Es gibt nur eines, was im Kommunismus nie ausgeht: Ausreden. Wann immer die Versprechen von Rekordernten, kostenloses Wohnen für alle und auch sonstige vorparadiesische Zustände sich nicht einstellen wollen, dann wird wahlweise der konterrevolutionäre Feind, das Wetter oder die unzureichende Umerziehung zum „Neuen Menschen“ sofort als Ursache und Sabotageakt an der an sich guten Idee ausgemacht. Mittlerweile gilt für die Mehrheit, dass die zahllosen Fehlschläge andere Ursachen hatten.

Dass der Kommunismus wirtschaftlich nicht überleben kann, ist klar und wurde oft durch die pure Realität ausreichend dargelegt, wenn es auch nicht alle einsehen wollen. Doch was ist mit dem sogenannten und lange propagierten „Dritten Weg“?

Die Frage ist, ob es ein Dritter Weg ist, oder ob man dem falschen Pfad des Kommunismus nicht mit lediglich verringerter Geschwindigkeit folgt. Der dritte Weg bestand bislang meist in einem – meist widerwilligen – Zulassen des Marktes, der aber immer als das Ungeheuer, als die Bestie, der zu zähmende Lindwurm betrachtet wurde. Jedenfalls, wenn man eine sozialistische oder auch nur sozialdemokratische Brille aufhatte.

Die Bändigung des schrecklich üblen Kapitalismus bestand darin, sich auf die Verteilung der Ergebnisse dieses den Sozialisten aller Länder als unheimlich betrachteten Monsters zu konzentrieren. Dazu wurde der Markt nicht nur eingeschränkt, sondern wurden auch seine Ergebnisse schon verteilt, bevor dieser das viele schöne Geld heranschaffen konnte. Daran hat sich nicht viel geändert. Der Dritte Weg des gedämpften Sozialismus westeuropäischer Prägung ist daher nur eine langsamere Art in die Pleite zu rutschen.

Die Staatsschuldenkrise ist daher eine Krise der Politik. Einer Politik der leeren Versprechen, des Verschiebens der Probleme auf morgen, wenn man nur die Wohltaten heute schon verteilen kann. Doch dieses Morgen kam der Gegenwart immer näher. Wer irgendwann für heutige Wohltaten bezahlen will, entdeckt schließlich, dass das irgendwann heute ist.

Es ist bei weitem nicht so, dass die Griechen, die Portugiesen, die Spanier und die Italiener alleine die Probleme haben und der Rest Europas hätte keine. Ganz Europa hat Zahlungsversprechen abgegeben, die es nicht einhalten kann. Es hat soziale Wohltaten verteilt, ohne dass diese erwirtschaftet worden wären. Und deshalb ist es nicht wirklich überraschend, wenn Großbritannien heute erklärte, kein Geld mehr zu haben. Magarete Thatcher stellte schon fest, dass der Sozialismus eine prima Sache ist bis einem schließlich das Geld anderer Leute ausgeht. Nun ist es in ihrer Heimat so weit.

Die Zahlen Griechenlands, die Frank Schäffler (FDP) heute im Bundestag noch einmal so eindrucksvoll vorgetragen hat, sind erschreckend. Er betrachtet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung Griechenlands um sieben bis acht Prozent als realistisch. Im Jahr 2011 hatte Griechenland statt eines kleineren Haushalts im Vergleich zu 2010 mit 68,9 Milliarden tatsächlich einen um 1,9 Milliarden größeren Haushalt verabschiedet. Noch nicht einmal im Militärhaushalt vermochten die Griechen zu sparen.

Aber auch Deutschland kann – bei allem Helferstolz der politischen Eliten gegenüber Griechenland – seine Zahlungsversprechen von knapp 6 Billionen nicht einhalten (die 2 Billionen offizielle Schulden sind nicht die einzigen Zahlungsversprechen). Wenn in einem Rekordjahr wie 2011 der Bundeshalt nicht mit knapp 20 Milliarden neuen Schulden finanziert werden kann, müsste uns das auch erschrecken.

Es gilt daher: wir sind alle Griechenland. Wir stürzen genauso ab. Aber wir freuen uns, dass nach dem Sprung vom Hochhaus Griechenland schon krachend auf den Boden donnerte, während wir stolz auf unsere noch nach unten zurückzulegende Strecke verweisen.

Aber anders als nach einem Sprung vom Hochhaus, gibt es bei einem falschen wirtschaftlichen Weg auch die Möglichkeit der Umkehr. So hat der einst sehr sozialdemokratisch regierte Staat Neuseeland eine solche Kehrtwende geschafft. In den 1980er Jahren stand Neuseeland vor der Staatspleite. Aber es kehrte um. Staatlich kontrollierte Monopole wurden zerschlagen, Subventionen abgeschafft und die soziale Hängematte gestrafft. Kurz: Neuseeland hat Markt zugelassen. Heute ist nicht nur die Landwirtschaft des Inselstaates ein blühender Wirtschaftszweig.

Doch Deutschland, ja Europa versucht lieber eine Rettung, bei der die Banken die Gewinne über lange Zeit einstreichen konnten, während sie nun die Verluste sozialisieren. Diese Art der Krisenbewältigung könnte genau denen in die Hände spielen, die die Krise des Schuldenstaates, die Folgen der leeren Versprechungen in eine Kapitalismuskrise umdeuten wollen. Die Folge könnte sein, dass Europa an seinen Schulden und Sozialversprechen zerbricht. Und dies, um danach den Weg hin zu noch mehr Staat und noch mehr Sozialismus einzuschlagen. Damit könnte sich ironischerweise die Sehnsucht der beiden amerikanischen Sozialisten Cloward und Piven in Europa verwirklichen. Diese hatten die Strategie beschrieben, mit immer stärkerer Belastung des kapitalistischen Systems mittels sozialer Versprechungen und Kosten für den Zusammenbruch des Systems zu sorgen. Nach dem Zusammenbruch kann die Gesellschaft dann endgültig in das soziale Paradies aufbrechen. Für die dann zu erwarteten Folgen stünde eines wieder im Überfluss parat: Ausreden!

Doch im Augenblick fehlt uns der Blick für die Gefahr. Stattdessen versuchen wir am dritten Stock vorbeisegelnd Griechenland wieder aus dem von ihm hinterlassenen Einschlagkrater zu ziehen. Physikalisch unmöglich? Richtig; aber wirtschaftlich auch.