Demonstration gegen Israel im Jahr 2011 (Bild: metropolico)

Die türkische Regierung kann sich eine offizielle Repräsentanz der von Israel und den USA als Terrororganisation eingestuften Palästinenserbewegung Hamas in Ankara vorstellen. Staatspräsident Abdullah Gül erklärte am Montag, die Hamas sei „eine wichtige politische Formation, die Wahlen gewonnen hat“, berichtete das österreichische Magazin nachrichten.at.

Israelischen Medienberichten zur Folge soll die Türkei der Hamas eine Finanzhilfe in Höhe von 300 Millionen US-Dollar zugesprochen haben. Die Zeitung Haaretz schreibt, bei dem Treffen mit Hamas-Führer Haniyya sei der Organisation die Summe erneut versprochen worden. In einem Interview mit CNN am Freitag bestätigte Shimon Peres diese Vermutung. Die radikal-islamistische Hamas erhalte 900 Millionen Dollar im Jahr, und zwar hauptsächlich aus dem Iran, Katar und der Türkei.

Die Türkei bestreitet die Spenden

Laut den Deutsch Türkischen Nachrichten (DTN) dementiert das türkische Außenministerium die Behauptung. „Es gibt keine finanzielle Hilfe für die Hamas. Die Türkei ist aber an Projekten beteiligt, die humanitäre Hilfe in Gaza leisten“, so die Erklärung an die türkische Zeitung Zaman. Israel hingegen versuche durch die Blockade, die Region unterentwickelt zu lassen.

„Die Türkei ist einer der größten Vertreter der palästinensischen Frage“, erklärte Gül der Nachrichtenagentur Cihan am Sonntag. „Die Hamas ist eine politische Körperschaft, die durch die Stimmen der Bevölkerung an die Macht gekommen ist“, so Gül. Er sagte weiter: „Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit der Hamas, aber wir müssen warten und sehen, was daraus wird“, zitiert die DTN den türkischen Staatspräsidenten.

Türkei möglicher neuer Sitz der Hamas

Der Hamas-Politiker und Ex-Premier Ismail Haniyeh hatte Anfang Januar 2011 die Türkei besucht. Er ehrte die Opfer des israelischen „Militärangriffs“ auf die „Gaza-Hilfsflotte“ und deren Hinterbliebenen. Bei einer Kommandoaktion der israelischen Eliteeinheit „Shayetet 13“ waren im Mai 2010 acht türkische Palästina-Solidaritätsaktivisten und ein türkisch-amerikanischer Doppelstaatsbürger an Bord des Schiffes „Mavi Marmara“ getötet worden. Allerdings hatte das Schiff zuvor eine israelische Seeblockade durchbrochen. Beim Betreten des Schiffes wurden die Soldaten angegriffen, später fanden sich Waffen und Munition in der Ladung, die wohl für die Palästinenser bestimmt waren.

Hamas-Vertreter äußerten wiederholt den Wunsch, Erdoğan in Gaza begrüßen zu wollen. Medienberichten zufolge zieht sich die Hamas-Führung derweil allmählich aus Syrien zurück. Unter den Überlegungen zu einem neuen Sitz sei auch die Türkei. Möglich wäre auch Ägypten, Jordanien oder Katar für den neuen Hamas-Sitz. (BS)