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Eine DDR-Sonderbriefmarke zum 20-jährigen Bestehen der SED (1968)

Das ist schon von einer gewissen Ironie: da steht demnächst mit Joachim Gauck ein Mann aus dem Osten als Bundespräsident zur Wahl. Und die einzige Partei, die überhaupt nicht mit diesem Kandidaten zurecht kommt, ist ausgerechnet die „ostdeutsche Volkspartei“, die Linke.

Stattdessen schicken die Genossen eine eigene Kandidatin ins Rennen: Beate Klarsfeld, die berühmt-berüchtigte Nazi-Jägerin. Auch das ist durchaus von einer gewissen Ironie, wie ein Blick in die dunkelrote Vergangenheit des deutschen Ostens offenbart.

„Das braune Erbe des Sozialismus“

Vor einigen Monaten, im November letzten Jahres, erschien auf Welt-Online das Essay „Das braune Erbe des Sozialismus“ von Freya Klier, einer jüdisch-stämmigen Publizistin, die in der DDR aufgewachsen ist. In ihrem höchst lesenswerte Text beschreibt sie, welchen Umgang die SED mit Gastarbeitern pflegte, so genannten „Fidschis“ (Vietnamesen) und „Mozis“ (Mosambikanern): „Fidschis und Mozis waren in abgesonderten Wohntrakts untergebracht, die offiziellen Gaststätten waren ihnen verwehrt. Sie durften die Stadt nicht ohne Genehmigung verlassen, mussten in den Betrieben niedere Arbeiten verrichten und sollten gar nicht erst Deutsch lernen. Vor allem – und das lässt jeden Rechtsradikalen noch immer jubeln – standen ihre Frauen unter Abtreibungszwang.“ Zurecht fragt sich Klier angesichts dessen: „Gibt es ein rechtsradikaleres Programm?“

Einen Monat später erschien – ebenfalls auf Welt-Onlineein ebenso lesenswerter Artikel von Thomas Auerbach: „Geburt des Rechtsextremismus im Stasi-Elternhaus“. Darin beschreibt Auerbach, dass die DDR-Führung nicht nur die Augen vor rechtsextremistischen Tendenzen verschloss, sondern mehr noch: „in Stasi-Familien gedieh der braune Sumpf besonders gut.“

Gänzlich unglaubwürdig

Kein Wunder also, dass der Neo-Nationalsozialimus prompt nach der Wende und vornehmlich im Osten der Republik einen traurigen Höhepunkt erlebte. Und auch heute noch sind rechtsextreme Gesinnungen dort viel weiter verbreitet, wo bis vor 20 Jahren die Ahnen der Linkspartei unangefochten das Sagen hatten. Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie gänzlich unglaubwürdig die SED-Erben tatsächlich sind.

Beate Klarsfeld täte gut daran, sich mit der Geschichte der Linkspartei etwas näher zu beschäftigen. Vielleicht weckt das ja sogar ihren Jäger-Instinkt. Die Nazi-Originale sind zwar mittlerweile fast gänzlich ausgestorben. Neonazis finden sich allerdings noch zur Genüge in diesem Land. Da wäre so einiges, was sich zu jagen lohnt. Klarsfeld sollte am besten gleich anfangen. Und zwar in der Partei, deren Präsidentschaftskandidatin sie nun ist. Waidmanns Heil!