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Joachim Gauck bei einer Rede in Lübeck im Oktober 2011 (Bild: Thomas Pusch; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe unten)

Bundespräsident Joachim Gauck hat den wohl berühmtesten Satz seines Vorgängers Christian Wulff relativert. Wulff hatte gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland und war dafür mitunter heftig kritisiert worden. Gauck stellte nun klar, dass er „Ein-Satz-Formulierungen über Zugehörigkeit“ für problematisch hält, „erst recht, wenn es um so heikle Dinge geht wie Religion“.

Gauck teilt zwar die Intention des Satzes, wirbt jedoch in einem Interview mit der Zeit für eine „differenzierte Sicht auf den Islam“, ganz anders also als das deutsche Polit-Establishment, das den Islam stets pauschal und indefferenziert betrachtet und ebenso toleriert wissen will. Wulffs berühmten Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ hätte Gauck daher anders formuliert: „Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland“, sagte er im Interview.

„Solange das keinen rassistischen Unterton hat“

Der Bezug zum Islam jedoch werfe Fragen auf, beispielsweise inwiefern der Islam eine Aufklärung oder Reformation durchlaufen habe. Daher habe er für den Unmut über Wulffs Äußerung Verständnis, „solange das keinen rassistischen Unterton hat.“

Mit Blick auf die seit Jahren schwelende Debatte um Integration und Islam sagte Gauck weiter: „Jeder, der hierhergekommen ist und nicht nur Steuern bezahlt, sondern auch gerne hier ist, auch weil er Recht und Freiheiten hat, die er dort, wo er herkommt, nicht hat, der gehört zu uns, solange er diese Grundregeln nicht negiert.“ Auch damit gibt Gauck eine Definition von Integration und Zugehörigkeit vor, die zwar vor Jahrzehnten noch völlig selbstverständlich war, die jedoch heute in linken Kreisen, aber auch weit bis ins bürgerliche Lager hinein, beinahe in ihr Gegenteil verkehrt wurde.

Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung

Nicht selten entsteht der Eindruck, dass Integration aus Sicht der politischen Elite bedeutet, dass die aufnehmende Gesellschaft im Namen von „Multikulturalismus“ und „Vielfalt“ alles Fremde akzeptieren muss, selbst wenn es sich gegen die Werte des Staates richtet. Gauck wirkt dieser destruktiven Ideologie entgegen, indem er das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung als unabdingbare Vorrausetzung für Integration definiert. Damit setzt Gauck die moralische Linie fort, die er bereits in seiner Rede zur Integration in der Frankfurter Paulskirche vorgegeben hat. (MP)

Artikelbild: Joachim Gauck (Bild: Thomas Pusch; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe Link)