Joachim Gauck (Bild: Tohma ; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Der Schock sitzt offensichtlich tief. Christian Wulff, der Bundespräsident, der den Islam per Staatsdekret auch zu Deutschland gehörig verortete, der den „Deutsch-Türken“ endlich das Gefühl gab „auch zu Deutschland“ zu gehören – diesen Präsidenten gibt es nun nicht mehr.

Die Muslime in Deutschland sind besorgt. Hatte sich doch Wulff, ihr Präsident, wie kein anderer vorher für ihre Belange, was immer diese auch sein mögen, eingesetzt. Beim Fastenbrechen zum Ramadan-Ende, das dürfte solch ein muslimischer Belang wohl sein, war Wulff ein gern gesehener Gast. Überschwänglich bedankte sich Wulff 2011 bei den Muslimen für deren Integrationswillen: „Ich bin voller Hochachtung für jeden, der sich in diesem Geist, mit Mut und Menschlichkeit in die Gemeinschaft einbringt. Viele Muslime tun das immer wieder aufs Neue und fördern damit auch den Zusammenhalt in Deutschland.“

Dem mag so sein, aber die Frage drängt sich auf: Muss man sich ausdrücklich für ein an-und-für-sich normales Vorgehen und Verhalten bedanken? Muss man sich als offizieller Repräsentant des Aufnahmelandes bei jenen ausdrücklich bedanken, die sich – ohne Probleme zu machen – in unsere Gesellschaft einfügen und von dieser in großem Maße profitieren?

Ebenso dürfte das korankonforme Auftreten von Bettina Wulff, wie selbstverständlich bei Staatsbesuchen in islamischen Ländern keusch in ein Kopftuch gehüllt, das Wohlwollen der islamischen Verbände in Deutschland gefunden haben. Ein Bundespräsidentenpaar wie aus dem islamischen Bilderbuch.

Relativ unkritisch wurden Wulffs Verfehlungen dementsprechend seitens muslimischer Verbände thematisiert. Es machten sich sogar Verschwörungstheorien breit, Wulff sei wegen seiner „positiven Islamaussage“ in den Fokus der Medien geraten, die Vorwürfe gegen den Präsidenten seien sogar überhaupt nur deswegen erhoben worden. Eine Theorie, die angesichts der üblichen Schönfärberei von Islam und Integration in deutschen Medien wie ein Märchen aus tausend und einer Nacht erscheint.

Zumindest Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime und tapferer Vorreiter in Sachen „Scharia für Deutschland“, ist sich ganz sicher, dass Wulffs Rücktritt nichts mit seiner Islam-Aussage zu tun habe. „Ich teile die Verschwörungstheorie ausdrücklich nicht, wonach Herr Wulff wegen seiner Aussagen zum Islam den Hut nehmen musste“, sagte Mazyek. Der Vorsitzende bekräftigte kürzlich sein uneingeschränktes Vertrauen in das deutsche Rechtssystem. Weiter ist er sich sicher, dass der neue Bundespräsident den durch Wulff eingeschlagenen Weg der „Integration“ fortsetzen werde. Zum einen bleibt dann unverständlich, weshalb Mazyek das deutsche Rechtssystem mit der Scharia aufhübschen möchte. Und zum anderen schließt sich die Frage an, welche „Integration“ Mazyek hier wirklich meint. Man könnte meinen, dass Mazyeks Vorstellung von „Integration“ nicht den muslimischen Mitbürgern gilt. Nichts käme dem gelegener, als ein Bundespräsident, der bereitwillig erklärt: „Der Islam (und die Scharia?) gehört zu Deutschland.“

Und jetzt das! Als Nachfolger nominiert wurde Joachim Gauck. „Ist er der Richtige für uns Deutsch-Türken?“ wird nun mit weitaufgerissenen Augen hilfeheischend gefragt. „Bei der Versorgung wollen selbst diejenigen integriert sein, die unsere Kultur ablehnen, oder sogar bekämpfen und denunzieren“ – das sagte Joachim Gauck öffentlich 2010 in einer Rede vor dem Berliner Abgeordnetenhaus zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit über integrationsunwillige Immigranten. Solche Worte kann man bei seinem Amtsvorgänger Wulff lange suchen, man wird wohl nicht fündig. „Wenn eingewanderte Familien sich noch jahrelang der Landessprache verweigern, dann werden alle Integrationsbemühungen scheitern.“ Und weiter heißt es bei Gauck, dies sei „ein merkwürdiger Zustand, und der kann nicht unbesprochen bleiben.“ Ein Hörfehler? Kennt man doch den Sing-Sang vom ungebrochenen Integrationswillen unserer Immigranten mit muslimischer Glaubenszugehörigkeit beinahe auswendig. Welch schräge Töne – und dennoch die Meinung unseres künftigen Bundespräsidenten!

Dabei hätten sich doch die Deutsch-Türken so sehr einen Bundespräsidenten gewünscht, der in Wulffs angewärmte Islamlatschen steigt. Ein Präsident, der ihnen das „Gefühl der Anerkennung“ gibt. Anerkennung, liebe besorgte deutsch-türkische Mitbürger bekommt man nicht einfach per se durch´s Einatmen und Ausatmen, auch nicht durch einen islamophilen Bundespräsidenten. Anerkennung, liebe besorgte deutsch-türkische Mitbürger, erarbeitet mach sich, man erwirbt diese durch sein Handeln und Tun. Noch schlimmer, ja geradezu schmerzhaft für muslimische Einwanderer, war Joachim Gaucks Attest, Thilo Sarrazin habe Mut bewiesen und die politische Klasse könne aus dem Erfolg des „sarrazinischen Buchs“ lernen.

Dass der ehemalige Bürgerrechtler und evangelische Theologe Gauck auch zu vielen anderen gesellschaftlichen und politischen Belangen klare Aussagen getroffen hat, dass er mehr Eigenverantwortung einfordert, die Politiker verpflichtet, mit mehr Klarheit die eigenen Positionen zu vertreten und mehr Mitwirkungsmöglichkeiten für den Bürger verlangt, sei hier nur eine Randnotiz.

Die DITIB, der verlängerte Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Deutschland, pries Wulff als „weitsichtigen und umsichtigen Bundespräsidenten, der mit seiner Aussage ‚Der Islam gehört auch zu Deutschland‘ den gordischen Knoten der deutschen Einwanderungsgesellschaft löste“. Welch ein Held! Welch ein Alexander! Die DITIB orakelt weiter vor sich hin, dass sich der Nachfolger Wulffs „an diesen Maßstäben messen lassen“ müsse. Das, Herr Gauck, müssen Sie sicher nicht!

Ich freue mich jedenfalls auf unseren neuen Bundespräsidenten. Ich freue mich auf einen Repräsentanten, der Aussagen und Feststellungen zu Problemen formuliert, auch wenn sie die einen oder anderen Kreise stören. Joachim Gauck – schon 2010 mein Bundespräsident! Mögen er also standhaft bleiben! Wir alle, Deutsch-Türke hin, Deutsch-Deutscher her, haben einen Bundespräsidenten verdient, der zu aller erst der Wahrheit verpflichtet ist. Denn: Wird die Wahrheit mißachtet, dann verschwindet alsbald auch die Freiheit!

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