metropolico
Deutsche Einwanderungspolitik: Hochqualifizierte Melkkühe willkommen!

Die Bundesregierung hat am Mittwoch entschieden, die Hürden für den Zuzug hochqualifizierter Facharbeiter zu senken. Dazu soll eine neue „Blue Card“ eingeführt werden, dank der Ausländer bereits ab 48.000 Euro Jahresgehalt (und nicht wie bisher 66.000 Euro) bis zu drei Jahre in Deutschland arbeiten dürfen. Besteht das Arbeitsverhältnis dann immer noch, ist auch eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung möglich.

Nun muss deswegen niemand Panik vor einer neuen, unkontrollierten Zuwanderungswelle bekommen. Im Gegenteil. Erstens gibt es gravierende Integrationsprobleme in Deutschland nur mit jenen Zuwanderern, die eben nicht hochqualifiziert sind, sondern nur all zu oft direkt (und gewollt) in die sozialen Sicherungsnetze einwandern. Und zweitens, und vor allem zweitens: Deutschland ist kein Einwanderungsland. Und außerhalb des heimischen polit-korrekten Medienzirkus wird es auch nicht als solches wahrgenommen.

Das genauso traurige wie reale Ergebnis der deutschen Politik

Einwanderungsländer sind die USA, Kanada oder Australien. Und dort zieht es nach wie vor die meisten Hochqualifizierten hin. Freilich, weil dort englisch gesprochen wird, die Integration also – wohlgemerkt: aus Sicht derer, die sich integrieren wollen! – in diesen Ländern einfacher fällt. Noch entscheidender dürfte allerdings für viele Interessenten der Umstand sein, dass sie – als Hochqualifizierte! – des Rechnens mächtig sind. Denn während in Deutschland jeder gut qualifizierte (und folglich: gut verdienende) Arbeitnehmer unter Umständen bis zu 50 Prozent seines Gehalts für Steuern und Sozialabgaben abschreiben kann, locken Länder wie Australien oder Kanada mit weit besseren Konditionen. Wieso also die Hürde einer neuen, komplizierten Sprache auf sich nehmen und dazu noch netto weniger verdienen? Und das in einem Land, das offensichtlich an seinen hausgemachten Problemen, insbesondere der verfehlten Zuwanderungs- und Integrationspolitik der letzten Jahrzehnte erstickt?

Deutschland ist (leider!) für vor allem für jene Zuwanderer interessant, die nicht hoch qualifiziert sind und schlicht nach einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage streben, möglichst ohne dafür all zu viel zu tun. Sprechen diese auch noch türkisch oder arabisch, besteht mittlerweile selbst keine Sprachhürde mehr, wenn es sie in die entsprechenden Vororte deutscher Großstädte zieht. Und schlussendlich ist genau das einer der Gründe dafür, dass Arbeitnehmer in Deutschland mit derart hohen Steuern und Sozialabgaben belastet werden. Irgendwo muss das Geld für die mannigfaltigen Transfer- und Umverteilungssysteme von Hartz4 über Subventions-Chaos bis hin zu Euro-Rettung und Transferunion ja her kommen. Für Hochqualifizierte ist ein solches Land, das den Anschein erweckt, Leistung zu bestrafen und Leistungsverweigerung zu fördern, schlicht und ergreifend uninteressant. Genau deswegen wandern kaum ausländische Hochqualifizierten ein, sondern viele inländische Hochqualifizierte aus. Das ist das genauso traurige wie reale Ergebnis der deutschen Politik.

Was Deutschland wirklich braucht

Was Deutschland wirklich braucht, ist zu aller erst eine Lösung für die vielen Gering- und Garnichtqualifizierten, die bereits im Land sind. Diese müssen endlich, und zwar auch mit politischem Druck bis hin zur Androhung (und Durchführung) der Ausweisung, zur Integration gezwungen werden. Gemeint ist hierbei die Integration in die Arbeitswelt sowie die Integration in die Bildungs- und Leistungsgesellschaft. Nur wenn Deutschland selbst wieder zu einer Leistungsgesellschaft wird, kann es überhaupt in ferner Zukunft einmal für jene attraktiv werden, die von sich aus bereit und gewillt sind, etwas zu leisten.

Und was Deutschland zudem wirklich braucht, ist ein bundesweit einheitliches Bildungssystem, das sich Leistung, Effizienz und Fortschritt verpflichtet und die vielen Ressourcen im Land nutzt. Ein Bildungssystem, dass endlich wieder seinen Fokus auf die Bedürfnisse der Industrie- und Technologiegesellschaft ausrichtet. Denn der Schrei nach hochqualifizierten Ausländern, insbesondere mit technischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund, ist vor allem eins: Das Eingeständnis, dass die deutsche Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte genauso gescheitert ist, wie die Integrationspolitik.

Falsche Anreize im Bildungssystem

Dieses Problem ist nicht in Demografie begründet, sondern in falschen Anreizen im Bildungssystem, das völlig an den Interessen der deutschen Volkswirtschaft vorbei ausbildet. Ersichtlich ist dies beispielsweise im viel zu geringen Gewicht der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) in den meisten Bundesländern, gleichwohl in den Tausenden und Abertausenden Sozialwissenschaftlern, die das deutsche Bildungssystem produziert, und deren Aufgabe zumeist darin besteht, die andernorts verursachten Probleme zu verwalten (oder gar als so genannte „Experten“ zu leugnen und zu verklären).

So lange sich Deutschland als traumtänzerisches, von ökonomischen, bildungs- und gesellschaftspolitischen Spinnereien besessenes Land gebärdet, sollte es sich zumindest die Blamagen ersparen, die mit jeder weiteren, gescheiterten Initiative zum Anwerben von Hochqualifizierten einhergehen. Wer hochqualifiziert und dementsprechend klug ist, wird sich wohl kaum als Melkkuh den deutschen (und europäischen) Polit-Bauern zur Verfügung stellen.