Der Berliner Publizist Manfred Kleine-Hartlage...

Am vergangenen Mittwoch hielt Manfred Kleine-Hartlage auf Einladung der Freien Wähler Frankfurt einen Vortrag zu seinem Buch über die „Neue Welt-Ordnung“. Auf metropolico wirft der Kommunikationswissenschaftler G. Andreas Kämmerer einen genaueren Blick auf das Buch und den Vortrag und untersucht, was es mit dieser vermeintlichen Verschwörungstheorie auf sich hat.

Es bedarf keiner Verschwörungstheorie, um zu erkennen, dass der Titel eines Buches maßgeblich an seinem Verkaufserfolg beteiligt ist.  Denn gerade in Zeiten einer hochkomplexen modernen Massenkommunikation müssen Themen auf den Punkt genau beschreiben, welche Inhalte sie versprechen. Ohne jene begriffliche Präzision, ganze Buchinhalte auf wenige Worte zu komprimieren, ist keine öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Dem neuen Buch von Manfred Kleine-Hartlage ist es nun auf vorzügliche Weise gelungen, Aufmerksamkeit zu erzeugen: Der Titel „Neue Weltordnung“ verkauft sich nicht nur prächtig, sondern stößt ebenso eine Frage an, die pointierterweise in dem Buch nicht behandelt wird. Nämlich die Frage, wer steckt dahinter, wer sind die „bösen“ Mächte hinter der „Neuen Weltordnung“. Manfred Kleine-Hartlage nennt in seinem Buch keine Namen, keine Organisationen, keine Religionen, keine Staaten, die maßgeblich bestimmend hinter einer möglichen neuen Weltordnung stehen könnten. Selbst politische Ideologien oder ökonomische Machtstrukturen wie beispielsweise  ein „globales Finanzkapital“ kommen in dem intelligenten Buch nicht als Verursacher vor.

Eine mögliche Wahrheit, so zumindest die These des Autors, ist viel schlimmer, als es sich politisch Korrekte oder politisch Inkorrekte vorzustellen vermeinen: Es sind nämlich, folgt man Kleine-Hartlage, alle ein wenig und somit in der Summe alle auf einmal an der neuen Weltordnung „schuld“. Daher weist der Untertitel des Buches (nämlich: „Zukunftsplan oder Verschwörungstheorie?“) ein wenig in die falsche Richtung. Der Plan ist nämlich schon gegenwärtig realisiert, als ein globales Denken über alle Institutionen, Nationen und Religionen hinweg, die die „Neue Weltordnung“ fundieren. Es ist eine neue „Ordnung“, die jede herkömmliche Ordnung auflösen muss. Und weil diese Entwicklung auf einer übergeordneten Systemebene bestens funktioniert, ist es wichtig, zu erkennen, dass von diesem politischen Entwicklungsprozess für die Freiheit aller eine große Gefahr ausgeht.

Wer also aufklären möchte, wer die Finger in die Wunden der Machtstrukturen legen will, wer Aufklärung jenseits von „political correctness“ nicht nur predigen, sondern auch durchsetzen möchte, jenseits von allen Klientelinteressen – der kommt an den Aussagen und Thesen von Manfred Kleine-Hartlage nicht vorbei; seine „Neue Weltordnung“ ruft uns alle zur Ordnung: Schaut genau hin!

Neue Weltordnung in Ton und Bild

...hielt auf Ladung der Freien Wähler Frankfurt vor einem interessierten Publikum...

Am 9. Mai war Manfred Kleine-Hartlage (übrigens Autor der grundlegenden Islamanalyse „Das Dschihad-System“) ein gern gesehener Gast bei einer von den Freien Wählern Frankfurt ausgerichteten Veranstaltung mit dem Titel: „Frankfurt, Mikrokosmos einer neuen Weltordnung“. Kleine-Hartlage sprach vor einem vollen Saal in eindeutiger Klarheit über die Inhalte seines Buches (siehe Video am Ende des Beitrags). Im Folgenden soll über diesen Vortrag hinausgehend die Sichtweise von Kleine-Hartlage beleuchtet werden. Denn Manfred Kleine-Hartlage ist kein Verschwörungs-Theoretiker, vielmehr ein nach logischer Stringenz strebender Sozialwissenschaftler, der dieser Berufsbezeichnung alle Ehre macht. Daher ist sein Ziel, rationale Erklärungen für gesellschaftspolitische Fehlentwicklungen zu finden. Das bedeutet, die Ursachen für erklärungsbedürftige Phänomene müssen einer strengen Logik folgen. Ein Anspruch auf Nachvollziehbarkeit, der Verschwörungstheorien naturgemäß völlig entgegensteht, denn eine Verschwörung, die sich logisch erklären lässt, kann keine Verschwörung mehr sein.

Wechseln wir daher die Sichtweise vom plakativen Titel auf jene Ebenen der Betrachtung, die dem Autor als Arbeitsgrundlage notwendig erschienen sind.

Neue Weltordnung im Detail

...einen beherzten Vortrag über das Thema seines Buches...

Dem Verständnis der logisch aufgebauten und immer nachvollziehbaren Argumentation von Kleine-Hartlage kommt es sehr entgegen, wenn man die soziologische Betrachtungsebene des Autors berücksichtigt. Er analysiert gesellschaftliche Strukturen, um aus dieser übergeordneten Perspektive die Ursachen für bestimmte gesellschaftliche Phänomene zu erklären: Masseneinwanderung, gewaltsame Durchmischung der Kulturen, die Auflösung staatlicher, nationaler, fiskalischer und rechtlicher Souveränität, die Zerstörung bürgerlicher Ordnungen, die Aufgabe demokratischer Prinzipien und die Utopie einer globalen Welt ohne Unterschiede, ohne Grenzen, als eine friedliche Weltgesellschaft – all das sind behandelte Aspekte, die das Buch des Autors so spannend machen. Denn es sind die brennenden Themen jener Menschen, die die politischen Korrektheiten durchschaut haben, für freies Denken und Handeln kämpfen und dafür auf die Straße gehen. Nur: eine Antwort auf die Frage, welche Triebkräfte hinter den skizzierten Entwicklungen liegen, konnte bisher nicht schlüssig beantwortet werden.

Hier setzt Manfred Kleine-Hartlage mit der Entwicklung eines theoretischen Erklärungsmodells an und beschreibt in seinem klugen Buch, das hinsichtlich Format und Preis in jede Hosentasche passen sollte, wie Deutschland in einer Art Salami-Taktik in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr von seiner politischen und demokratischen Substanz abgeben musste. Und wie parallel dazu die nationalen Souveränitäten auf europäische und globale Ebene übertragen wurden: Die Einführung des Euro, die Masseneinwanderung, der ESM-Vertrag, die Hinnahme ethnisch bedingter Kriminalität, alles scheint, wenn man es im Kontext einer bestimmten gewünschten Ordnung sieht, durchaus Sinn zu machen.

Und jener Sinn, dies hat Kleine-Hartlage sowohl in seinem Buch, als auch in seinem exzellenten Vortrag, unter Beweis gestellt, lässt sich kurz und knapp mit der strategischen Zielsetzung beschreiben: Die neue Weltordnung will die Auflösung tradierter Ordnungen erzeugen. Denn es geht um die Auflösung aller Strukturen über alle Ebenen hinweg, die eine Gesellschaft erst zu einer Gemeinschaft machen und diese zusammenhalten. Teile und herrsche, löse Familien, Nationen, Traditionen, Kulturen, Identitäten auf, nenne diese entwurzelten Fragmente globalisierte Vielfalt und setze jenes atomisierte Völkergemisch permanent unter den Druck des ökonomischen Scheiterns – und schon erhält man eine Masse an Menschen, die sich wunderbar in alle wirtschaftlichen Konstruktionen einpflegen lässt, egal welche Ideologie letztendlich dafür herhalten wird. Diese „Neue Weltordnung“ ist somit eine Auflösung aller tradierten Ordnungsprinzipien, die Menschen befähigen, sich gegenseitig zu solidarisieren und Widerstand gegen die Obrigkeit empfinden und ausüben zu können. Der gewünschte neue Mensch der „Neuen Weltordnung“ hat keine Ordnung mehr, kein Ziel, keine Vorstellungen, keine Traditionen, nichts. Er ist der formbare Massenmensch, grau in grau, der von den multinationalen Konzernen und Politikern mit Werbeversprechen illuminiert werden muss, damit er Farbe, Wärme, Leben widerspiegeln und fühlen kann, was er im Leben aber nie aus eigener Kraft erreichen soll.

Neue Weltordnung: Autologie der Macht

...über eine vermeintliche Verschwörungstheorie, die "Neue Weltordnung".

Die „Neue Weltordnung“ von Kleine-Hartlage, theoretisch hinterfragt – um den Kreis zu schließen – ist keine Verschwörungstheorie, denn jene Kräfte bündeln sich in einer „Verschwörung“, die in allen Köpfen der Mächtigen dieser Welt ihren Wohnort gefunden haben. Es ist eine globale Vernetzung auf gedanklicher Ebene, die keiner Hinterzimmer oder Geheimkonferenzen bedarf. Es ist ein globales Schlussfolgern, das bürgerliche Naturrecht der Vernunft außer Kraft zu setzen, und somit jederzeit die politischen, sozialen, wirtschaftlichen Spielregeln einer Welt bestimmen zu können, kurz, die Ermächtigung eines Netzwerks globaler Player, die keiner politischen Bemächtigung mehr bedürfen, da es im Erfolgsfalle keine Wertebasis für das Entstehen von Solidarität mehr gibt, um für ein gemeinsames Ziel gegen die Mächtigen zu kämpfen.

Es ist eine neue Ordnung, in der es, zu Ende gedacht, keine Politik, keine Ideologien, keinen Glauben mehr gibt, keine ordnenden Prinzipien, keine Strukturen für eine verlässliche Zukunft, nur noch die Autologie der Macht. Die neue Weltordnung, die Kleine-Hartlage zeichnet, erschreckt. Es ist eine Form sozialer Entropie: Die Wärme und Anziehungskräfte der Gemeinschaft nehmen immer weiter ab, alles entfernt sich und wird isolierter. Am Ende – dies rechnet uns die Astronomie im Weltall vor, steht der Kältetod, steht hier der Kältetod des Sozialen, das Erstarren aller solidarisierenden Bewegungen.

Doch bevor es soweit ist, werden die gesellschaftlichen Verwerfungen in einem letzten Aufbäumen soviel Reibung und Hitze erzeugen, dass ein explosives Gemisch entsteht, das jederzeit, überall, global, zur Explosion kommen kann. Manfred Kleine-Hartlages modellierte „Neue Weltordnung“ ist, wollte man sie ethisch verorten, die perfekte Negation des kategorischen Imperativs: Die „neue Weltordnung“  bemächtigt sich dieser Welt, in der Ordnungen global keinen Ort mehr finden sollen.

(Text: G. Andreas Kämmerer; Bilder: R. Sawicki, Frankfurt am Main)

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Das Video vom Vortrag Manfred Kleine-Hartlages in Frankfurt: