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Der "Magic Cube" (Bild: Fredrik; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Allein in Deutschland gibt es beinahe 100.000 Unternehmen, die sich mit der Informationstechnik (IT) beschäftigen und wohl zehnmal so viele, die deren Dienste und Produkte beziehen. Wer sich beruflich in der IT bewegt, ist daher froh, wenn ihn jemand an die Hand nimmt und ihm zeigt, welche der vielen kleinen und großen aufstrebenden und angestaubten Unternehmen zu den Themen des Tages die geeigneten Produkte anbieten.

Besonders populär ist dabei der Magic Quadrant des US-Beratungshauses Gartner. Regelmäßig erscheinen zu abgesteckten Themengebieten anschauliche Darstellungen der Marktbedeutung der Unternehmen mit ihren Produkten in diesem speziellen Feld. Ein  Produkt, mit dem es einem Unternehmen nicht gelingt sich im Magic Quadrant zu plazieren, kann als Vollflopp bezeichnet werden. Auch sollte man nicht irgendwo landen. Im Koordinatensystem aus „Completeness of Vision“ und „Ability to Execute“ hat es möglichst ein Platz rechts oben zu sein, also tolle, runde Zielvorstellung und die Fähigkeit, das ganze auch in die Tat umzusetzen.

Der in seiner Wahlentscheidung verunsicherte Bürgerliche sucht nun keine Firewalls oder Lösungen zum Mobile Device Management. Er sucht eine Partei, doch einen Magic Quadrant der Parteienlandschaft gibt es bei Gartner nicht. Also bauen wir uns eben selbst einen!

Woran erkennt man bei einer Partei, dass sie eine runde Sache verfolgt und dass sie nicht nur will sondern auch kann? Für die Einschätzung der Completeness of Vision sollte man danach suchen, ob eine Partei solche Dokumente erstellt hat wie ein Grundsatzprogramm oder Wahlprogramme. Diese müssen natürlich nicht nur vorhanden sein sondern in sorgfältigem Deutsch widerspruchsfreie Kernaussagen enthalten. In Wahlprogrammen dürfen die Aussagen auch etwas ins Detail gehen, denn darin sollen schließlich die Pläne erkennbar sein, die man umzusetzen gedenkt, falls man eine Wahl erfolgreich bestreitet. Über die Dokumente hinaus sollte die weitere Selbstdarstellung stimmig und konsistent sein so dass man sagen kann: die wissen genau, was sie wollen – auch wenn das Ziel vielleicht nicht meines ist.

Die Ability to Execute einer Partei lässt sich festmachen an harten Fakten wie den Mitgliederzahlen, dem Vorhandensein von Strukturen wie Landes-, Kreis- und Ortsverbänden, der finanziellen Ausstattung und natürlich zurückliegenden Wahlerfolgen. Auch Medienpräsenz spielt hier eine Rolle und das Vorhandensein von Persönlichkeiten mit Persönlichkeit.

Vergibt man nun anhand der genannten Kriterien Punkte für Klarheit und Konsistenz des Politikbildes etc., dann ergibt sich eine Darstellung, die sich nicht notwendigerweise mit den eigenen Präferenzen deckt. So finden sich die Grünen und die LINKE einfach deshalb im „Leader Quadrant“ wieder, weil man bei beiden weiß, woran man ist, auch wenn man es am liebsten nicht wäre. Die großen, alten Parteien sind wegen der professionellen Organisation im „Challenger Quadrant“. Trotz der umfangreichen Programmatik kann man sie aber kaum als visionär bezeichnen. In diesem Punkt eifern sie der Partei der Nichtwähler nach, die  einen Wahlerfolg nach dem anderen einfahren, obwohl sie komplett uninspiriert sind.

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Der "Magic-Quadrant der Parteien" nach Dr. Thomas Frieling

Interessant ist vor allem das Abschneiden der neuen kleinen Parteien, die hier ausschnittsweise vertreten sind. Wegen der widersprüchlichen Darstellung und der wenig professionellen Präsentation im Web und anderen Medien gelingt es speziell der FREIHEIT nicht, die fehlende Größe durch eine klare Linie wettzumachen. Daran sollte man arbeiten, wenn man für die eigene Sache eine Zukunft sieht. Die Piraten bringen ihre Kraft zwar besser auf die Straße, aber das genügt nicht, die wirren Programmversatzstücke zu kompensieren. Die Freien Wähler sind Stand heute sogar noch schwerer einzuschätzen und daher ebenfalls nur Nischenanbieter („Niche Player“).

Wegen der klareren Darstellung ihrer Ziele schaffen es PRO, Partei der Vernunft und die Bürger in Wut in den Quadranten der Visionaries (Vordenker). Letztere nehmen wegen des tadellosen Images und der Wahlerfolge bereits den Leader-Quadranten ins Visier.

Und wo ist die NPD? Die wurde ganz bewusst weggelassen, da ich mich nicht später mit Aussagen zitieren lassen möchte, ich hielte diese Partei für visionär.