Hat, auf deutsch gesagt, nicht mehr alle Tassen im Schrank: Margot Honecker, hier im Jahr 1988 (Bild: Reiche, Hartmut; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Bild 183-1988-1019-031; Rechte: Siehe unten)

Die Frau des mittlerweile verstorbenen ehemaligen DDR-Diktators Erich Honecker, Margot Honecker, hat sich zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten öffentlich in einem Interview geäußert. Schuldgefühle und Reue: Fehlanzeige.

Am 2. April zeigt die ARD die Dokumentation „Der Sturz – Honeckers Ende“, in der es über den Aufstieg und den Fall Erich Honeckers sowie die letzten Tage des DDR-Unrechtsregimes geht. Für die Sendung erklärte sich auch die Frau des letzten Diktators auf deutschem Boden, Margot Honecker, zu einem Interview bereit. Es war das erste Fernseh-Interview der im chilenischen Exil lebenden Witwe seit über 20 Jahren.

„Eine verbohrte, alte Frau“

Nun wurden einige Stellungnahmen Margot Honeckers vorab bekannt und zeichnen ein schreckliches Bild: „Der Zuschauer erlebt eine verbohrte, alte Frau. Schuldbewusstsein? Fehlanzeige“, stellt beispielsweise Bild-Online fest.

Bezeichnend sind unter anderem Margot Honeckers Äußerungen zu den Mauertoten: „Es lässt einen nicht ruhig, wenn ein junger Mensch auf diese Weise ums Leben kommt. Man hat sich vor allem auch immer gefragt: Wieso hat er das riskiert? Warum? Denn das braucht ja nicht sein. Der brauchte ja nicht über die Mauer zu klettern. Diese Dummheit mit dem Leben zu bezahlen, das ist schon bitter.“ Mit anderen Worten: Aus ihrer Sicht sind die Mauertoten selbst an ihrer Erschießung schuld. Weiter behauptet Honecker im Film, es habe „keinen Schießbefehl“ gegeben, sondern „nur Waffengebrauchsbestimmungen“.

„Man wird darauf zurückkommen“

Die Staatsicherheit („Stasi“) bezeichnet Honecker als „legitime Notwendigkeit“, die tausenden politischen Häftlinge der DDR seien allesamt „kriminell“ gewesen. Auch die nachgewiesenen Zwangsdeportationen von Kindern politischer Gegner leugnet die eiserne Ost-Lady: „Es gab keine Zwangsadoption.“

Der Mauerfall sei in einer „Konterrevolution“ begründet gewesen, die westliche Agenten angezettelt hätten, so Honecker weiter. Und überhaupt sei die deutsche Einheit ein „Irrtum“ gewesen, so wie der Sozialismus nach wie vor das bessere System sei: „Es war nicht umsonst, dass die DDR existiert hat. Man wird darauf zurückkommen.“ Angesichts dieser erschreckenden Bekenntnisse einer überzeugen Sozialistin dürfen diese Worte wohl als Warnung aufgefasst werden. (MP)

Artikelbild: Margot Honecker im Jahr 1988 (Bild: Reiche, Hartmut; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Bild 183-1988-1019-031; Rechte: Siehe Link)