zur Flucht veranlasst. So amüsant diese Bilder und allein schon die Vorstellung davon ist, so lehrreich ist dieser Film.

Was sonst in unserer Wirtschaft passiert wird mit Ausnahme von Schlecker und Konsorten nur selten mit einer versteckten Kamera beobachtet. Vielmehr liegt es ganz offen zutage, welche – künstlichen – Marktanreize zu welchen teilweise abstrusen, komischen, tragischen aber immer folgerichtigen Ergebnissen führen. Doch anders als bei der als bei der Hausfrau aus New York, die einen Melonencocktail mit ganzen Früchten anrührt, wird hier die Absurdität so mancher derart angegangenen Unterfangen den meisten erst im Nachhinein deutlich.

Mythen bestimmen unsere Sicht auf die Wirtschaft

Das liegt daran, dass wir verlernt haben, die Zusammenhänge klar zu erkennen, da wir – um im Bild zu bleiben – die Melonen oder vielmehr die Preise hierfür nicht mehr als solche erkennen. Um dies zu können, müssen Mythen beseitigt werden. Mythen, die wir von Kindesbeinen an gehört haben und die uns seither in unseren Überlegungen und Betrachtungen fehl leiten.

Woher viele der Märchen für Erwachsene stammen, wie sie entstanden und wie falsch sie sind, soll in diesem Beitrag aufgezeigt werden. Ohne dass dies näher erläutert werden müsste, werden die Ursachen und die Zusammenhänge der gegenwärtigen amerikanischen und europäischen Krise deutlich.

Wie im ersten Beitrag zur amerikanischen Depression angekündigt, soll es hier auch um die Bindung des Dollars an Gold und die Behauptung gehen, der Goldstandard habe zur Depression von 1929 beigetragen, oder doch zumindest diese nicht verhindern können.

Die Weltwirtschaftskrise und vor allem die Entwicklung hin zu dieser in der hat nicht nur sehr viele Parallelen zu der heutigen misslichen Lage, sondern ist auch die historische Situation, in der so manche ideologisch gefärbte Grundannahme etabliert wurde. Daher wird dieser Beitrag neben dem Goldstandard auch noch die Preisstabilität unter die Lupe nehmen. Es wird auch deutlich werden, dass Hilfe eines Landes für das andere zu schlimmsten Verwerfungen führen und wie sehr dieses gerade heute wieder so großzügig gehandhabte Instrument die Weltwirtschaftskrise heraufbeschwor und eben gerade nicht der Goldstandard.

Der Goldstandard – vereinfacht erklärt

Zunächst eine kurze simplifizierte Erklärung, was Goldstandard bedeutet und welche Vorteile er bietet. Später wird deutlich werden, dass dieser Goldstandard unterlaufen wurde.

Papiergeld war zunächst einmal ein schriftliches Versprechen, dem Überbringer des Scheins eine bestimmte Menge Gold oder (oder sonstiges Edelmetall) auszuhändigen. Letztlich war damit jeder Geldschein eine Art Verwahrschein für das hinterlegte Edelmetall. Doch um nicht für jeden Kauf neuer Schuhe oder – im Falle eine Mannes – anderer, nützlicher Dinge zum Aufbewahrer des glänzenden Metalls zurückkehren und sich zurück zum Laden begeben zu müssen, begannen Verwahrscheininhaber mit den Scheinen direkt ihre Geschäfte abzuwickeln.

Durch die Begrenzung der Edelmetalle ist das Papiergeld zunächst nicht beliebig vermehrbar und damit wertbeständig. Doch der Inhaber des Goldlagers begann irgendwann zu bemerken, dass von den bei ihm gelagerten zum Beispiel 1.000 Goldmünzen nie mehr als 100 wirklich physisch abgeholt und als reales, physisches Gold in Umlauf waren. Was, wenn er nun ein paar Verwahrscheine ans sich selbst ausgab und seiner Frau ein paar hübsche Schuhe kaufte, so fragte sich unser Edellagerist. Niemand würde es bemerken. Doch je mehr er ausgab, desto mehr blies er damit den Geldkreislauf auf. Das hatte zur Folge, dass durch das leicht „verdiente“ zusätzliche Geld zunächst die Preise stiegen und schließlich die Scheininhaber misstrauisch wurden. Statt weiter mit den Verwahrscheinen zu handeln, wollten manche Markteilnehmer lieber das physische Gold in Händen halten, wenn sie dafür ihre Arbeit oder Produkte verkaufen wollten. Sie hinterlegten dieses Gold dann bei einer Bank die ihnen vertrauenswürdiger erschien.

Goldabfluss aus den einzelnen Ländern

Auch Währungen funktionieren auf diese Weise, auch wenn diese vereinfacht dargestellt wurde. Und wie bei dem Bankier, der sich erlaubte mehr Verwahrscheine auszugeben als er inne hatte, so fließt auch aus den Ländern mit Geldinflation das Gold ab und in die Länder hinein zu denen die Markteilnehmer größeres Vertrauen haben. Ein Effekt, der im Folgenden noch eine große Rolle spielen wird und der Amerika veranlassen sollte, seinem ältesten Bündnispartner mit Tricks zur Seite und damit selbst später in den Abgrund des Ruins zu springen und die Welt dahin mitzureißen.

Die Weltwirtschaftskrise, deren Anfang die meisten am „Schwarzen Freitag“ vom 25. Oktober 1929 festmachen, begann Ende 1921. Zumindest wurden zu dieser Zeit die ersten Löcher in des ökonomischen Hauses gebohrt, die später das ganze Gebäude unter großem Getöse zum Einsturz brachten.

Die 1913 gegründete Federal Reserve Bank (FED) war ein entscheidender Faktor beim Zustandekommen der späteren Krise. Ende 1921 Anfang 1922 kaufte diese Bundesanleihen. Verbilligte Kredite für die Landwirtschaft und auch für das Ausland, das damit Waren in den USA kaufen sollte und dies auch im großen Umfang tat. Beides heizte die Inflation an. Diese war jedoch zur schnelleren Überwindung der Krise von 1921 willkommen und gewollt.

Kredite ans Ausland wurden zur Befeuerung der amerikanischen Wirtschaft als derart wichtig angesehen, dass der spätere Präsident und seinerzeitige Wirtschaftsminister Herbert Hoover diese selbst dann als gut empfand, wenn es sich bei diesen um „schlechte Kredite“ handelte. Die Politik und dabei im besonderen Maße der propagandistisch als Libertinärer bezeichnete Hoover drängten die Banken zu Kreditvergabe an ausländische Schuldner und wollte sich sogar in die Prüfung der Kreditwürdigkeit der Schuldner einbringen.

Sollten die Banken nicht nach der Pfeife der Politik tanzen, wollten Hoover und Konsorten sich mittels des Kongresses die Kontrolle der Banken beschaffen. Die Banken gaben dem Druck nach und die privaten Anleger, die fast alle Kredite ans Ausland vergaben, hatten den Eindruck bei ausländischen Schuldnern sich auf die Einmischung des Staates verlassen zu können. Die Kreditvergabe nahm daher abenteuerlich irrationale Züge an.

Preis des Geldes als Steuerungsinstrument

Jede Blase, ob nun die vor kurzem geplatzte Blase des spanischen Häusermarktes oder der schon 2007/2008 geplatzte Immobilienblase in Amerika und die Überschuldung Griechenlands hat grundsätzlich dieselbe Ursache: zu billiges Geld!

Die FED trat nach 1922 zwar kurzfristig auf die Geldbremse und erhöhte Zinsen und nahm so Geld aus dem Markt. Folge war eine kurze nicht sonderlich schwere Depression. Vor allem die Kreditaufnahme aus dem Ausland ging zurück und in der Folge der Export amerikanischer Agrarprodukte. Durch Erhöhung von Zolltarifen führten zu gleichartigen Gegenreaktionen der europäischen Handelspartner.

Die Folgen sollten nun wieder durch billiges Geld für den einheimischen Markt aber auch für ausländische Schuldner überwunden werden. Die fremden Schuldner mussten im Gegenzug für Kredit, wie zuvor auch schon, das Geld auf dem amerikanischen Markt ausgeben, was zu einem ab 1924 angestoßenen und bis zum Jahr 1928 andauernden Exportboom führte.

Großbritannien gerät ins Schwimmen

Nach dem Ersten Weltkrieg wollte Großbritannien im Jahr 1924 wieder zum Goldstandard zurückkehren. Allerdings war durch den Krieg deutlich mehr Papiergeld als zuvor im Umlauf, so dass das frühere Verhältnis zu Gold nicht eingehalten werden konnte. Preise und auch Löhne auf einen Abwärtspfad übergehen zu lassen, war nicht gewollt. Die erstarkten Gewerkschaften und die Verbündeten in der Politik verhinderten dies auch erfolgreich. Der zwischen 10 bis 20 Prozent über dem Wert des Pfundes liegende Goldpreis sorgte dann allerdings für einen Abfluss des britischen Goldes in Richtung Amerika.

Nun betrat ein Mann die Bühne der Bankenwelt, der von einer Zusammenarbeit der Zentralbanken träumte. Benjamin Strong, Chef der 1914 gegründeten und bald schon sehr mächtigen Federal Reserve Bank of New York war nur allzu willig, den britischen Partnern zu helfen. Er traf sich regelmäßig mit dem Chef der Bank of England, Montagu Norman, um die einzelnen Maßnahmen zu besprechen.

1925 kehrte Großbritannien dann zum Goldstandard zurück, ohne die Voraussetzungen zu erfüllen und auch ohne bereit zu sein, die Konsequenz der Preisanpassung zu tragen. Vielmehr wollte man die sozialen Wohltaten, die das Empire nicht aus eigener Kraft finanzieren konnte, aufrecht erhalten. Neben der direkten Hilfe der FED in Form von 200 Millionen Dollar wurde den Briten auf Druck Strongs durch die Bank J.P. Morgan ein zusätzlicher Kredit von 100 Millionen eingeräumt. Diesen, so er genutzt worden wäre, hätte die FED bezuschussen müssen. Es wurden auch noch weitere europäische Länder mit diesen Kreditlinien bedacht, um deren Rückkehr zu einem Goldstandard zu ermöglichen.

Um den Abfluss des britischen Goldes in die ehemaligen Kolonien zu verlangsamen, der durch den falsch Kurs zu Gold zwangsläufig erfolgte, wurde die Geldmenge in Amerika ausgeweitet. Die so ausgelöste Inflation auf amerikanischer Seite sollte den Druck vom Pfund nehmen. Dies geschah auch durch die Senkung der Leitzinsen.

Inflation und „Preisstabilität“

An dieser Stelle ist es angebracht, auf das Phänomen Inflation einzugehen wie es meist gesehen und auch auf das hinzuweisen, was dabei meist übersehen wird. Die Inflation wird fast ausschließlich als das Verhältnis umlaufenden Geldwertes und Waren gesehen. Folglich bemisst man die Preisentwicklung an einem Warenkorb und die dafür im Durchschnitt entrichteten Preise. Wenn die Geldmenge zu schnell steigt, dann steigen auch die Preise. Daher wird oftmals gefolgert, dass stabile Preise aufzeigten, es gäbe keine Inflation.

Diese Sichtweise übersieht dabei aber einen Umstand, der die Messung unzuverlässig werden lässt. Zunächst einmal ist bei dieser Betrachtung das Geld kein Verwahrschein mehr im Sinne wie es oben ausgeführt wurde. Aber noch bedeutender ist die Tatsache, dass dabei letztlich unterstellt wird, Preise könnten nicht fallen.

Doch jeder Produktivitätsfortschritt macht sich bei genügender Konkurrenz auch in den fallenden Preisen bemerkbar. Diese können sich, wie etwa beim Computer, auch durch stabile Preise trotz besserer Ausstattung oder Qualität des Produktes bemerkbar machen. Doch kann die Tendenz zu fallenden Preisen durch die Geldmengenausweitung egalisiert werden. Somit sind zwar die Preise „stabil“, doch sie sind dennoch höher, als sie ohne das „frische Geld“ im Kreislauf wären. Daher könnte der Warenkorb, der üblicherweise gepackt wird, um zu sehen, ob die Preise gestiegen sind, gleich teuer geblieben sein. Doch die daraus abgeleitete Schlussfolgerung, es habe keine Inflation gegeben, ist dennoch grundsätzlich falsch. Denn die Preise wären tiefer und die Sparer und Lohnempfänger daher wohlhabender, wenn es keine Inflation gegeben hätte.

Daher sind Betrachtungen der 1920er Jahre, die die Behauptung beinhalten, es habe wenig Inflation gegeben, sehr kritisch zu betrachten.

Statt Gold sollen Absprachen die Währungen stabil halten

Um die Folgen der falschen Politik abzumildern, wurde die Zusammenarbeit der Zentralbanken verstärkt. Es wurde ein Drei-Klassen-System der Währungen eingeführt, bei dem die einen sich mit ihrem scheinbaren Goldstandard an Großbritannien mit seinem sehr verwässerten Goldstandard und dieses wiederum an die USA anlehnte. Nach Ansicht Murray N. Rothbards, die er in seinem Buch „America´s Great Depression“ darlegte, war Großbritannien die treibende Kraft hinter diesem System. Das Imperium wollte so die Anpassungsschmerzen vermeiden und sorgte auf diese Weise für eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und hielt in der Folge über eine Million Erwerbslose als Empfänger in der neuen staatlichen Versicherung.

Um dies einigermaßen aufrecht erhalten zu können, durfte natürlich möglichst in keinem Land ein tatsächlicher Goldstandard eingeführt werden. Dies hätte wie oben dargelegt sonst den Abfluss des Goldes aus diesem System in den tatsächlichen Goldstandard geführt.

Daher nutzten Strong und Norman ihren Einfluss, um 1926 die Einführung eines Goldstandards in Indien zu verhindern. Nur ein Zentralbanker wandte sich gegen dieses Vorgehen: Der deutsche Hijmar Schacht. Der Mann, der später mit seinen berühmten Mefo-Wechsel (Metallurgische Forschungsgesellschaft) dem Dritten Reich eine aberwitzige Verschuldung ermöglichte, die im Jahr 1938 die Nazis veranlasste, (noch mehr) jüdisches Vermögen für alle ihre sozialen Wohltaten zu rauben. Nur ahnungslose Geister glauben, es habe unter Hitler auch nur einen Ansatz nachhaltiger Wirtschaftspolitik gegeben. Wie in jedem sozialistischen System ging es um Versprechen sozialer Wohltaten, die man durch die Ausbeutung anderer ermöglichte. (Siehe hierzu: Götz Aly; „Hitlers Volksstaat Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus“)

Schacht, der mit der Reichsmarkeinführung am 15. November 1923 die Hyperinflation in Deutschland stoppte, war auch noch 1926 bei klarem Verstand und empfahl allein auf weiter Flur unter all den sonst einigen Zentralbänkern angesichts des Wunsches der Inder insgesamt zu einem wahren Goldstandard zurückzukehren. In späteren Jahren sollte Schacht allerdings erneut die Seiten wechseln und Keynes und seine Geldschöpfungspolitik unterstützen.

Politik mittels billigen Geldes

Doch die amerikanische Politik war nicht vollkommen selbstlos, wenngleich die Interessen der Bürger dabei nicht im Vordergrund standen. Die Inflation von 1924 wurde auch deshalb betrieben, um die Wahlversprechen des späteren Präsident Calvin Coolidges einhalten zu können, der den US-Bürgern niedrige Zinssätze versprochen hatte.

Der Abfluss von Gold aus Großbritannien und anwachsen der Goldvorräte in Amerika konnte so gestoppt werden. Doch schon bald wollten die Franzosen als große Kreditgeber dem britischen Pfund nicht mehr trauen und verlangten die Zahlung in Gold. Der Amerikaner Strong und der Brite Norman versuchten daher durch Druck die Franzosen vom Verkauf ihrer Geldvorräte in Pfund gegen Gold abzuhalten.

Erneut kamen die Zentralbanken zusammen, um mit Absprachen die harte Realität zu umschiffen und in die Zukunft zu verlagern. Im Juli 1927 fand die Konferenz statt, auf der die Amerikaner und Briten die übrigen Zentralbänker zu einer Inflationspolitik anhalten wollten, um so den Anpassungsdruck von den Briten zu nehmen, die laut Rothbard zu dieser Zeit schon lange nach billigem Geld „süchtig“ waren. Wenig verwunderlich haben sich zunächst Franzosen und die durch Schacht vertretenen und einer Inflation drei Jahre nach der Hyperinflation von 1923 wenig zugeneigten Deutschen gesträubt. Allerdings gaben die Franzosen trotz der frühzeitigen Abreise von der Konferenz nach und stimmten einer Politik des billigen Geldes und erhielt im Gegenzug amerikanisches Gold zum Vorzugspreis.

Bürger erhalten statt stabilen Geldes Parolen

Während die britische Öffentlichkeit die neuerliche Inflationierung begrüßte, kam in Amerika Kritik an der Politik der Federal Reserve Bank von New York auf. Doch Benjamin Strong behauptete, nur im Interesse der amerikanischen Farmer und Exporteure zu handeln. Schließlich, so der Zentralbanker Strong, würden diese und am Ende dann alle von dieser Politik profitieren. Man könnte hier eine Parallele zu dem immer wiederkehrenden Slogan sehen, der Euro nutze Deutschland.

Im Falle Strongs jedenfalls war die tatsächliche Überzeugung eine ganz andere. Sein Assistent schrieb im Frühjahr 1928 über die wahren Beweggründe seines Chefs: Strong sieht es als gefährlich an, wenn das einer internationalen Zusammenarbeit kritisch gegenüber stehende amerikanische Volk erkannte, dass es in ein internationales Bankensystem geführt worden war. Er [Strong] befürchtet einen Aufschrei, wenn die Ergebnisse der früheren Entscheidungen deutlich würden. […] Er sagte, dass nur sehr wenige Leute begriffen, dass wir nun den Preis für die Entscheidung von 1924 zahlten, dem Rest der Welt zu helfen, zu gesunden währuns- und geldpolitischer Basis zurückzukehren.

Rothbard schreibt dazu: „Kurz gesagt, wenn in unserer angeblichen Demokratie die Menschen wüssten, was in ihrem Namen getan wurde und welche Strafen ihnen dafür auferlegt werden, würden sie in ihrem Zorn aufstehen. Da ist es besser die Leute unwissend zu halten. Das ist natürlich das allzu bekannte Verhalten eines Bürokraten an der Macht.“

Die Schuldigen werden gesucht

Damit stellt sich nach Rothbard die für die Demokratie fundamentale Frage, wie Menschen über gemeinsame Angelegenheiten befinden oder ihre künftigen Repräsentanten beurteilen und auswählen können, wenn Letztere darauf beharren, bedeutende Informationen zu unterdrücken.

Aufgrund der Absprachen und Maßnahmen schoß die amerikanische Börse mittels des billigen Geldes vom Juli bis Dezember 1928 um 20 Prozent nach oben. Mit Ende des Jahres 1928 und dem Tode Strongs endete auch die Phase der Inflationierung.

Danach wurde das Ruder herumgerissen und die Geldmenge stieg nur noch unbedeutend. Damit war das nach Rothbard das Schicksal der amerikanischen Wirtschaft besiegelt. Denn es blieben nur noch eine Anpassung – und damit eine Depression – als Konsequenz möglich.

Doch gab es schon 1928 deutliche Anzeichen des Niedergangs. Doch nicht die Politik und auch nicht die Zentralbanken sahen sich in der Verantwortung. Vielmehr attackierte der republikanische Senator LaFollette die „gierigen Banker und Spekulanten“. Von nicht wenigen Abgeordneten wurde nun eine Politik des Maßhaltens angestrebt.

Der Kollaps kommt

Letztlich fuhr die Politik der späten 1920er Jahre mit ihrem Kurs des billigen Geldes fort. Der Versuch durch Anheben von Zinssätzen die Trendumkehr zu schaffen, hatten wegen gleichzeitig diesem Schritt widersprechenden Maßnahmen keinen Erfolg und konnte auch die vorherigen Fehlentwicklung auch nicht rückgängig machen.

Bis die unglaublichen Mengen fehlgeleiteten Geldes dann endlich zum Kollaps führten, sollte es nur noch wenige Monate dauern. Am Freitag den 25. Oktober 1929 explodierte der so lange angeheizte Kessel. Auf den Straßen New Yorks und bald in ganz Amerika und der Welt zerplatzten reihenweise all die bislang so schön balancierten Wassermelonen.

Doch mit fast ebenso großer Geschwindigkeit wie die Werte in den Keller rauschten wurde die Geschichte umgeschrieben. Schon sehr bald sollen es zuviel Markt und zu wenig Wirtschaftsplanung gewesen sein, die zum Zusammenbruch führten. Tatsächlich waren es von Anfang an die durch politischen Ehrgeiz veranlassten Eingriffe in Wirtschaft, Geld und Währung, die den Niedergang verursachten. Die, in deren Interesse diese angeblich vorgenommen wurden, führte man dabei und auch nach Eintritt der unvermeidlichen Konsequenzen hinters Licht.

An was erinnert uns das?

Artikelbild: Federal Reserve Bank of NY (Bild: Dmadeo; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe Link)