Ex-Bundesbänker und Buchautor Thilo Sarrzin (Bild: Nina Gerlach; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Man muss kein ausgewiesener Großbritannien-Fan sein, um doch mindestens eines anzuerkennen: in manchen Punkten sind uns die Briten etwas voraus. Den Spuk rund um die Einheitswährung Euro machten sie beispielsweise von Anfang an nicht mit und weigern sich bis heute beharrlich, dem selbstkonstruierten ökonomischen Fiasko der Kontinentaleuropäer beizutreten. Ohnehin sieht man dort die europäische Integration mit gemischten Gefühlen: Zusammenarbeit ja, aber Einheitsstaat nein. Die Briten wollen Briten bleiben, in einem Europa der Vaterländer. So wurde den Bürgern die EU übrigens einst von Kohl und Konsorten versprochen. Heute ist jeder hierzulande ein europafeindlicher Rechtspopulist, der es wagt, nur auf die Einhaltung dessen zu pochen, was vor kaum mehr als zehn Jahren vereinbart wurde.

Auch in Sachen Integration und Islamisierung waren und sind die Briten uns Deutschen etwas voraus. Allerdings bis dato im negativen Sinne. Genauso wie in Frankreich und den Niederlanden rächt sich dort die Historie als Kolonialmacht: zahlreiche Wirtschaftsflüchtlinge aus ehemaligen Kolonien konnten relativ einfach einwandern, hatten nicht selten sogar schon den Pass des Kingdoms mit im Gepäck. Deswegen ist der Anteil von Migranten insbesondere aus muslimischen Ländern in England (genauso wie in  Frankreich) höher als hierzulande. Dementsprechend größer sind die Probleme dort, nicht zu guter letzt ersichtlich an den Ausschreitungen in London im letzten Jahr. Paris hatte ähnliche Zustände schon eher erlebt.

Nun hatten die Geschehnisse wohl auch ihr Gutes: im Nachlauf der Ausschreitungen kam es in England zu einer Debatte, die freilich ebenfalls vom geisttötenden Filz der politischen Korrektheit gelähmt war, jedoch weit offener geführt wurde, als dies derzeit hierzulande denkbar wäre. Und die eklatante Lage in den Problemvierteln Londons, Manchesters und anderer Städte erzeugte einen Handlungsdruck, der nun die Politik zu Taten zwingt. Wie die Daily Mail berichtet, wird die britische Regierung diese Woche Pläne für eine neue Einwanderungspolitik vorstellen. Eine Politik, die – so könnte man meinen – auf den Erkenntnissen Thilo Sarrazins beruht.

So will Einwanderungsminister Damian Green die Insel „zum attraktivsten Land der Welt für die Klügsten und Besten machen.“ Die Zeit der Masseneinwanderung sei vorbei. Man wolle zudem das Aufenthaltsrecht neu regeln, womöglich sogar ein Mindesteinkommen einführen, das Einwanderer nachweisen müssen, um eine permanente Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Sollten die Pläne umgesetzt werden, dürfte Großbritannien eine Welle von Ausweisungen bevor stehen. Auch eine „Organisation zur Aufdeckung von Scheinehen“ sowie „neue Regeln zur Familienzusammenführung“ sind demnach geplant.

In der Summe zeigt sich in dem Vorhaben folgende, einfache Überlegung, die eigentlich selbstverständlich ist: Einwanderung soll der britischen Mehrheitsgesellschaft nutzen, nicht schaden. Genau dieses Prinzip liegt der Einwanderungspolitik eines jeden, tatsächlichen „Einwanderungslandes“ der Welt zu Grunde: Kanada, USA und Australien beispielsweise.

Wenig erfreulich ist allerdings der Umkehrschluss mit Blick auf die deutsche Gesellschaft: wahrscheinlich müssen auch hier die Probleme erst so groß und offensichtlich werden wie in England vor einigen Monaten, damit selbst der verlogenste Chefredakteur, der linkeste Politiker und der verblendetste Gutmensch sich endlich der Realität stellen und die einfache Frage beantworten muss: wollen wir unser Land nun wirklich abschaffen, oder nicht? Wer dies nicht will, kommt nicht umher, Thilo Sarrazins Buch zu lesen und eine Politik einzuführen, die zumindest die wesentlichen, darin beschriebenen Missstände zu lösen versucht. Mittelfristig übrigens im Sinne aller Menschen in diesem Land, auch der eingewanderten: die wären nämlich faktisch vom Regen in die Traufe gekommen, wenn es in Deutschland in zwanzig Jahren wirtschaftlich und gesellschaftlich genauso aussehen würde wie in den hintersten Winkeln Ostanatoliens.

Artikelbild: Ex-Bundesbänker und Buchautor Thilo Sarrzin (Bild: Nina Gerlach; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)