Islamic Finance wird vor allem mit Öl-Geld aus dem Nahen und Mittleren Osten gefördert (Bild: Dieter Schütz / pixelio.de)

Islamic Finance ist in Deutschland bisher weitestgehend erfolglos geblieben. Ein Diskussionspapier der Stresemann Stiftung zeigt nun, dass dafür vor allem intrinsische Hindernisse ausschlaggebend sind: Zum einen sind muslimische Migranten durch geringere formale Bildung und der oft fehlenden Erwerbstätigkeit der Frauen einkommensschwach und weisen wenig Anlagepotenzial für Finanzprodukte auf. Zum anderen führt das System der Scharia-Gelehrten durch unklare Rechtspraxis selbst zu Problemen.

Finanzregularien in Deutschland, England und Frankreich

„Das vorläufige Scheitern islamischer Finanzprodukte hierzulande kann nicht auf die mangelnde Unterstützung von Politik und Behörden zurückgeführt werden“, erklärt Rebecca Schönenbach, Autorin des Diskussionspapiers und zertifizierte Islamic Finance Spezialistin. „Denn auch in Großbritannien und Frankreich, die ihre Finanzregularien großzügig dem Scharia-konformen Banking angepasst haben, gibt es kaum Nachfrage bei den Anlegern.“

Muslime haben zu wenig Einkommen und investieren lieber in (türkische) Immobilien

Wie im Diskussions-Papier der Stresemann Stiftung anhand wissenschaftlicher Studien erläutert wird, fällt nicht nur das geringere Einkommen der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland ins Gewicht. So investieren zwei Drittel der hier lebenden Türken vorwiegend in Immobilien in der Türkei, knapp ein Viertel in hiesige Immobilien. Nicht einmal ein Fünftel gibt an, ein Sparkonto in Deutschland zu haben, in andere Geldanalageformen inklusive türkischer Islamic Finance-Produkte wird praktisch nicht investiert.

Was kommt mit der Scharia nach Europa?

Auf Anbieterseite liegt laut Schönenbach außerdem das Problem vor, dass die Rolle der Scharia-Gelehrten innerhalb der Banken bisher nur ungenügend geklärt ist. „Es gibt kaum klare Richtlinien für Fatwas, die islamischen Rechtsgutachten, und die verschiedenen Autoritäten widersprechen sich. Hinzu kommen oft mangelndes Wirtschaftswissen und fehlende Unabhängigkeit von den Finanzinstituten“, so Schönenbach. „Insgesamt müssten die Gelehrten Transparenz über die Werte des Islamic Finance und der Scharia schaffen, auch gegenüber einem nicht-muslimischen Publikum.“

Im Interview mit dem Magazin Citizen Times führte Schönenbach weiter aus, dass in England nach Einführung des Islamic Banking nun auch die Umstrukturierung der Rentenansprüche im Sinne des islamischen Versicherungswesens und Erbrechts für Muslime gefordert werde. So sollen etwa die Pensionen zinsfrei angelegt werden und die Witwen würden den Kindern und Eltern des Mannes nachgestellt, sollen also keinen Anspruch auf Witwenrente mehr haben. Schönenbachs Fazit: „Wenn sie einen Teil der Scharia akzeptieren, können sie den Rest nicht ignorieren.“