Dem einen oder anderen männlichen Mitmenschen dürfte es bei dem Gedanken daran den Unterleib zusammen ziehen – Beschneidung!

Seit dem ein Kölner Landesgericht diese Woche die religiöse Beschneidung eines unmündigen Jungen als Körperverletzung einstufte, ist Bewegung ins Thema gekommen. Das Stückchen fehlende Haut, so oft verharmlosend dargestellt, ist schon länger Stein des Anstoßes und wird durchaus immer wieder gern von Anti-Beschneidungsdemonstrationen flankiert. Aber bislang verpuffte dieses Engagement größtenteils.

Dieses Mal scheint es jedoch anders zu laufen. Auch die Urteilsbegründung der Richter war, philosophisch betrachtet, irgendwie menschlich. Die mit der Beschneidung einhergehende körperliche Veränderung des Kindes, so befanden die Richter, laufe dessen Interesse zuwider.

Was für ein Interesse könnte das nun sein?

Könnte es sein, dass es eigentlich nicht in Ordnung ist, einem kleinen, wehrlosen Jungen, mit oder ohne Narkose, einfach ein Stück seiner Vorhaut wegzuschnippeln? Was weg ist, ist weg. Ohne Zustimmung ist dieser kleine Mensch einer Religion zugeordnet der er, und dafür gibt es gute Gründe,  eventuell in späteren Jahren entsagen will und auch das Zeichen dieser Religion nicht mehr tragen möchte. Genau das sahen die Richter auch so. Denn, so weiter in der Urteilsbegründung, laufe die Beschneidung dem Interesse des Kindes zuwider, später selbst über seine Religionszugehörigkeit zu entscheiden.

Dieses Gericht, und dafür verdient es höchste Anerkennung, hat sich – anders als viele unserer Politiker – nicht von der Sorge abschrecken lassen, als antisemitisch und religionsfeindlich kritisiert zu werden. Dieses sagte Holm Putzke, Strafrechtler von der Universität Passau der Financial Times Deutschland. Und Recht hat er.

Wer bereit ist, seinen Sohn zu opfern, der schneidet auch

Eines ist den Wüstenreligionen, ob Judentum oder Islam, gemein. Sie verhaften ihre männlichen Nachkommen im unmündigen Kindesalter und schaffen unrevidierbare Tatsachen – sie schneiden.

Die Juden tun dies am 8. Tag nach der Geburt mit ihren männlichen Nachfahren. Der Knabe wird in den Bund Gottes aufgenommen – ohne Vorhaut. Den Juden gilt die Beschneidung als wichtigstes aller Gebote und geht auf den Stammvater Abraham zurück. Dieser hat, Alterssenilität kann hier nicht ausgeschlossen werden, im Alter von achtzig Jahren seine eigene Beschneidung selbst vollzogen. Dazu bediente er sich, Entschuldigung an alle männlichen Leser, einer Axt.

Die Muslime trennen die Vorhaut des männlichen Glieds, und bitte mindestens die Hälfte davon, mit der Begründung ab, dem Propheten Abraham und Mohammed nacheifern zu wollen. Für die Beschneidung setzt der Islam kein bestimmtes Datum fest. Aber auf keinen Fall am achten Tag nach der Geburt schnippeln, da schneiden die Juden ja schon und eine gewisse Authentizität muss schon gewahrt bleiben! Entweder am siebten Tag nach der Entbindung oder im Alter von etwa sieben Jahren wird der junge Muslim um die Hälfte seines Praeputium gebracht.

Mann könnte fast annehmen, dass beide, Jahwe wie Allah, sich bei der Schaffung der Vorhaut getäuscht haben und diesen Fauxpas durch die Beschneidung korrigiert lassen.

Die Christen indessen schneiden nicht, was die Muslime als unglückliche Richtung ansehen und den Juden anscheinend egal ist. Den Christen reicht die Säuberung des Herzens, es muss nicht weiter unten geschnitten werden.

Die Entrüstung eint sie

Und nun? Ein lautes Geschrei von allen Seiten, gerade so, als ob den jeweiligen Verteidigern des religiösen Rechts ohne Narkose die Vorhaut abgetrennt worden sei. Der Zentralrat der Muslime, der Zentralrat der Juden, sogar Bischöfe und der EKD echauffieren sich ob der Entscheidung des Gerichts, die die Unversehrtheit des menschlichen Körpers schützen soll.

Beispielloser, dramatischer Eingriff in die Rechte der Religionsgemeinschaft, jammert der Zentralrat der Juden.

„Eklatanten und unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften und in das Elternrecht”, klagt der Zentralrat der Muslime.

Am perfidesten der Einwand aus Richtung des EDK (Evangelischen Kirche in Deutschland), vom Präsident des Kirchenamtes Hans Ulrich Anke: „Die Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht seien unzureichend gegen das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit abgewogen worden”.

Worum geht es hier nun wirklich?

Es geht um Rechte. Erwachsenenrechte. Religionsrechte. Elternrechte. Erziehungsrechte. Um die Bewahrung von uralten Traditionen. Um Abgrenzung zu anderen Religionen.

Darf man darüber hinweg sehen? Dürfen diese angeblichen Rechte angetastet werden? Gerade Vereinigungen von nicht-religiösen Menschen und humanistische Vereinigungen wie der Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) haben hier die einzige richtige Antwort gefunden:
„Es wurde Zeit, dass die Beschneidung als das gesehen wird, was sie ist: Ein strafbarer Eingriff in die körperliche Unversehrtheit von wehrlosen und ihren Eltern ausgelieferten Jungen. Es ist dabei irrelevant, ob diese irreversiblen Verstümmelungen aus religiösen oder anderen ideologischen Gründen durchgeführt werden. Eine Beschneidung ohne eine medizinische Notwendigkeit ist Körperverletzung.“

Und sollte dieser Kampf für die körperliche Unversehrtheit von Kindern und gegen religöse Dogmen gewonnen werden, dann könnte man sich um die nächsten Opfer der allumfassenden Religionsfreiheit kümmern. Um die geschächteten Tiere.