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Einer für Alle: Joachim Gauck (Bild: metropolico)

Endlich weht ein frischer Wind im Schloss Bellevue! Das war schon in der gestrigen Antrittsrede Joachim Gaucks zu spüren. Es war eine große und gelungene Rede, so das überwiegende Echo in der deutschen Medien- und Politlandschaft. Und ausnahmsweise schließt sich die „Frank-Furter Schnauze“ diesem Urteil des Mainstreams an.

Welch Schande für die „Wessis“ dieser Nation

Freilich bediente Gauck in seiner Rede einige typische Axiome der politisch Korrekten. Beispielsweise brauche es „mehr Europa“, so Gauck mit Blick auf die Euro-Krise. Und die Impulse seines Vorgängers Christian Wulff in Sachen Integration würden ihm „beständig am Herzen liegen“. Gleichwohl deutete Gauck einen erfrischend neuen Umgang mit der deutschen Geschichte an. Bei aller notwendigen Auseinandersetzung mit den historischen Verbrechen der Deutschen dürfe dieses Land auch mit Stolz auf die positiven Ereignisse in seiner Geschichte schauen, um daraus Mut für zukünftige Aufgaben zu schöpfen.

Welch überwältigend richtige, gleichwohl jahrzehntelang ungehörte Sichtweise eines führenden deutschen Politikers. Welch Sternstunde der Vernunft, welch begrüßenswertes Korrektiv zu einer von Selbsthass zerfressenen Kultur. Und welch Schande für die „Wessis“ dieser Nation, dass erst ein „Ossi“ Bundespräsident werden musste, damit eine solche Selbstverständlichkeit ihren Weg in die höchste politische Sphäre der Republik findet.

„Unser Ansporn“

Es ist die Aufgabe des Bundespräsidenten, alle Deutschen zu repräsentieren. Genau das galt für Gaucks Vorgänger Christian Wulff nicht: Er war Einer für den Parteienblock, Einer für die politisch Korrekten, folglich sogar – und das als CDUler – Einer für die Linken, einer für die Muslime. Gauck hingegen macht sich auf, wirklich Einer für Alle zu sein. Und das ist gut so.

Nur eine Einschränkung gibt es. Und auch die machte Gauck in seiner Antrittsrede deutlich: Er ist Einer für alle Demokraten! Er ist Keiner für die Rechtsextremen im Land. Und auch das ist gut so. Denn das Oberhaupt eines demokratischen Staates muss nicht jene repräsentieren, die sich gegen die grundlegenden Werte dieses Staates richten. Wünschenswert wäre freilich gewesen, dass sich Gauck genauso deutlich gegen andere, wohlbekannte Antidemokraten positioniert. Auch der Hass von Islamisten und Linksextremisten sollte „unser Ansporn“ sein. Auch gegen diese Kräfte gilt es, Demokratie und Freiheit zu verteidigen.

Die Deutungshoheit der Linken

Und genau daran wird sich zeigen, wie weit Gauck den Kampf für sein Thema, die Freiheit, zu führen bereit und imstande ist. In seiner Antirttsrede wurde deutlich, dass der elfte Bundespräsident nicht gewillt ist, die Deutungshoheit der Linken über den Begriff der Freiheit zu akzeptieren. Für den Moment war schon das ein gewagter Schritt, insbesondere angesichts der erdrückenden Übermacht linker Schreiberlinge in deutschen Medien.

Mittelfristig wird Gauck, wenn es ihm wirklich um das Ideal der Freiheit geht, nicht umher kommen, die Deutungshoheit der Linken auch dahingegehend in Frage zu stellen, wer denn die Feinde der Freiheit sind. Und das sind eben längst nicht nur Rechtsextreme.