Leipzig, Universität, Hörsaal, Anatomievorlesung (Bild: Grubitzsch; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Es handelt sich um eine illusorische Vorstellung, allen Bürgern die gleich hohe, kostenfreie Bildung zukommen zu lassen. Dies ist reines Wunschdenken, geht an der Realität vorbei und führt zum Zerfall des Bildungsniveaus und zum Ruin der Staatsfinanzen.

Harter Tobak! Landauf und landab, hauptsächlich aber dort, wo SPD, Grüne und die Linke die Bildungshoheit an sich reißen konnten, war einer der ersten Aktionen die Abschaffung der Studiengebühren.

Mehr Geld für die Bildung!

Parteiübergreifend dasselbe Geschrei. Auf der einen Seite die Einnahmen der Hochschulen durch Streichen der Studiengebühren verringern und auf der anderen Seite nach genau diesen Geldern schreien? Ist das nicht schizophren? Der Lieblingseinwand, um sich gegen Studiengebühren auszusprechen, sozusagen das Totschlagargument der vereinigten Linken – die „sozialen Gerechtigkeit“. Hören wir nicht immer und immer wieder: „Studiengebühren ermöglichen es nur den Reichen, Zugang zur Bildung zu haben“?

Stimmt das so? Wie sieht die Realität aus?

In Deutschland entscheidet das Bildungsniveau des Elternhauses über den Zugang zur Hochschule. Wohlgemerkt in einem kostenfreien Hochschulwesen! Aktuell stammen nur neun Prozent der Studenten aus Arbeiterfamilien. 100.000 Euro kostet den Steuerzahler ein Soziologe, 220.000 Euro ein Medizinstudium. Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, wie sozial ungerecht ebenjenes kostenloses Studium ist. Wir beweinen das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Die Armen werden angeblich immer ärmer, die Reichen immer reicher. Sollte dem wirklich so sein, dann ist eine der Hauptursachen dafür in der kostenlosen Hochschulbildung zu finden. Laut OECD-Studien hat in Deutschland ein Hochschulabsolvent eine 67 Prozent höheres Einkommen als ein Nichtakademiker. Der überwiegend gar nicht so reiche Anteil der Bevölkerung finanziert also mit seinem hart verdienten Geld im Rahmen der staatlichen Umverteilungspolitik die kommende, besserverdienende Bildungselite.

Diese Blutgrätsche ist also nur dadurch möglich, dass denen, die glauben, sich ein Studium nicht leisten zu können, das Geld aus der Tasche gezogen wird, um maßgeblich jene zu finanzieren, die eh schon einen Bildungsvorteil haben. Denn über 80 Prozent der Studenten kommen aus Beamtenfamilien, Akademikerfamilien und der gehobenen Mittelschicht. Genau dieser Teil der Bevölkerungs profitiert, um es nochmals zu betonen, von den kostenlosen Universitäten. Gerecht?

Bankrottveranstaltung

Dem Studierenden wir suggeriert: „Vater Staat“ ist für ihn zum Nulltarif da. Egal, welches traumtänzerische Studium erkoren wird, der allumsorgte Hochschüler kann unter diesen Umständen nicht erkennen, dass er für sich lernt, und nicht zuletzt durch diese Ausbildung seine zukünftigen Lebenschancen verbessert. Es kann gar nicht die Einsicht erwachsen, wie sehr es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, sich selbst an diesen zukunftsbildenden Maßnahmen zu beteiligen.

Der Stellenwert der Bildung in unserem Land hat durch diese staatliche Subventionierung einen Ramschstatus erhalten – C-Bewertung – im besten Fall! Das durchgängig öffentliche Bildungswesen ist somit zu einer hoffungslosen Bankrottveranstaltung verkommen.

Rentabilität der Ausbildung

Vergleicht man das deutsche mit anderen Bildungssystemen, welche den ökonomischen Gedanken der Bildung und der Ausbildungsstätte mehr Gewicht beimessen, kann man eklatante Unterschiede festmachen.

Bewirbt man sich in den USA an einer Eliteuniversität, welche immerhin zu 19 Prozent von Studenten aus Arbeiterfamilien besucht werden (nur zur Erinnerung: Im kostfreien, staatlichen Hochschulsystem Deutschlands sind es nur 9 Prozent), erhält man nach Aufnahme ein elternunabhängiges Darlehens, welches alle Kosten des Studiums abdeckt. In kurzer Zeit kann effektiv und ohne Existenzangst studiert werden. In die Harvard Business School investiert man schon mal 60.000 US-Dollar für zwei Semester. Soweit ist der Wert seiner eigenen Ausbildung dem Studierenden klar beziffert.

In Deutschland hingegen erhält ein Student aus einer einkommensschwachen Familie BAföG – ein zinsfreier Zuschuss zum Lebensunterhalt. Dies ist eine unsichere Zusage in die finanzielle Machbarkeit und Rentabilität des Studiums, welche der Studierende dann an überfüllten staatlichen Hochschulen unter Zeitdruck ableisten muss.

Profiteur von Studiengebühren ist das „Arbeiterkind“

Wäre die Hochschulbildung nicht „for free“ zu haben, würden genau diese Studenten aus finanziell schwachen Familien am meisten profitieren. Für einen Sprössling der Bildungselite ist es trotz schlechter Hochschulrealität kein Problem, aufgrund eines Beziehungsnetzwerks das berufliche Fortkommen voran zu betreiben.

Dieser gesellschaftliche Vorteil wäre ausgehebelt, wenn der Hochschulzugang mit Studiengebühren und dazu parallel laufenden Darlehen – und Stipendienprogrammen realisiert würde. Auch das Arbeiterkind erhält so eine gute, weil selbstfinanzierte Ausbildung an finanziell gut gestellten, privaten Universitäten mit motivierten, nicht staatlich ausgehaltenen Professoren.

Man kann es drehen und wenden wie man möchte. Derzeit werden in Deutschland, trotz aller Unkenrufe horrende Steuergelder aufgebracht um mehr als. 2 Millionen Studierenden den größtenteils kostenfreien Weg in das spätere Einkommen zu finanzieren. Zwangsläufig produziert diese Übernachfrage immer schlechter werdende Bildungsangebote. Unsere staatlich finanzierten Hochschulen verkommen zu Massenveranstaltungen, in denen immer mehr unqualifizierte Gemeinschaftsschulabgänger in eine angeblich karriereträchtige Zukunft entlassen werden. Welch ein Betrug an dem Financier, dem Steuerzahler. Welch ein Betrug an den Studierenden, den zukünftigen Arbeitslosen oder Minijobbern. Denn nach wie vor bringt niemand des Mut auf, die bildungspolitisch Verantwortlichen nach der zu erwartenden Rendite des abgewirtschafteten Hochschulsystems zu fragen.

Die einzig plausible Antwort auf die Frage, ob Bildung etwas kosten darf, lautet: „Bildung ist eine Investition in die Zukunft, und zwar in die eigene Zukunft.“ Deshalb sollte diese jedem Einzelnen etwas Wert sein. Was nichts kostet, wird nicht geschätzt.