Spanische Flagge (Bild: César Astudillo aus Spanien; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe unten)

Der Erleichtungsseufzer über das Wahlergebnis in Griechenland brachte nur eine kurzzeitige Entspannung auf dem europäischen Anleihenmarkt. Schon erschüttert eine neue Hiobsbotschaft die Investoren. Die Risikoaufschläge für Spanien erreichen den höchsten Stand seit der Euro-Einführung.

Die Rendite für spanische 10-Jahrestitel hat am Montagvormittag die kritische Marke von sieben Prozent übersprungen. Somit erreichte der Anteil der faulen Kredite spanischer Banken ein neues Rekordhoch. Trotz der kurzfristigen Erleichterung über den Wahlausgang in Griechenland sehen Analysten und Händler das Problem in Europa längst nicht als gelöst an. Griechenland werde weiterhin ein Problem bleiben und mit der Schieflage in Spanien und Italien könnte die Finanzlage in der Eurozone noch dramatischere Züge annehmend. Das Handelsblatt zitiert den Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, der den Verbleib von Griechenland in der Eurozone nach spätestens fünf Jahren als beendet ansieht.

Griechen werden die Sparmaßnahmen nicht mittragen

Die griechische Bevölkerung werde die Reformen und Sparmaßnahmen auf Dauer nicht mittragen, so dass selbst gelockerte Auflagen nicht erfüllt werden. Will die Staatengemeinschaft ihre Glaubwürdigkeit nicht komplett verlieren, wird sie irgendwann gezwungen sein, Griechenland den Geldhahn zuzudrehen, womit das Land dann rasch pleite wäre, so der Experte. Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter deutete am Montag im ARD-Morgenmagazin an, dass Griechenland auf ein Entgegenkommen der EU setzen könne, sollte das Land seine Vertragstreue unter Beweis stellen. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) stellte die Überlegung an, dass man Griechenland vielleicht mehr Zeit geben könnte, die vereinbarten Reformen umzusetzen.

Das Sorgenkind Spanien hat nicht nur das Problem einer geplatzten Immobilienblase in gigantischer Höhe zu bewältigen. Wie am Montag bekannt wurde, ist der Anteil der als faul eingestuften Kredite auf einen Höchststand gestiegen und liegt aktuell bei einer Summe von 153 Milliarden Euro. Wie Welt Online berichtet, könnte der Euro-Rettungsschirm durch die geplanten Hilfsaktionen für Spanien aufgestockt werden. Es sollen bis zu 100 Milliarden Euro für spanische Banken aus dem EFSF Rettungsfond bezahlt werden, so das der ab 1. Juli in Kraft tretende ESM unangetastet bleiben würde. Aus dem ESFS wurden bislang Summen in Höhe von 200 Milliarden Euro für Griechenland, Portugal und Irland aufgebracht. Die 200 Milliarden werden nicht vom ESM abgezogen, sondern angerechnet, und somit hält dieser eine Gesamtkapazität von 700 Milliarden Euro.

Aufstockung des ESM kostet Deutschland weitere 27 Milliarden Euro

Jetzt wird eine weitere Aufstockung um 100 Milliarden für Spanien diskutiert. Auch diese Summe soll aus dem noch gültigen EFSF bestritten werden und ebenfalls nicht vom ESM Volumen abgezogen werden. Steigt der ESM auf ein Gesamtvolumen von 800 Milliarden Euro an, würde das für Deutschland eine Haftungserhöhung um noch mal 27 Milliarden Euro bedeuten. Somit wäre dies eine zweite Erhöhung binnen kurzer Zeit. Ursprünglich war vorgesehen, dass alle EFSF-Hilfen auf den ESM angerechnet werden.

Italien reiht sich in den Reigen der steigenden Renditen ein. Auch dort sind die 10-Jahres-Renditen über die Marke von sechs Prozent gestiegen. Renditen, die über sieben Prozent liegen, gelten laut Experten als unzumutbar. Sind Renditen auf diesem hohen Niveau angekommen, schlittert ein Land schnell in die Zahlungsunfähigkeit. (BS)

Artikelbild: Spanische Flagge (Bild: César Astudillo aus Spanien; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe Link)