metropolico
Bajrambejamin Idriz (Bild: Franzec; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Youcef Nadarkhani ist christlicher Pastor im Iran, er betreut einige christliche Hausgemeinden. Da er bei Geburt Moslem war und mit 19 Jahren zum Christentum konvertiert ist, wurde er im Iran wegen „Abfall vom Glauben“ zum Tode verurteilt, ein in mehreren islamischen Ländern durchaus mögliche Konsequenz. Weltweit wird dagegen protestiert, Anfang März 2012 hat auch der Penzberger Imam Idriz einen Protestbrief an Ayatollah Chamenei geschrieben. Ein an sich löblicher Vorgang, durch Protest auch aus islamischen Kreisen kann die Wirkung auf die iranische Führung evtl. verstärkt werden.

Doch was genau enthält der Brief von Idriz an Chamenei? Zunächst die Behauptung, dass der Koran keine Strafen für den Abfall vom Glauben vorsieht. Das ist den Klerikern im Iran natürlich bekannt, die Todesstrafe dafür steht nicht im Koran sondern in der Sunna. Entsprechende Stellen[ref]Sunna = Überlieferte Taten und Aussagen des Propheten Mohammed. Hier relevant: „Wer den Islam verlässt, den tötet“; al-Bukhari Buch 52 Hadith 260.[/ref] dort erwähnt Idriz mit keiner Silbe. Stattdessen zitiert er laufend Koranverse, die der Todesstrafe zu widersprechen scheinen. Will er die iranische Geistlichkeit belehren? Glaubt er allen Ernstes, eine umfassend geschulte islamische Elite eines Landes hört auf einen deutschen Provinzimam, der nicht einmal ein islamwissenschaftliches Studium absolviert hat? Das ist so, als würde ein x-beliebiger Oberprimaner einem Albert Einstein erklären wollen, die Relativitätstheorie sei falsch.

Was ist also das eigentliche Ziel des Schreibens von Idriz an Chamenei? Als eigentlicher Adressat kann nur die deutsche Öffentlichkeit gemeint sein. Wenn man die Argumentation von Idriz analysiert, so wird klar erkennbar: hier soll der Islam verharmlosend dargestellt werden. Es werden nicht nur die entscheidenden Stellen der Sunna verschwiegen, die die Todesstrafe für Glaubensabfall islamrechtlich sehr wohl begründen, es werden von ihm auch abrogierte[ref]Abrogiert (=ungültig) ist ein Koranvers, wenn er durch einen späteren Vers zum selben Thema ersetzt wurde.[/ref] Koranverse verwendet [ref]Idriz zitiert den Vers: „Für euch eure Religion und für mich meine Religion“ (Sure 109, Vers 6) und „Es soll keinen Zwang geben in Sachen des Glaubens“ (Sure 2, Vers 256). Beide Verse sind abrogiert durch den sehr spät herabgesandten „Schwertvers“ (Sure 9, Vers 5): „Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die Götzendiener wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. …”[/ref] und andere aus dem Zusammenhang gerissen[ref]Idriz zitiert den Vers 32 aus Sure 5 nur teilweise und sinnentstellend. Er lautet vollständig: „Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels vorgeschrieben:
Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (dass es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. …” Dieser Vers steht im Koran, ist aber nur ein Hinweis auf die Tora, die für die Juden (=Kinder Israels) gilt. Wie bei vielen Islamapologeten üblich, lässt Idriz in seinem Brief den ersten Satz weg und es entsteht der Eindruck, als gälte das auch für Muslime.[/ref].

Fazit: Der Einsatz für Pastor Nadarkhani ist lobenswert, die Argumentation von Idriz aber ist für diesen Zweck untauglich und nur für die deutsche Öffentlichkeit gedacht. Wohl mehr raffinierte Taqiyya[ref]Taqiyya = Täuschen der Ungläubigen über die wahren Glaubensinhalte des Islam[/ref] als wirkliches Anliegen.

Bei Interesse gibt es hier das Schreiben von Imam Idriz an Chamenei im Original.